Von den Gebäuden des Unternehmens der Familie Engels, zu denen auch eine Schule gehörte, hat unter anderem das Wohnhaus von Johann Caspar Engels, dem Großvater von Friedrich Engels, die Wirren der Zeit überlebt. In diesem „Engels-Haus“ ist heute das Museum untergebracht.
Von außen wirkt das 1775 erbaute Fachwerkhaus im Stil des bergischen Spätbarocks eher bescheiden, zumindest verglichen mit den Gründerzeitvillen der Industriebarone ein paar Kilometer weiter nördlich an der Ruhr. Doch im Innern überrascht das Gebäude mit gediegener Üppigkeit.
Der Besuch beginnt im Erdgeschoss in einem Zimmer, das wahrscheinlich einst als Vorratsraum diente. An seinen Wänden und der Decke lassen sich die verschiedenen Umbauphasen des mit Schiefer verkleideten Gebäudes gut nachvollziehen. Die aufwendige Restaurierung des Gebäudes vor der Wiedereröffnung 2020 war auf den Zustand um 1800 ausgerichtet.
Das Selbstverständnis der Familie Friedrich Engels’ als Angehörige des Großbürgertums zeigt sich anschaulich in den repräsentativen Räumen des Hauses. Im Erdgeschoss befindet sich das Musikzimmer mit dem wunderschön restaurierten Stuck und dem rechteckigen Tafelparkett. An den Wänden hängen Porträts von Mitgliedern der Familie.
Über eine steile Stiege erreicht man das sogenannte Tapetenzimmer, das je nach Größe der geladenen Gesellschaften durch eine Flügeltür unterteilt werden konnte. Die großflächigen Malereien auf der Tapete zeigen Fluss- und Küstenlandschaften im Stil der Romantik–Phantasien in Pastell.
Zu sehen sind im Museum natürlich auch Ausgaben von Engels’ bekannten Schriften. Doch es sind die persönlichen Exponate, die den Menschen jenseits seiner politischen Auffassungen zu Tage fördern. So etwa die Karikaturen, mit denen Engels oft seine Briefe illustrierte. Sie werden in der Ausstellung zu bewegten Bildern. Die Zeichnungen belegen seine Gabe, das Wesentliche einer Sache zu erfassen.
Der Rundgang der Dauerausstellung folgt im Wesentlichen dem Werdegang von Friedrich Engels. Aus der Kinder- und Jugendzeit ist unter anderem ein Taufkleid Friedrichs aus Satin, verziert mit Handstickereien, zu sehen.
Das Handeln und Denken der Familie Engels gründete auf ihrem pietistischen Glauben. Davon zeugen private Briefe. Sie wurden neu editiert und können per Touchscreen nach Themen und Personen durchsucht werden.
Es ist erfreulich, dass Exponate der Sonderausstellung zu Engels’ 200. Geburtstags im Jahr 2020 – „Friedrich Engels – Ein Gespenst geht um in Europa“ – hier nun einen festen Platz gefunden haben. So etwa ein Taschenmesser mit Schildpattgriff, das Solinger Arbeiter Engels zum Siebzigsten schenkten. In der Widmung dazu heißt es: „Dem edeln Vorkämpfer des Proletariats F. Engels 1890“.





