Im Jahr 80 v. Chr. blickte die römische Öffentlichkeit gebannt auf einen Skandalprozess, in dessen Mittelpunkt der junge Sextus Roscius aus dem umbrischen Städtchen Ameria (heute Amelia) stand. Roscius war des abscheulichsten Verbrechens angeklagt, das ein Römer begehen konnte: Vatermord. Als Motiv unterstellte der Ankläger, ein gewisser Erucius, Habgier: Roscius habe seinen Vater, der sich gerade auf dem Rückweg von einer Feier befand, bei den Pallacinischen Bädern im Norden von Rom getötet, um sich in den Besitz seiner ausgedehnten Landgüter zu bringen.
Sextus Roscius hatte doppeltes Glück im Unglück. Erstens war er mit Caecilia Metella bekannt, einer begüterten Aristokratin, die ihm bei sich zu Hause Unterschlupf gewährte. Zweitens gewann er einen noch jungen, aber begabten und vor Ehrgeiz brennenden Mann für die schwierige Aufgabe, die Verteidigung vor Gericht zu übernehmen. Sein Name: Marcus Tullius Cicero. Der 26-Jährige stand am Anfang einer Karriere, die ihn über den Gerichtssaal direkt ins politische Machtzentrum der Republik führen sollte – und zu ihrem höchsten Amt, dem Konsulat.





