Papst Leo X. (1513 –1521) erhielt vom portugiesischen König Manuel I. als Ehrengeschenk einen Elefanten, der auf die Römer großen Eindruck machte, vom Papst heiß und innig geliebt wurde, aber dessenungeachtet – oder gerade deswegen, weil mit ungesunden Leckerbissen ernährt – früh, nämlich gerade einmal sechs Jahre alt, das Zeitliche segnete. Das exotische Riesentier wurde vielfältig gemalt und in Satiren gegen den Pontifex maximus verwendet: als Symbol seiner allzu prächtigen, als unangemessen weltlich angeprangerten Hofhaltung. Clou der Geschichte: Bei Bauarbeiten wurden die Knochen des Elefanten gefunden und pietätvoll aufbewahrt. Fürwahr, eine starke Geschichte: ein römisches Dschungelbuch der pittoreskesten Art. Doch leider auch ein Ärgernis. Hätte es der Autor nur dabei belassen, seine bären-, Pardon: elefantenstarke Story zu erzählen, und nicht den unglücklichen Ehrgeiz genährt, eine Pontifikatshistorie gewissermaßen aus der Dickhäuter-Perspektive zu schreiben! Dieses Unterfangen nämlich mißlingt gründlich. Und zwar deshalb, weil der Verfasser zwar viel von Hanno, dem Stoßzahnträger, doch wenig vom Papsttum im allgemeinen und von Leo X., seinem Hof, seiner Familie und seiner Politik im besonderen versteht. In Erman-gelung dieses historischen Fachwissens aber wird wahllos, kritiklos, hilflos aus den unterschiedlichsten, meist aber veralteten und nicht selten dubiosen Quellen geschöpft. Das führt zu so bemerkenswerten Feststellungen wie derjenigen, daß Leo X. „der Erbe und die Verkörperung des Entdeckerstolzes der Hochrenaissance“ wurde – ausgerechnet ein Papst, der Italien nie verließ und die Erschließung der Neuen Welt, wie alle italienischen Intellektuellen der Zeit, höchstens beiläufig zur Kenntnis nahm. Und was über Luther, Zwingli, Calvin und die Rolle des Pap-stes in den anhebenden Bewegungen der Reformation gesagt wird, geht schlichtweg nicht auf die stärkste Kuh-, Entschuldigung: Elefantenhaut. Ganz abgesehen davon, daß der Autor den „Thesaurus Ecclesiae“, die unsichtbare, da aus den Verdiensten der Heiligen genährte Quelle des Ablasses, für real existierendes Finanzkapital zu halten scheint, den greisen Hadrian VI. bei seiner Wahl zu einem jungen Mann von 36 Jahren und Francesco Guicciardini, der im sicheren Florenz weilt, zum Augenzeugen des Sacco di Roma macht. Ein dem Elefanten, Symbol der Großmut, angebrachtes Fazit aber kommt zum Schluß, daß man diese Seiten einfach überblättern, sich statt dessen an der phantastischen Reise des liebenswerten indischen Riesenvierbeiners und seines Fortlebens in wundervollen Fresken erfreuen und wie die Zeitgenossen einfach einmal nur staunen sollte.
Rezension: Reinhardt, Volker





