Die Gelehrten, die Napoleon auf seinem Ägypten-Feldzug begleiteten, sahen es sogleich: Die Inschriftenplatte aus schwarzem Basalt, gefunden im August 1799 bei Schanzarbeiten nahe Rosette (arabisch Raschid, etwa 50 Kilometer westlich von Alex?andria), besaß einen hohen historischen Wert. Der Stein wurde nach Alexandria gebracht, wo ihn sich die Briten sicherten: Ihnen hatte sich Napoleon nach dem vergeblichen Versuch, die englische Vorherrschaft im Mittelmeer einzudämmen, geschlagen geben müssen. Heute steht der berühmte Stein im British Museum. Verzeichnet ist auf ihm ein Dekret der Priester von Memphis, das 196 v. Chr. zu Ehren Ptolemaios’ V. erlassen wurde. Die enorme wissenschaftliche Bedeutung der Inschrift liegt in seiner dreisprachigen Abfassung. Neben je einem Abschnitt in altägyptischen Hieroglyphen und in demotischer Schrift, der seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. gebräuchlichen ägyptischen Volkssprache, zeigt die Platte einen griechischen Text. Ähnliche dreisprachige Inschriften sind in ptolemäischer Zeit und bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. besonders bei Verwaltungstexten geläufig. Sie sollten die griechi?sche Oberschicht, das ägyptische Volk und die ägyptische Priesterschaft gleichermaßen ansprechen und damit umfassende Gültigkeit demonstrieren. Die Inschrift endet mit dem Befehl, das Dekret in drei Schriften abzufassen. Damit lag der entscheidende Hinweis vor, daß der Textinhalt in jeder Sprache identisch sein mußte – und der Schlüssel zur Entzifferung der bis dahin unlesbaren Hieroglyphen. Schließlich gelang dies dem französischen Gelehrten Jean François Champollion in den Jahren zwischen 1822 und 1824.





