Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, nach ihrem Schöpfer auch als „Gutenberg-Revolution“ bekannt, gilt den modernen Geschichtswissenschaften als eine der markanten Epochenzäsuren, die Mittelalter und Neuzeit voneinander scheiden. Schon Gutenbergs Zeitgenossen hatten auf diese „neue Art zu schreiben“ – wie der italienische Humanist Polidoro Virgili in den Jahren 1498/99 formulierte – mit großer Aufmerksamkeit, ja Euphorie reagiert.
Mit erstaunlicher Sensibilität, unseren heutigen Debatten über den Anbruch des digitalen Zeitalters vergleichbar, registrierten sie die gesellschaftlichen Auswirkungen der „Schwarzen Kunst“ auf Buchkultur und Bildung: So waren sie elektrisiert von der Massenvervielfältigung, lobten sinkende Buchpreise und eine wachsende Zahl an Lesern aus ärmeren Schichten; sie kritisierten aber auch die epidemische Verbreitung von Druckfehlern oder klagten über den wegbrechenden Arbeitsmarkt für Schreiber.





