Das Ergebnis ist ein spannendes Buch, das teils romanhafte Züge annimmt, aber dennoch auf gründlichen Recherchen basiert. Rekel zieht bislang unveröffentlichte Quellen wie historische Zeitungen, Testamente und Verträge heran. Außerdem hat er Gespräche mit einem Nachfahren seines Protagonisten geführt.
1845 in Lüttich als Sohn des Besitzers der größten belgischen Privatbank geboren, schien Nagelmackers von Anfang an eine glänzende Karriere bevorzustehen. 1872 gründete der Eisenbahnnarr die „Compagnie Internationale des Wagons-Lits“. 1883 fuhr der erste „Orient-Express“ von Paris nach Konstantinopel. Wenig später gehörte Nagelmackers zu den gefeiertsten Unternehmern seiner Zeit. Aus einem kleinen Büro in Lüttich hatte er ein europaweit agierendes Unternehmen aufgebaut. Über 180 Nachtzugverbindungen zwischen Paris, Lissabon, London, Konstantinopel, Sankt Petersburg, Berlin und Luxor stellte er auf die Beine.
Doch Rekel erzählt nicht nur von Nagelmackers’ Erfolgen. Er schildert die wechselvolle Lebensgeschichte des perfektionistischen Unternehmers in all ihren Höhen und Tiefen. Als der Vorreiter die Idee für seinen Luxuszug hatte, hielt man ihn für verrückt. Bürokratische, technische und finanzielle Hürden gefährdeten seine Pläne. In einer Zeit der nationalen Abschottung stand das politische Umfeld der Umsetzung seiner Träume häufig im Weg, und der Visionär musste diplomatisches Geschick beweisen. Seit 1896 fuhr sein Unternehmen große Verluste ein, was Nagelmackers jedoch nicht daran hinderte, weitere Großprojekte zu verfolgen, wie etwa eine transsibirische Zugverbindung zwischen Paris und Peking, der zu seinen Lebzeiten jedoch kein Erfolg mehr beschieden war.





