“Mutter, welch schmerzliche Kunde wirst Du von mir vernehmen!” soll der junge Mann noch ausgerufen haben, bevor er in ruhiger Ergebung sein Haupt auf den Richtblock legte. Vor hunderten von Zuschauern führte der Scharfrichter den tödlichen Schwertstreich. Der Delinquent war indes kein gewöhnlicher Verbrecher, sondern der Staufer Konradin, Enkel Friedrichs II., Herzog von Schwaben und König von Jerusalem. Vergeblich hatte er versucht, sich die Herrschaft über das Königreich Sizilien zu sichern. Dort hatte seit 1258 Manfred, ein illegitimer Sohn Friedrichs II., geherrscht. Ansprüche auf das Königreich hatte zudem Karl I. von Anjou erhoben, der 1264 von Papst Clemens IV. mit Sizilien belehnt worden war. Nachdem Manfred 1266 in der Schlacht gegen Karl den Tod gefunden hatte, hatte Konradin ein Heer versammelt, um seinerseits seinen Erbanspruch auf Sizilien geltend zu machen. Doch hatte ihm Karl von Anjou bei Tagliacozzo schon bald eine entscheidende Niederlage beigebracht und sich seiner bemächtigen können. Nach einem nicht näher überlieferten Prozeß ließ er ihn am 29. Oktober 1268 auf dem Marktplatz von Neapel enthaupten. Die Tat war unerhört. Einen königlichen Gefangenen hinrichten zu lassen, das hatte es noch nie gegeben. Die Empörug der Zeitgenossen war groß. Mit dem Tod des erst 17jährigen Konradin erlosch das Geschlecht der Staufer. Konradin wurde in der Kirche S. Maria del Carmine in Neapel beigesetzt.





