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Der Erzherzog, der auf dem Meer zu Hause war
Erzherzog Ludwig Salvator aus der Toskana-Linie des Hauses Habsburg (1847–1915) wird auf Mallorca bis heute verehrt. Er war ein Weltenbummler, der mit seiner Jacht „Nixe“ das Mittelmeer durchstreifte – ein vielfach interessierter Naturforscher, Reiseschriftsteller sowie Pazifist.
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Sein Wunsch war es gewesen, unter Olivenbäumen auf Mallorca begraben zu werden und nicht in der düsteren Kapuzinergruft in der Wiener Innenstadt, eingemauert im Kreis seiner erlauchten Familienmitglieder: Kaiser Franz Joseph und dessen Gemahlin Elisabeth, die legendäre Sisi, Kronprinz Rudolph, Maria Theresia und ihr Gatte Franz Stephan von Lothringen, seine Eltern Leopold II. und Maria Antonia sowie seine Geschwister. Aber so bestimmte es das Hofprotokoll: Erzherzog Ludwig Salvator, genannt Luigi, war von hochadliger Herkunft, ein Mitglied des österreichisch-ungarischen Kaiserhauses. Am 12. Oktober 1915 starb er während des Ersten Weltkriegs in seinem väterlichen Stammschloss Brandeis an der Elbe in Böhmen. 68 Jahre war er alt geworden. Kriegsbedingt fand die Überführung nach Wien erst drei Jahre nach seinem Tod statt.
Auf Mallorca spricht man vom „Arxiduc“, in Wien kennt ihn kaum jemand. In Miramar und Son Marroig, den ehemaligen erzherzoglichen Besitzungen an der Nordwestküste der größten Baleareninsel, können Besucher seine Wohnräume besichtigen. Straßen wurden nach ihm benannt, Wanderwege, Aussichtspunkte und Weine; auch Restaurants und Bars bedienen sich gern seines Namens. Im Museo Municipal des Kartäuserklosters in Valldemossa erinnert ein Gedenkraum an ihn. Valldemossa und der Erzherzog sind eng miteinander verbunden.
Allerdings steht er im Schatten eines weltberühmten polnischen Komponisten, der mit seiner Geliebten, der französischen Schriftstellerin George Sand, und deren Kindern im Winter des Jahres 1838/39 mehrere Monate in dem mallorquinischen Bergdorf verbrachte: Frédéric Chopin. Scharen von Touristen strömen durch das Dorf und die Gänge des Klosters – bis zum Gedenkraum für Ludwig Salvator kommen nur wenige. Für den Erzherzog braucht man aber Zeit, er lässt sich nicht im Vorbeigehen mitnehmen. Ein bedeutender Wissenschaftler war Ludwig Salvator, meinen die einen, ein Reiseschriftsteller und Weltenbummler, Naturfreund und Umweltschützer, sogar als ersten Grünen bezeichnet man ihn und als Pionier des Tourismus auf Mallorca. Andere sehen in ihm einen Sonderling, einen Lebemann und Feudalherrn, der sich aufgrund seiner Herkunft und der finanziellen Mittel alles erlauben konnte.
Er war wohl dies alles, jedenfalls eine schillernde Persönlichkeit. Falsch daran ist nur, dass man diesem Mann immer wieder einen bestimmten Stempel aufdrücken will, der allein ihm nicht gerecht wird. Zweifellos war Ludwig Salvator eine der interessantesten Persönlichkeiten unter den Habsburgerprinzen des 19. Jahrhunderts. Am 4. August 1847 im Palazzo Pitti in Florenz geboren, verbrachte er unbeschwerte Kinderjahre in den Boboli-Gärten und benachbarten Villen der Familie, bis die Ereignisse des Jahres 1859 dieser Glückseligkeit ein jähes Ende bereiteten.
