Mittelalterliche Herrscher mußten keinen verfassungsgemäßen Haushalt vorlegen. Angesichts mancher opulenter Ausstellungen über Könige und Fürsten, die im historischen Gedächtnis verblieben sind, erscheint es vielmehr so, als sei die Erschöpfung aller Mittel eine Bedingung für bleibenden Ruhm. Bilanzen besitzen keine historische Größe. Aber sie können historisches Interesse wecken. Der Mediävist Stefan Weiß versteht etwas von Bilanzen. Mit kenntnisreichen Arbeiten zur Ökonomie spätmittelalterlicher Höfe hat er seinen Sachverstand demonstriert, den er nun auf einen untypischen König richtet: auf Eduard IV., König von England (1461–1483). Dieser Eduard gelangte am Ende der Rosenkriege auf den englischen Thron und entfaltete dort eine ambitionierte ökonomische Aktivität. Er reformierte die Finanzverwaltung und war selber als Kaufmann aktiv. Damit erregte er Aufsehen. Mit sicherer Hand und in klarer, gut lesbarer Sprache skizziert Stefan Weiß das wirtschaftliche Umfeld dieses Königtums, die Bedingungen des Wirtschaftens in einem „Großhaushalt“, die Mechanismen des Handels und der Finanzen. Er vermag Zahlen anschaulich zu präsentieren und zieht en passant einige Grundlinien europäischer Wirtschaftsge‧schichte einleuchtend nach. Die politischen Verhältnisse werden in ihrer ereignisgeschichtlichen Abfolge dargestellt, die Analyse bleibt in dieser Hinsicht bei Themen wie etwa „König und Adel“ oder „Hundertjähriger Krieg“ etwas schwach. Allerdings war eine politische Geschichte auch nicht das Vorhaben des Verfassers, und in einem so schmalen Buch läßt sich nicht alles abhandeln. Der kleine Band ist ansprechend und vielfältig illustriert. Die Praxis, einzelne Stichworte („Parlament“, „Innovation im Rechnungswesen“ und ähnliches) aus dem laufenden Text herausgenommen, in farblich unterlegten Kästen knapp zu erklären, irritiert in dieser Form allerdings eher, denn dieser Band ist ja für das fortlaufende Lesen bestimmt. In der von Stefan Weiß vorgelegten Form ist diese Lektüre jedoch ein angenehmes und lohnendes Unterfangen.
Rezension: Kaufhold, Martin





