Nur zwei allgemeine Erkenntnisse wird man aus den insgesamt 23 knappen Fallstudien des von Gerd Ueberschär herausgegebenen Bandes über die Reaktionen in fast allen europäischen Ländern auf den deutschen Widerstand herausdestillieren können: Der deutsche Widerstand hatte es lange Jahre schwer im Ausland wahrgenommen und dann gar auch noch positiv bewertet zu werden. Und: In den meisten Staaten hat sich in den letzten Jahren eine Annäherung an ein vertieftes, wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes Bild ergeben, das aber nicht mehr sonderliches Aufsehen zu erregen vermag. Daß nicht mehr allgemeine Erträge zu verzeichnen sind, liegt an der Anlage dieses Bandes. Gerd Ueberschär pflegt in großer Schaffens- und Organisationskraft fast jährlich neue Bücher vorzulegen. Auch diesmal hat er Sachkenner aus vielen und über viele europäische Länder gewonnen, die allemal gut recherchiert haben. Im Vergleich zu ähnlichen Unterfangen, wie sie von Hans-Adolf Jacobsen bereits 1969, aber auch von Ueberschär selbst stammen, wurde diesmal die kulturelle Rezeption breit berücksichtigt, und das bringt insgesamt bemerkenswerte Ergebnisse gerade für hierorts weniger bekannte Länder wie Litauen oder Lettland – aber auch Luxemburg oder Finnland. Leider ist jedoch der Zugriff der einzelnen Autoren recht beliebig: Die einen behandeln bereits die Unterstützung, Kooperation, Beobachtung von Widerstand vom Ausland her seit 1933, die anderen setzen erst mit der deutschen Niederlage von 1945 ein. Die einen richten sich ganz auf unmittelbare Reaktion auf den 20. Juli 1944 und konstatieren dann (so zumal Lothar Kettenacker für Großbritannien), daß man den Widerständlern nicht entgegenkommen wollte oder konnte, die anderen schreiben nur über die wechselvolle Nachkriegsrezeption, die viel mit der je eigenen Vergangenheitspolitik zu tun hatte. Die einen gehen auch auf Kirchen und Arbeiterwiderstand ein, die anderen richten ihr Augenmerk überwiegend auf das wichtigste Attentat. Wer alles will oder als Herausgeber zuläßt, schafft leider oft ein wenig Beliebigkeit.
Rezension: Dülffer, Jost





