Ein „Lesebuch“, so schreibt Tobias Arand in seinem Vorwort, möchte sein Band über 1870/71 sein. Um ein möglichst anschauliches Bild zu bieten, ruft er 40 Zeitgenossen in den Zeugenstand. An ihrem Kriegserleben und ihrem Alltag mit seinen Sorgen und Nöten kann der Leser teilnehmen. Breit ist das gesellschaftliche Spektrum; es reicht von der Arbeiterin über den Offizier bis hin zu den Entscheidungsträgern, von deren Überlegungen man ebenso erfährt. Besonders eindrücklich lesen sich die Erinnerungen der einfachen Soldaten, in denen die zunehmende Brutalisierung durch den Krieg beklemmend deutlich wird, doch man liest auch von Friedenssehnsucht und Mitleid: Während die einen von „grauenhaften Leichenfeldern“ an der Loire schreiben, berichten die anderen vom großen Leid der hungernden und frierenden Menschen im belagerten Paris.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Tobias Arand
1870/71
Die Geschichte des Deutsch-Französischen Krieges erzählt in Einzelschicksalen
Osburg Verlag, Hamburg 2018, 692 Seiten, € 30,–