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1859 muss die Familie die Toskana fluchtartig verlassen – und sich eine neue Heimat suchen
Im heraufziehenden zweiten italienischen Unabhängigkeitskrieg (Sardinien-Piemont, unterstützt von Frankreich, gegen die österreichische Herrschaft) drohte der Habsburger Leopold II., Großherzog der Toskana, zwischen die Fronten zu geraten. So verließ die Familie Ende April 1859 eilig ihr Herrschaftsgebiet in vier Kutschen Richtung Wien.
Kaiser Franz Joseph I. (1848–1916) war nicht erfreut darüber, die Verwandtschaft aufnehmen zu müssen, brachte ihn doch die politische Situation Italiens in eine schwierige Lage. Die „Italiener“, wie man die toskanischen Verwandten am Wiener Hof nannte, mussten sich nach einer neuen Heimat umsehen. Die Toskana war für Habsburg für immer verloren, und in Wien konnten sie aus Sicht des Kaisers nicht bleiben.
Zunächst war Schloss Schönbrunn Zufluchtsort, dann eine kleine Villa in Bad Vöslau bei Baden, wo Ludwig Salvators Vater nach langem Ringen und schweren Herzens im Juli die Verzichtserklärung auf die Toskana unterzeichnete; weiterhin das Barockschloss Schlackenwerth an der Eger (Ostrov) im böhmischen Erzgebirge und das Renaissanceschloss Brandeis an der Elbe (Brandýs); schließlich eine gemietete Wohnung am Altstätter Ring in Prag.
Da war der junge Erzherzog gerade einmal 16 Jahre alt. Doch das unstete Leben aufgrund politischer Umstände ging weiter: 1866 wieder auf der Flucht, dieses Mal von Böhmen ins oberösterreichische Gmunden am Traunsee, weil die verheerende Schlacht von Königgrätz, in der Österreich Preußen unterlag – im Schloss Brandeis konnte man die Gewehrsalven und den Kanonendonner von den Schlachtfeldern hören –, eine große Gefahr darstellte.
Böhmische Winter sind lang, grau und kalt, mit viel Nebel und Schnee. Luigi begann zu husten, litt an chronischer Bronchitis und Asthma. Bereits in Florenz war er immer wieder krank gewesen. Seine Eltern schickten ihn, zusammen mit seinem jüngeren Bruder Johann Nepomuk Salvator (später Johann Orth), auf Anraten der Ärzte nach Venedig. Dort sollte er mehr als zwei Jahre verbringen, bis alle Krankheitssymptome verschwunden waren.
Am Lido sammelten sie Muscheln, unternahmen Ausflüge mit venezianischen Gondeln, sie machten lange Spaziergänge an der frischen Luft oder begaben sich auf den einen oder anderen Abstecher nach Triest. Täglich wurden Briefe an die Eltern geschrieben, auf Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Griechisch; dann folgten Reisebeschreibungen, versehen mit kleinen Illustrationen.
Ludwig Salvator veröffentlichte einige Jahre später, noch im Selbstverlag, sein erstes Buch über Venedig und Venetien, abgefasst in französischer Sprache, gewidmet seiner geliebten Mutter Maria Antonia. Viele Bücher folgten im Lauf der Jahre, fast ausnahmslos auf Deutsch.
Österreichische Erzherzöge wuchsen bis zum Alter von sechs Jahren in der „Kindskammer“ auf, in der Obhut der Aja, einer Art Kindermädchen, und des Ajo, eines männlichen Erziehers. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder genoss Ludwig Salvator eine exzellente Erziehung. Vor allem die Naturwissenschaften weckten das Interesse des Kindes, das viel Freude am Lernen hatte. Vater Leopold II. erkannte früh, dass sein Sohn Luigi etwas Besonderes war, weshalb er für dessen Bildung keinerlei Kosten scheute. Der Palazzo Pitti, die umliegenden Gärten, die naturwissenschaftlichen Sammlungen und Museen der toskanischen Hauptstadt Florenz bildeten das Studierzimmer des jungen Erzherzogs. Später in Prag wurde Ludwig Salvator von Professoren der Prager Karls-Universität, die vom Vater nach Absprache mit dem Kaiser in Wien ausgewählt wurden, unterrichtet. Der Grundstein für seine späteren Arbeiten war gelegt.
