Der Korrespondent des “Figaro” schwärmte: “Drei rollende Häuser, ausgestattet mit Teakholz und Kristall, mit Dampf beheizt, mit heller Gasflamme beleuchtet, gut gelüftet und mindestens so komfortabel wie eine Pariser Wohnung.” Sein Kollege von der Times berichtete: “Ich habe mich beim Rasieren während der Fahrt nicht geschnitten!” Das ganze reiseerfahrene Europa rieb sich die Augen: So ruhig sollte ein Zug dahin gleiten? Und Bahnfahren ein Vergnügen sein? Bis dahin war Zugfahren vor allem unbequem: Schlechte Gleise und karge Holzbänke malträtierten Rückgrat, Steißbein und Nerven der Reisenden. Toiletten- und Waschräume gab es nicht. Dazu Unannehmlichkeiten allerorten: Jede Grenzstadt war zugleich Endstation. Die Reisenden mußten aus- und in einen anderen Zug umsteigen. Lange Strecken wurden zur nicht endenwollenden Tortur. Daher fuhr der “Train Express d’Orient”, der am 4. Oktober 1883 erstmals seine Fahrt antrat, in doppelter Hinsicht in eine neue Zeit des Reisens. Erstens fuhr er die Strecke Paris – Konstantinopel an einem Stück. Und zweitens waren die Verhältnisse an Bord des Zuges ausgesprochen luxuriös. Zu verdanken hatten die Reisenden all dies Georges Lambert Nagelmackers, Sprößling des Besitzers der ältesten belgischen Handelsbank. Ein Multitalent, das nicht nur alle Luxuswaggons plante und bauen ließ, sondern auch die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für den Einsatz des Orient-Expreß schuf.





