Selten wurde ein Konklave in Italien, aber auch weit darüber hinaus, mit höherer Spannung erwartet als im Juni 1846. Am Ersten dieses Monats hatte Gregor XVI. nach einem ultrakonservativen Pontifikat von anderthalb Jahrzehnten das Zeitliche gesegnet. Ging es nach dem Rhythmus, der sich seit März 1800 bei Papstwahlen etabliert hatte, dann musste auf einen reaktionären Papst jetzt ein „liberaler“ folgen. Die große Frage war, was das unter den gegenwärtigen Zeitumständen bedeuten würde: für die Katholiken in aller Welt, aber vor allem für Rom und Italien.
Der damals einflussreichste Politiker Kontinentaleuropas, der österreichische Staatskanzler Klemens Wenzel Fürst von Metternich, hatte Italien zu einem rein geographischen Begriff erklärt. Für italienische Patrioten aller Richtungen war das historische Blasphemie. Für sie war das Gebiet zwischen Alpen und Ätna ein heiliges Vaterland, das es nach jahrhundertelanger Fremdherrschaft zu heilen und im alten Glanz wiederherzustellen galt.





