Mit dem Rätselraten um die Motive, die hinter dem Mord an Philipp steckten, erschöpfen sich die offenen Fragen um den toten König nicht. Sein Leichnam wurde unweit von Aigai in der Grablege der makedonischen Könige bestattet. 1977 begannen hier Ausgrabungen unter Leitung des griechischen Archäologen Manolis Andronikos. Sie brachten zwei seit der Antike ungestörte Tumulus-Gräber zum Vorschein, die reiche Beigaben enthielten.
Lange war umstritten, ob eines – und wenn ja, welches – der beiden Gräber die Gebeine Philipps II. enthält. Inzwischen besteht in dieser Frage weitgehend Einigkeit: In Grab II fanden sich Beinschienen, von denen eine so geformt war, dass sie sich einem schlecht verheilten Schienbeinbruch anpasste. Von Philipp ist bekannt, dass er sich zu Lebzeiten das Bein gebrochen hatte. Reste des Schädels zeigen zudem eine Wunde am Auge, wo Philipp historischen Zeugnissen zufolge von einem Pfeil getroffen worden war.
Die sterblichen Überreste des Königs waren in einer goldenen Larnax bestattet, einer Art Schatulle, die Asche und Knochenreste des Toten enthielt. Zu den wertvollen Beigaben zählen ein goldener Grabkranz, das vergoldete Diadem des Königs, ein Bettgestell aus Elfenbein und Holz sowie Waffen und Teile einer Rüstung. Das Grab enthielt in der Vorkammer noch eine weitere Bestattung, ebenfalls in einer Larnax. Vermutlich handelte es sich bei der Toten um eine der Frauen Philipps.
Als Heros lebt Philipp II. in der kultischen Verehrung weiter
In makedonischer Tradition wurde Philipp nach seinem Ableben als Heros verehrt, in einer Reihe mit den Helden der mythischen Vorzeit. In der Nähe der Grablege errichtete man einen Philipp geweihten Schrein, ein Heroon. Der Kult des Makedonenkönigs wurde unter anderem auch in Ephesos und in einem Philippeion genannten Bau in Olympia gefeiert. Für die Identität der Makedonen blieb Philipp II. also über seinen Tod hinaus ein wichtiger Referenzpunkt.
Doch überstrahlte den Ruhm des Vaters der alle Dimensionen des Fassbaren sprengende Feldzug seines Sohns Alexander, mit dem dieser nicht nur das bis dahin größte Imperium der Geschichte – das Perserreich der Achaimeniden – auslöschte, sondern auch eine neue Epoche der Weltgeschichte einläutete. Eine Zeit, in der Güter, Menschen und Ideen in einem vom Mittelmeer bis nach Indien reichenden Raum beweglich waren und sich der Horizont nicht nur der Griechen enorm weitete. Wir nennen diese Zeit seit Johann Gustav Droysen (1808 –1884) den „Hellenismus“.
Droysen war es auch, der Alexander gewissermaßen zum Urahnen des modernen Europa adelte. Indem er Asien der makedonischen Herrschaft untertan gemacht habe, sei er der Wegbereiter jener großen Synthese zwischen Orient und Okzident gewesen, auf deren Boden das Christentum habe heranreifen können. Ohne Alexander kein Christentum, ohne Christentum kein Abendland, so lauteten die Gleichungen des Pfarrerssohns aus dem pommerschen Treptow. Das Urteil über Alexander ist seit Droysen vielleicht differenzierter geworden, der Faszination, die der große Makedone bis weit in die Populärkultur ausübt, tut das keinen Abbruch.





