Abs begann als finanzpolitischer Berater zunächst der Engländer in Hamburg, wohin er von Berlin aus ausgewichen war, und nahm dann, nach einem kurzen Intermezzo im sogenannten automatischen Arrest der Militärverwaltung (einer Inhaftierung ohne richterliches Urteil), die gleiche Funktion auch bei den Amerikanern wahr. Gleichzeitig wirkte er als wirtschafts- und finanzpolitischer Vertrauensmann der entscheidenden Männer und Institutionen der entstehenden Bundesrepublik und schließlich vor allem ihres ersten Kanzlers Adenauer. Ende 1948 wurde er Vorstandssprecher der neuerrichteten Kreditanstalt für Wiederaufbau; zuvor hatte er die Wahl zum Präsidenten des Direktoriums der künftigen Zentralbank, der Bank Deutscher Länder, abgelehnt, da ihm die Institution in ihren Entscheidungen zu wenig unabhängig von der Politik und deren jeweils eng interessenpolitisch motivierten Positionen erschien. In der Kreditanstalt für Wiederaufbau, an deren Konzeption er von alliierter Seite frühzeitig beteiligt worden war, konnte er im Zusammenspiel, aber auch in gelegentlicher Konfrontation mit Ludwig Erhard mithelfen, die Grundlagen für das sogenannte Wirtschaftswunder zu legen.
In jenen Jahren gelangte er von der Basis gemeinsamer politischer und wirtschaftlich-gesellschaftlicher, aber auch kultureller und nicht zuletzt konfessioneller Grundüberzeugungen her in immer engeren Kontakt zu dem ersten Bundeskanzler. Dieser zog ihn in verschiedenen wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen heran, die nicht zuletzt auch außenpolitisch weitreichende Bedeutung besaßen, und lud ihn sogar zur Teilnahme an einzelnen Kabinettssitzungen ein. Schließlich beauftragte ihn Adenauer mit der Leitung der deutschen Delegation auf der Londoner Schuldenkonferenz. Sie sollte das Problem der deutschen Auslandsschulden aus der Zeit vor dem Krieg wie auch aus den Jahren nach 1945 einer möglichst endgültigen Lösung zuführen und damit die deutsche Kreditfähigkeit – was die Bundesrepublik anging – wiederherstellen. Dies ist Abs in langen, immer wieder von Stillstand und Scheitern bedrohten Verhandlungen gelungen.
Durch die Londoner Konferenz und die parallelen Verhandlungen über ein Wiedergutmachungsabkommen mit Israel, in die Abs sich, hier zunächst eher bremsend, einzuschalten versuchte, wurde er, national wie international immer stärker wahrgenommen, auch politisch zu einer zentralen Figur. Adenauer erwog zeitweise, ihm das Außenministerium zu übertragen. Sicher hat Abs seine Chancen hierbei als ein Mann ohne parteipolitischen und parlamentarischen Rückhalt von vornherein eher gering eingeschätzt. Aber auch andere Erwägungen ließen ihn von einer noch weiter gehenden Einbindung in die Regierung Abstand nehmen. Um es deutlich zu sagen: Er war kein Mann für die zweite Reihe, in der er jedoch unter Adenauer und angesichts seiner schwachen Verankerung im parlamentarisch-parteipolitischen Milieu auf längere Zeit, wenn nicht auf Dauer geblieben wäre.




