Die Tragik von Alexander dem Großen, der als einer der erfolgreichsten Eroberer in die Geschichte einging, wird eindrucksvoll deutlich, wenn man das Vermächtnis des makedonischen Königs betrachtet. Kaum war das Gebiet von Griechenland bis an den Indus erobert, verstarb Alexander im Jahr 323 vor Christus. In den darauffolgenden Jahrhunderten stritten sich die Gefährten des Feldherrn und ihre Nachfahren um den Anspruch, das Erbe Alexanders anzutreten und zerstörten es sogleich durch die Aufteilung des Reichs. In seinem Werk „Der Geist auf dem Thron. Der Tod Alexanders des Großen und der mörderische Kampf um sein Erbe“ berichtet der Altertumswissenschaftler James Romm, der am Bard College in Annandale (New York) lehrt, von den ersten Jahren dieses Konflikts. Gezielt gesetzte Zitate antiker Autoren, Anmerkungen sowie die Beschreibung der schlechten Quellenlage zeigen, dass das Buch wissenschaftlich fundiert ist. Nichtsdestotrotz richtet sich der Autor durch einen erzählenden Stil an ein breiteres Publikum. Kurze Kapitel führen den Leser durch die Ereignisse aus den letzten Tagen Alexanders und des sich anschließenden Erbfolgekriegs. Im Fokus steht jeweils ein Protagonist oder ein Schauplatz des Krieges, wodurch ein leichter Einstieg in die komplexe Materie aus Feldzügen, Bündnissen und gebrochenen Versprechen gewährt wird. Einige Karten helfen bei der Verortung der Schauplätze, während wenige Schwarz-Weiß-Bilder einen Einblick in die Lebenswelt des späten 4. Jahrhunderts v. Chr. bieten. Romm lässt seine Schilderungen mit dem Aussterben der gesamten makedonischen Königsfamilie enden. Die Hoffnung auf einen universalen Herrscher des Weltreiches war damit erloschen – das Werk Alexanders letztlich zunichte gemacht.
Rezension: Marvin Gedigk





