1935 wurde der “Lebensborn e.V.” von Heinrich Himmler gegründet, dazu gedacht, die “Auslese hochwertigen Menschenmaterials” zu befördern und die rückläufige Geburtenrate wieder ansteigen zu lassen. In den Heimen sollten besonders ledige Mütter ihre Kinder zur Welt bringen, wobei sie, wollten sie aufgenommen werden, rassisch und erbbiologisch begründeten Auswahlkriterien entsprechen mußten. Die in den Heimen geborenen Kinder versuchte man, besonders eng an die SS zu binden – etwa durch Vormundschaften. Im Laufe des Krieges wurde die “Aktion Lebensborn” auch auf “rassisch wertvolle” ausländische Frauen – etwa in Norwegen– ausgeweitet, die von Wehrmachtsangehörigen schwanger geworden waren. Einige der “Lebensborn-Kinder”, aber auch Waisenkinder aus Ost- und Südosteuropa wurden zum Teil kurzerhand als “Findelkinder” deklariert, ins Deutsche Reich verschleppt und dort zur Adoption freigegeben. Die zuverlässigste Publikation zu Organisation und Entwicklung des “Lebensborn” im Rahmen der NS-Rassenpolitik, zu seiner Funktion in den besetzten Gebieten und dem Alltag in den Heimen ist immer noch das schon 1993 zum ersten Mal erschienene Buch von Georg Lilienthal, das jetzt in einer Neuausgabe vorliegt. Der Autor räumt mit gängigen Fehlurteilen auf, etwa dem, der Lebensborn sei eine regelrechte Zuchtanstalt gewesen oder dem, es habe sich um eine karitative Einrichtung gehandelt, eine Auffassung, der etwa noch die Richter des Nürnberger Prozesses anhingen.
Rezension: Talkenberger, Heike





