Nach den Maßstäben der Zeit hätte der Tag glorreicher nicht verlaufen können. Das feindliche Heer vernichtet, eine Unmenge an Gefangenen und Beute eingebracht, das Kalinga-Reich an der südöstlichen Küste des indischen Subkontinents unterworfen und annektiert. Doch dem Sieger war nach Feiern nicht zumute. Ashoka, dritter Herrscher der Maurya-Dynastie, wurde den Anblick des mit Leichen übersäten Schlachtfeldes und der massakrierten Zivilisten nicht mehr los.
„Einhundert und fünfzigtausend an der Zahl waren die Männer, die von dort verschleppt wurden. Einhunderttausend an der Zahl waren jene, die dort erschlagen wurden, und um ein Vielfaches mehr jene, die sonst noch umkamen“, so klagte er sich selbst einige Jahre später öffentlich an. „Die Brahmanen oder Bettelmönche oder andere Fromme oder Familienväter … mussten damals erleben, wie geliebte Angehörige verletzt oder abgeschlachtet oder verschleppt wurden. … Dies sehen alle Menschen gleich und betrachten es als bedauerlich. … Darum wäre selbst der hundertste Teil oder der tausendste Teil all jener Menschen, die in jener Zeit in Kalinga erschlagen wurden, die umkamen und die verschleppt wurden, heute sehr zu beklagen.“
Dieses erstaunliche Bekenntnis eines siegreichen Feldherrn findet sich auf einem Felsen im Girnar-Gebirge im heutigen indischen Bundesstaat Gujarat ebenso wie 1100 Kilometer weiter südöstlich in Andhra Pradesh und an mehreren anderen Orten. Es war Teil einer Kommunika‧tionsstrategie, mit der Ashoka unter den Machthabern seiner Zeit herausragte. …
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