Eine erste lange Schiffsreise: Das Mittelmeer zieht ihn in seinen Bann
Während seines Venedig-Aufenthalts zwischen 1861 und 1864 bereiste Ludwig Salvator mit seinem Erzieher Eugenio Baron Sforza zum ersten Mal den zur Monarchie gehörenden Küstenstreifen zwischen Venedig und Kotor. Die Reise begann an Bord eines Dampfers der Schifffahrtsgesellschaft Lloyd in der Lagunenstadt. Von Triest aus fuhr man die Küste entlang über Muggia, Koper, Opatija, Rijeka, Pula, Zadar, machte Station auf diversen kleineren Inseln, dann ging die Reise weiter nach Bakar, Dubrovnik, in die Bucht von Kotor und bis an die Südspitze des heutigen Montenegro, nach Budva.
Zum ersten Mal in seinem Leben hielt sich der Erzherzog monatelang am Mittelmeer auf, dem er von diesem Zeitpunkt an immer verbunden bleiben würde. Er beschrieb diese Faszination so: „Wer kennt nicht den Zauber des Meeres, wer hat nicht die Macht seiner Anziehung gespürt, ewig verschieden in Bewegung, Färbung und Stimmung! Und wer aus dem Becher dieser Wonne getrunken hat, der kann sich davon nicht trennen, und diese Liebe nimmt, wie jeder edle Trieb, mit jedem Jahre zu, statt mit den Jahren zu schwinden. Das Meer stärkt, kräftigt und veredelt … Und wie schön ist dieses Leben auf dem Meere … Wer es einmal erprobte, der vermag es nicht wieder aufzugeben, die Barke wird zum wahren Hause.“
Sein ganzes Leben lang unternahm der umtriebige Erzherzog zahllose Reisen im Mittelmeerraum, von Triest die gesamte österreichisch-ungarische Küste entlang bis in die Bucht von Kotor und dann weiter zu den Ionischen Inseln, von Alboran in der Straße von Gibraltar bis nach Zypern. Der Anblick seines in einem Hafen vor Anker liegenden Schiffes mit den Flaggen von Mallorca, Spanien und Österreich-Ungarn war längst ein vertrautes Bild geworden.
Für Ludwig Salvator, der fand, „dass das Meer, gleich einem Spiegel, immer nur jene Stimmungen und Gemüthszustände reflectiert, die uns beherrschen, wenn wir es beachten“, war das Meer lebensnotwendig, ihm galt seine Leidenschaft. Gewiss nicht zufällig lagen seine Besitzungen, die er selbst bewohnte, an der Küste mit Blick auf das offene Meer: Zindis bei Triest, Ramleh bei Alexandria, ein kleines Häuschen bei Menton an der französischen Riviera sowie Miramar und Son Marroig auf der Insel Mallorca.
Auf der Jacht „Nixe“ tummelt sich eine bunte Schar
Richtig zu Hause fühlte er sich aber nur auf seinem Schiff, der „Nixe“; er wusste, was es hieß, Seemann zu sein: „Ich habe nie einen am Horizont dahinziehenden Dampfer sehen können, ohne eine unbeschreibliche Sehnsucht zu empfinden, weiterzufahren.“
Kaum von einer Reise ans Festland zurückgekehrt, packten ihn erneut Fernweh und Wanderlust: „Wie häufig unter wie vielen Himmelsstrichen habe ich am Meeresufer geträumt! Sehnsüchtig auf die Flut hinausblickend, auf diese Strasse der Welt, und gewünscht, sie möge einen weiterführen zu anderen Gestaden! Und doch schien mir der Augenblick immer neu zu sein; mit gleicher Sehnsucht blickte ich immer auf die blaue Ferne wie in meinen Kindertagen. Die angeborene Wanderlust macht sich immer mehr geltend, wenn auch noch so schön und verzaubernd der Strand sein mag, wo ich weile.“
Um seine Träume Wirklichkeit werden zu lassen, um dem „Dämon des Wandertriebes“, der ihn fortwährend weitertrieb, folgen zu können, kaufte der Erzherzog 1872 die in der Werft Stabilimento tecnico di Fiume, der späteren Whitehead-Torpedofabrik (Robert Whitehead war der Erfinder des Torpedos), eine Jacht, die der deutsche Ingenieur für Maschinenbau Otto Schlick aus Hamburg konstruiert hatte. Das Schiff war 49 Meter lang, 135 Tonnen schwer und wurde von einer dreizylindrigen Dampfmaschine angetrieben. Mit dieser kombinierten Segeldampfjacht bereiste Ludwig Salvator jahrelang das Mittelländische Meer, in Begleitung einer Gruppe von rund 20 Frauen, Männern und Kindern, Hunden und Katzen, Vögeln, Affen und allerlei anderen Tieren. Das war die erzherzogliche „Nixe“.
