Irgendwo in diesem Mann steckt etwas Gutes. Unsere Aufgabe ist es, seinen moralischen Kompass zu finden und ihn für unsere Sache zu gewinnen.“ So äußerte sich der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King, kurz nachdem Robert F. Kennedy mit nur 35 Jahren zum US-Justizminister ernannt worden war. Dabei verstanden er und Kennedy sich nie übermäßig gut. Während King in lyrisch anmutenden, umständlichen Sätzen sprach, war Kennedy stets direkt und geradeheraus. Doch King erkannte: Wenn man diesen außerordentlich energischen jungen Mann auf die Ungerechtigkeiten und Missstände im Land hinwies, dann würde er nicht nachgeben in seinem Streben, sie zu beseitigen.
Im politischen Reifeprozess Robert Kennedys spiegeln sich die Widersprüche, die Hoffnungen und die Enttäuschungen eines Jahrzehnts wider. Geboren am 20. November 1925 in Brookline, Massachusetts, war „Bobby“ das siebte von neun Kindern des neureichen, irischstämmigen Unternehmers Joseph „Joe“ Kennedy. Der erwartete von seinen Nachkommen, vor allem von seinen Söhnen, dass sie dem Land dienten, in dem die Familie reich geworden war – wenn möglich als Präsident.
Als der Älteste, Joseph Jr., im Zweiten Weltkrieg fiel, war es an John F., genannt Jack (auch JFK), die Ambitionen des Vaters umzusetzen. Der jüngere Robert musste seine Rolle erst finden. Nach dem abgeschlossenen Jurastudium leitete er 1952 den Wahlkampf seines Bruders, als der im Kampf um einen Platz im Senat gegen Henry Cabot Lodge Jr. antrat, einem Vertrauten des populären republikanischen Präsidentschaftskandidaten Dwight D. Eisenhower. Um ihn zu besiegen, mussten die Kennedys die Wähler davon überzeugen, dass sie mit Lodge nicht automatisch auch Eisenhower wählten – was ihnen gelang.
Während JFK in den Senat einzog, arbeitete Bobby für einen alten Freund seines Vaters: Als Anwalt und Assistent unterstützte er den Kommunistenjäger Joseph McCarthy bei seiner Arbeit im „Subcommittee on Investigations“. Dass Bobby McCarthys Team bald wieder verließ und wenig später den demokratischen Senatoren im Ausschuss half, ihn zu stürzen, hatte weniger mit moralischen Bedenken als mit internen Reibereien zu tun: Bobby hatte eine starke Abneigung gegen McCarthys Chefassistenten Roy Cohn entwickelt.
Seit 1955 arbeitete Bobby für den neuen Chef des Unterausschusses, John McClellan. 1957 wurde dieser zudem Vorsitzender eines zweiten Ausschusses, des sogenannten Rackets Committee, das gegründet worden war, um mafiöse Strukturen im Bau- und Speditionswesen aufzudecken, und sich bald mit der mächtigsten US-Gewerkschaft anlegte, der „International Brotherhood of Teamsters“.
Die Untersuchung wurde zu einem Duell zwischen dem jungen Senatsanwalt Kennedy und dem mächtigen Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa. Nach zwei Jahren, 207 Anhörungstagen und der Vorladung von mehr als 1500 Zeugen blieb unklar, wer den Sieg davongetragen hatte – doch der Name Robert Kennedy war nun landesweit bekannt. Kurz darauf entwarf Bobby jene ausgeklügelte Wahlkampfstrategie, die seinen Bruder ins Weiße Haus bringen sollte. Auch indem sehr gezielt bestimmte Wählergruppen angesprochen wurden („Zahnärzte für Kennedy“), gelang JFK der Sieg über den Vizepräsidenten Richard M. Nixon. Als Schlüsselmoment des Wahlkampfs gilt bis heute, dass der sonnengebräunte, jugendlich wirkende JFK beim ersten Fernsehduell zweier Präsidentschaftskandidaten entscheidend punkten konnte.





