Es war eine denkwürdige Szene, die sich am Vormittag des 21. März 1848 in Berlin abspielte: König Friedrich Wilhelm IV. ritt – mit nur kleinem Gefolge – hinter einer schwarz-rot-goldenen Fahne durch die von einer großen Menschenmenge bevölkerten Straßen der Hauptstadt. In mehreren kleinen Reden und in einer am selben Tag veröffentlichten Proklamation bekundete er mit den seither vielzitierten Worten „Preußen geht fortan in Deutschland auf“ seinen Willen, sich an die Spitze der konstitutionellen und nationalen Bewegung zu stellen.
Wenige Tage später berief der König ein „Märzministerium“ unter Führung der liberalen rheinischen Unternehmer Ludolf Camphausen und David Hansemann. Und kurz darauf wurden Wahlen zu einer verfassunggebenden preußischen Nationalversammlung ausgeschrieben. Preußen schien sich, im Einklang mit seinem Monarchen, auf dem Weg in eine liberal
geprägte Zukunft zu befinden. Nur wenige zeitgenössische Beobachter wie der spätere Führer der Liberalen Rudolf Virchow, der von einem „großen politischen Streich“ sprach, durchschauten die gekonnte Inszenierung.