Besucher rühmten die Sauberkeit an Bord ebenso wie den Komfort und die Eleganz der geräumigen Kabinen und der großen, bequemen Salons, zeigten sich aber gleichzeitig überrascht von Ludwig Salvators Menagerie, die sich an Bord tummelte. Die bunt zusammengewürfelte Reisegesellschaft des Erzherzogs, unter der sich auch ein Geistlicher befand, erregte in den Häfen stets großes Interesse. So berichtete ein österreichisch-ungarischer Konsul an das Außenministerium in Wien, dass die Entourage „Sr. K. u. K. Hoheit“ bei ihren Spaziergängen durch die Stadt nicht unbedeutendes Aufsehen erregte: Zwei der sich an Bord befindlichen Damen seien „gesegneten Leibes“, also schwanger, und eine jugendliche weibliche Person sei in Männerkleidung gesehen worden.
An Bord waren alle gleichgestellt, teilten sich die Arbeiten untereinander und nahmen die Mahlzeiten gemeinsam ein. Trotz der spartanischen Lebensweise erinnerten sich die Matrosen nach dem Ausscheiden aus dem erzherzoglichen Dienst gerne an die gemeinsamen Reisen. „Meine schönsten Erinnerungen sind die, welche ich von der ,Nixe‘ mitgenommen habe und so gemütlich und angenehm werde ich es leicht nicht wieder treffen“, schrieb einer von ihnen.
Das Schiff und seine Besatzung bildeten eine kleine Welt für sich, voll von Erinnerungen an gemeinsame Fahrten: „Ein Schiff ist überhaupt wie eine selbständige kleine Welt, ähnlich einer ländlichen Heimstätte hat es obendrein den Vortheil, dass sich an dasselbe Erinnerungen knüpfen an die Gegenden, die es durchsegelte … Es ist ein Landhaus, aber nicht mit abrutschenden Hängen, dem verwilderten Garten und den verdorrten Waldriesen, die man mit Wehmuth fallen sieht, sondern ein Landhaus inmitten ewiger Jugend, denn nur das Meer bleibt auf unserem Erdball ewig jung, und noch dazu ein Haus, das man weiterbewegen kann, sobald man der genossenen Aussicht satt wurde.“
22 Jahre lang konnte Ludwig Salvator diese Freiheit, die Fahrten mit seiner „Nixe“, genießen – bis zu jenem für ihn und das Schiff verhängnisvollen 4. Juli 1894. Das Schiff lief bei Cap Caxine in der Bucht von Algier auf ein Riff und sank innerhalb kürzester Zeit. Ludwig war am Boden zerstört: „Ich sitze nun hier, verlassen, ohne auch nur einen Schirm zu haben – denn all’ mein Hab und Gut, alles liegt unten in der Tiefe … Ich komme mir so unbeholfen am Lande vor, wie ein Einsiedlerkrebs, der seine Schnecke verloren hat, die ihm seit Jahren als Gehäuse diente, und nun schüchtern herumkrabbelt … Denn das Boot war für mich kein blosses Bewegungsmittel, es war das eigentliche Haus …“
Dank der Großzügigkeit seiner Mutter – Maria Antonia war eine Tochter des Königs von Neapel-Sizilien – dauerte es nur ein paar Monate, bis Ludwig Salvator erneut Besitzer einer Jacht war, die er „Nixe II“ nannte und mittels derer er seinen Wandertrieb weiter ausleben konnte. Auch seine „Nixe I“ hatte er zum Teil mit dem Geld Maria Antonias finanziert, nachdem es ihm gelungen war, seine Mutter von der Notwendigkeit eines eigenen Schiffes zu überzeugen.
