Stöver schildert kenntnisreich und übersichtlich die verschiedenen Etappen und Schauplätze dieser Auseinandersetzung. In systematischen Längsschnitten werden Rüstungswettlauf und subversive Aktionen beschrieben, Kriegspsychosen und Friedensbewegungen, die Instrumentalisierung des kulturellen Bereichs und die Konkurrenz der gesellschaftlichen Systeme. Die Auswirkungen des Kalten Krieges im Nahen Osten, in Afrika und Lateinamerika kommen schärfer in den Blick als bei Gaddis.
Gelegentlich neigt Stöver dazu, den Begriff des „Kalten Krieges“ allzu wörtlich zu nehmen – als eine Auseinandersetzung, die von den Akteuren ständig und mit allen Mitteln betrieben wurde, wobei nur die Atomwaffe einen direkten Krieg der Hauptgegner verhinderte. Das führt zu manchen Widersprüchen und schiefen Urteilen im Detail und insge‧samt zu einer systemtheoretischen Gesamtdeutung, die die Frage nach Verantwortlichkeiten und Alternativen als „zutiefst sinnlos“ erscheinen lässt. Hier mag man Gaddis zur Korrektur heranziehen, wie umgekehrt die Lektüre von Stöver helfen kann, die Einseitigkeiten bei Gaddis zu erkennen.
Während sich Stöver beispielsweise im Hinblick auf die Stalin-Noten auf die Zweifel der Zeitgenossen zurückzieht, übernimmt Gaddis ohne Umschweife die Forschungsergebnisse des Rezensenten: Stalin war bereit, Ulbricht und sein Regime zu opfern, wenn er damit die Einbeziehung Westdeutschlands in die NATO hätte verhindern können. Entsprechend offen war die Situation im Frühjahr 1952.
Rezension: Loth, Wilfried





