Wie in einem Brennglas verdichten sich auf dem Königsplatz in München städtische, bayerische und deutsche Geschichte. In einem bemerkenswerten Text-Bild-Band erzählt Peter Köpf die wechselvolle Geschichte dieses Platzes. Diese beginnt mit dem damaligen bayerischen Kronprinzen und späteren König Ludwig I., der im Zusammenspiel mit seinem Baumeister Leo von Klenze eine „teutsche Akropolis“ bauen wollte. Als Hitler 1933 Reichskanzler wird, erklärt er München zur Hauptstadt der Bewegung und machten den Königsplatz zum zentralen Versammlungsort für die politischen Rituale der NSDAP. Die Bauwerke, die nun neben jenen Klenzes entstehen, sollen den totalitäten NS-Staat architektonisch repräsentieren. Wie schwer sich die Stadt München mit diesem Erbe nach 1945 getan hat, zeigt Köpf in Text und Bild eindrücklich auf; wie auch die neuerliche Verwandlung des Königsplatzes in ein Aushängeschild der Metropole München. So ist sein Buch gleichermaßen interessant, weil es die Geschichte eines herausragenden Platzes über 150 Jahre hinweg beleuchtet, aber auch, weil das Buch dadurch zu einem Lehrstück in Sachen Vergangenheitsinterpretation und -bewältigung wird, egal wie man nun selbst zu zum Umgang mit NS-Architektur steht. Der Idee eines Dokumentationszentrums auf dem Gelände des ehemaligen Braunen Hauses bringt der Autor unverkennbar Sympathie entgegen, und in der Tat böte eine solche Erinnerungsstätte eine große Chance. Vielleicht mag zu einer unverkrampften Diskussion darüber auch ein Bild aus Köpfs Buch beitragen: Es zeigt Lichthof und Freitreppe des einstigen „Führerbaus“. Auf den ersten Blick ist kaum zu erkennen, dass die Aufnahme erst 1995 entstanden ist. Doch dann sieht man mitten auf der Treppe einen Studenten der in dem Bau untergebrachten Hochschule für Musik und Theater. Er hat sich hingelegt, um eine Pause einzulegen. An den Säulen kleben universitätstypisch Plakate.
Rezension: Oster, Uwe A.





