Nach Betreten des gläsernen Pavillons, dessen futuristisch gestaltetes Dach einem geöffneten Fallschirm nachempfunden ist, gelangen die Besucher des Airborne Museums von Sainte-Mère-Église direkt in den Innenraum einer 20 Meter langen Douglas C-47.
Plötzlich befindet man sich hoch in der Luft über der Normandie. Es ist Nacht, nur vorne im Cockpit blinken einige Lichter. Wortfetzen von Funkmeldungen dringen nach hinten, übertönt vom Lärm der deutschen Flak.
Lebensechte Puppen mit zur Tarnung geschwärzten Gesichtern, die US-Fallschirmjäger (im Englischen: paratrooper) darstellen, sind entlang dem schmalen Gang plaziert. Ihre Reglosigkeit wirkt beklemmend. So steif und starr müssen auch jene Männer, die sie darstellen, in der Nacht zum 6. Juni 1944 in ihren engen Maschinen gesessen haben.
Für die meisten dürfte das Signal, dass sie sich zum Absprung bereit machen sollten, wie eine Befreiung gewirkt haben. Kurz darauf traten sie einer nach dem anderen an die geöffnete Luke, aus der sie für einen kurzen Moment auf die vom Mondlicht beschienene Landschaft der am Ärmelkanal gelegenen französischen Halbinsel Cotentin blicken konnten, ehe sie sich mit einer energischen Vorwärtsbewegung aus der Maschine stürzten.
In den Stunden nach Mitternacht am 6. Juni 1944 sprangen über der westlichen Normandie insgesamt 6000 Mann der 82. US-Luftlandedivision (Airborne Division) zwischen den Flüssen Merderet und Douve ab, weiter östlich war es noch einmal dieselbe Zahl von Soldaten der 101. Division.
Entgegen dem gängigen Heldenmythos, der in den fünf Pavillons des Museums mit Hilfe von Tausenden Waffen, Uniformteilen und Abzeichen – oft aus dem persönlichen Besitz von Veteranen – wieder auflebt, gestaltete sich der echte Einsatz der Amerikaner in dieser entscheidenden Nacht eher schwierig. Oft flogen die unerfahrenen Besatzungen der DC-47-Maschinen zu hoch oder über dem falschen Gebiet, und so verteilte sich die eindrucksvolle Armada von Männern über Dutzende von Kilometern.
Eine Handvoll Amerikaner etwa ging direkt über dem Marktplatz von Sainte-Mère-Église nieder, wo sie von den zuvor bereits durch einen Brand alarmierten Deutschen leicht bekämpft werden konnten. Glimpflicher verlief der Einsatz für den 32-jährigen Private (Gefreiten) John Steele vom
3. Bataillon des 505. Fallschirmjägerregiments, der mit seiner Fallschirmkappe am Eckturm der mittelalterlichen Kirche hängenblieb. Zwar konnte er sich stundenlang nicht aus seiner misslichen Lage befreien, aber er überlebte die Nacht – und den Krieg.
Eine Sequenz in dem Monumentalfilm „Der längste Tag“ (1962) machte Steele weltberühmt. Ein an einem Fallschirm hängender Dummy auf der allerdings falschen Seite des Kirchendaches erinnert bis heute an sein ungewöhnliches Schicksal.





