Daß ehemalige Funktionäre des NS-Regimes ungestraft davonkamen, in die Gesellschaft der Bundesrepublik mehr oder weniger nahtlos eingegliedert wurden und ihnen oftmals sogar neue Karrieren gelangen, ist schon seit längerem kein Geheimnis mehr. Schlagzeilen hatte besonders die ausbleibende Strafverfolgung der-jenigen NS-Funktionäre gemacht, die maßgeblich an der Durchsetzung der NS-Politik im besetzten Frankreich beteiligt gewesen waren. Hier war es trotz umfangreicher Ermittlungen verschiedener Staatsanwaltschaften lange Zeit nicht zu Verurteilungen gekommen, bis Beate und Serge Klarsfeld Ende der 70er Jahre mit spektakulären Aktionen auf die skandalösen Versäumnisse aufmerksam machten. Bernhard Brunner hat in seiner Dissertation „Der Frankreich-Komplex“ die Biographien der NS-Funktionäre nach 1945, aber auch den Umgang von deutscher Justiz, Politik und Öffentlichkeit mit dem Thema NS-Verbrechen unter die Lupe genommen. Sorgfältig arbeitet er heraus, wieso die drei Täter Lischka, Hagen und Heinrichsohn erst 1980 in Musterprozessen zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt wurden und welchen Prämissen die deutsche „Vergangenheitspolitik“ (Norbert Frei) bis dahin folgte.
Rezension: Talkenberger, Heike





