von FELIX MELCHING
Als „Revolution des Schahs und des Volkes“ bezeichnete der autoritär regierende Monarch 1976 in einem „Spiegel“-Interview die ehrgeizigen Entwicklungsziele für sein Land. Auf die Frage, ob seine Ein-Mann-Regierung angesichts der Komplexität der Aufgaben noch zeitgemäß sei, antwortete er: „Zuerst einmal hat diese Ein-Mann-Entscheidungsgewalt in unserem Land erwiesen, dass es die Dinge voranbringt.“
Tatsächlich erlebte der Iran seit dem Anstieg der Ölpreise zu Beginn der 1970er Jahre (DAMALS 10-2023) eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung. Dass es dabei der Herrscher selbst war, der die Modernisierung des Landes vorantrieb, verwunderte nicht, hatte sich doch schon sein Vater daran gemacht, das Land gründlich umzukrempeln, nachdem er 1925 nach dem Sturz der alten Kadschar-Dynastie vom Parlament zum neuen Staatsoberhaupt ernannt worden war. Eckpunkte der Agenda waren damals die Modernisierung des Militärs, der Ausbau des Schulwesens und der Frauenbildung, die Entwaffnung der Stämme und der Aufbau einer geordneten, zentralen Verwaltung und Justiz. Beliebt machte sich Reza Schah Pahlavi damit nicht, denn er beschnitt die traditionellen Rechte der Stammesführer und des Klerus, zwang das Volk zum Militärdienst und verprellte Konservative, indem er Frauen das Tragen des Tschadors verbot.
Der Einmarsch der Sowjetunion und Großbritanniens beendete 1941 das Regiment des mit Deutschland sympathisierenden Reza, dem nun sein Sohn Mohammad Reza nachfolgte. 1953 schien die Ära des zunächst zurückhaltend auftretenden jungen Monarchen schon fast beendet, doch wurde der machtbewusste, bis heute umstrittene Premierminister Mohammad Mossadegh in einer chaotischen Aktion von Schah-Anhängern gestürzt – auch mit Unterstützung der CIA, deren Rolle beim Fall Mossadeghs jedoch lange Zeit überschätzt wurde.
Der neue Schah sah die Ereignisse von 1953 als Bestätigung seiner Herrschaft durch das iranische Volk und agierte in der Folge selbstbewusster. Dabei half, dass ein neues Ölabkommen 1954 das Monopol der Anglo-Iranian Oil Company beendete und dem Iran einen größeren Anteil an den Einnahmen sicherte, was dem Schah Spielraum für Reformen verschaffte.
Höhepunkt der Modernisierungskur, die der Schah dem Land verordnete, war ein in den Jahren 1962/63 beschlossenes Maßnahmenpaket, das als „Weiße Revolution“ bekannt wurde. Dazu gehörten unter anderem eine Landreform, ein Bildungsoffensive, die Einführung einer Gewinnbeteiligung für Arbeiter und Angestellte sowie des Wahlrechts für Frauen. Ein modernes Programm, angestoßen von einem paternalistischen Herrscher, das in konservativen Kreisen auf einigen Widerstand stieß. Dabei rückte erstmals der Mann ins Rampenlicht, der später die Macht im Land übernehmen sollte: Ruhollah Chomeini (1902–1989), Sohn einer Klerikerfamilie, der wie schon sein Vater den Rang eines Mudschtahid, eines hohen Rechtsgelehrten, innehatte. Der Klerus bildete im Iran einen eigenen Stand und pflegte schon unter den letzten Kadschar-Herrschern ein eher distanziertes Verhältnis zum Hof. Die Geistlichen stützten sich auf den Basar, jenes Händlernetzwerk, das sich als Bewahrer der iranischen Kultur verstand und religiöse Institute und Wohlfahrtseinrichtungen finanzierte.