Mehr als 70 Werke und ein frühes Bekenntnis zu Europa
Die erste Reise entlang der dalmatinischen Küste und alle folgenden, kreuz und quer durchs Mittelmeer, auch nach Amerika und Australien, waren keine reinen Vergnügungsreisen, wie man es von einem gutsituierten, aller Pflichten ledigen Mitglied des Kaiserhauses erwarten könnte. Ludwig Salvator schrieb und zeichnete unentwegt, notierte alles, was ihm wissenswert erschien, und vervollständigte seine Aufzeichnungen aus alten lokalen Quellen.
Dazu versammelte er einen Mitarbeiterstab um sich, bestehend aus Einheimischen. Darunter waren Ärzte und Apotheker, Lehrer, Wissenschaftler und Künstler. Nur mit der Hilfe dieser Fachkundigen war es ihm möglich, im Lauf seines Lebens mehr als 70 zum Teil mehrbändige Bücher zu veröffentlichen. Diese ließ er großenteils anonym in Prag bei Heinrich Mercy, zum Teil auch als „Volksausgaben“ bei Leo Woerl und – wie im Beispiel des Monumentalwerks über die Balearen – bei F. J. Brockhaus verlegen und verschenkte sie. Zu diesen Werken zählen unter anderem folgende Titel: „Die Balearen“ (Leipzig, 1869 –1891), „Die Liparischen Inseln“ (Prag, 1893 –1896) oder „Einiges über Welt-Ausstellungen“ (Prag, 1911).
Beinahe 50 Jahre lang lebte und reiste der Toskana-Prinz unter südlicher Sonne; glückliche und höchst abenteuerliche, in jedem Fall erfüllte Jahre. Ludwig Salvator erhielt wie alle österreichischen Erzherzöge seit dem Zeitpunkt seiner Volljährigkeit eine jährliche Apanage vom Kaiser, die ihm ein sorgenfreies Leben ermöglichen sollte; daneben die Erträge seiner Domäne Brandeis an der Elbe und Zuschüsse seiner Mutter. Das alles reichte aber nicht aus, um seine Ausgaben
zu decken, so dass er zeit seines Lebens verschuldet war – was ihn aber nicht bekümmerte.
Bis heute unterschätzt wird die politische Bedeutung seiner Person und seines Schaffens. Er war ein Freigeist aus absolutistischem Haus, der sich entschlossen über diesen Widerspruch hinwegsetzte. Auch das Kriegsgeschrei vor 1914 veranlasste ihn – der mit Bertha von Suttner korrespondierte und deren Friedensbewegung finanziell unterstützte – nicht, seine pazifistische Haltung aufzugeben. Noch vor dem Ersten Weltkrieg schrieb er: „Wie viele vorgefasste Meinungen, wie viele Vorurteile werden beim Kennen eines anderen Volkes, beim Leben in einem anderen Lande abgestreift. Ich behaupte, dass, wenn sich die einzelnen Völker besser kennten, sie sich auch nicht anfeinden würden.“
Bereits vor über 100 Jahren erkannte er, dass Europa, der Nahe Osten und Nordafrika einen gemeinsamen Kulturraum bilden, den das Mittelmeer verbindet. Wissen und Verständnis unter den Völkern zu vermitteln war ihm ein großes Anliegen. Damit war Erzherzog Ludwig Salvator von Habsburg-Lothringen auch Vorreiter einer modernen Europapolitik.
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