DAMALS: Gibt es eine Partitur von ihm, die Sie besonders schätzen?
Michael Volle: Ich habe aus seinen Opern alle großen Bassbariton-Partien gesungen, den Papageno aus der „Zauberflöte“, Guglielmo und Don Alfonso aus „Così fan tutte“, aus „Figaros Hochzeit“ den Figaro und den Grafen, um nur einige zu nennen. Da eine Rangordnung zu bestimmen ist schwer. „Don Giovanni“ hat gar nicht so viele Arien und ist trotzdem unglaublich fesselnd als Partie und Rolle. Papageno – ein Traum. Und der Figaro-Graf – wunderbar. Die drei stehen ganz oben.
DAMALS: Seit wann beschäftigt Sie Mozart?
Ich bin als württembergischer Pfarrerssohn durch die Vorlieben meines Vaters mit Barock aufgewachsen, da war selbst Mozart nicht vorhanden. Der kam erst im späten Teenie-Alter mit dem Geigenspiel, und als ich mit 25 anfing zu singen, wurde die Beschäftigung mit ihm natürlich immer intensiver.
DAMALS: Was fasziniert Sie an ihm?
Bei anderen Komponisten, etwa Beethoven, erreiche ich nicht diese emotionale Stufe, die Mozart bei mir auslöst. Da reichen ein paar Takte, und für mich geht der Himmel auf. Das hatte er einfach in sich, dieses Können, dieses Wissen um Musik und Harmonien, das ihn auch abhebt von seinen Zeitgenossen.
DAMALS: Lässt sich das erklären?
Es gibt wohl Musikwissenschaftler, die das können. Nehmen Sie zum Vergleich Haydn – den liebe ich auch sehr, und trotzdem: Mozarts Musik ist nicht nur eine schöne Harmonie. Das sind Klänge, die tiefste Emotionen auslösen.
DAMALS: Er war ja schon ein Kinderstar seiner Zeit …
Auch sehr gefördert durch seinen Vater, der ihn und seine ebenfalls hochbegabte Schwester im Doppelpack durch Europa zerrte. Das Frappierende ist allerdings, dass Mozart später als Komponist beileibe nicht so en vogue war wie anfangs als Wunderkind. Sein Konkurrent Salieri war in Wien der weitaus Angesehenere und besser Bezahlte. Mozart lief so nebenher.
DAMALS: Die Zeitgenossen nahmen ihn nicht als außergewöhnlich wahr?





