Natürlich ist Baden-Baden kein Einzelfall: Ob in Ludwigshafen Parteigenossen mit Spitzhacken und Vorschlaghämmern vor der zerstörten Synagoge posieren, in Bremen Passanten ungerührt vorbeigehen, wenn jüdische Geschäfte geplündert werden, Kinder in Flörsheim einen jüdischen Totenwagen zerstören, in Linz Gaffer gedemütigte Frauen anstarren oder sich ein junger Mann lachend den Davidstern vom Dach der Synagoge in Dresden um den Hals hängt – überall in Deutschland und Österreich kam es zu solchen Szenen. Unmenschlichkeit war Normalität, das zeigen die Fotos. Während Bilder und Zeitzeugenberichte für sich sprechen, erscheinen die wütenden Kommentare des Autors allerdings oft als unnötig.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Michael Ruetz
Pogrom 1938
Das Gesicht in der Menge
Nimbus Verlag, Wädenswil 2018, 155 Seiten, € 29,80





