Ludwig I. und Napoleon: Der Thronfolger und sein Erzfeind - wissenschaft.de | DAMALS
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Der Thronfolger und sein Erzfeind
Seit seiner Jugend hegte der spätere bayerische König Ludwig I., ein Spross der Pfälzer Wittelsbacher, einen Groll auf alles Französische. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass Napoleon seiner Familie eine Königskrone ermöglichte. Die Eheschließung Ludwigs mit Therese von Sachsen-Hildburghausen im Jahr 1810…
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von KATHARINA WEIGAND
Der spätere König Ludwig I. wurde nicht in Bayern geboren, sondern am 25. August 1786 in Straßburg. Sein Vater, Pfalzgraf Max Joseph aus der Wittelsbacher-Linie Pfalz-Zweibrücken, war zu dieser Zeit Offizier in Diensten des französischen Königs Ludwig XVI. Der Ausbruch der Französischen Revolution und die anschließenden Kriege sollten dazu führen, dass Max Joseph nicht nur seinen Posten im französischen Heer verlor, sondern dass er 1795, nach dem Tod seines älteren Bruders, nicht einmal die Herrschaft als neuer Herzog von Pfalz-Zweibrücken antreten konnte: Das Territorium war seit 1793 von französischen Truppen besetzt.
Als sich die Revolutionäre anschickten, auch das rechte Rheinufer in Besitz zu nehmen, blieb Max Josephs Familie, samt dem jungen Ludwig, nur noch die Flucht: Darmstadt, Mannheim, Rohrbach bei Heidelberg und Ansbach hießen die Zufluchtsorte, die man zumeist nach kurzer Zeit schon wieder verlassen musste. An Weihnachten 1794 erlebte der damals achtjährige Prinz zudem das Bombardement von Mannheim hautnah mit. Und etwa eineinhalb Jahre später starb Ludwigs Mutter, Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt. Die Strapazen der andauernden Flucht hatten am frühen Tod der 30-Jährigen ihren gehörigen Anteil.
Die wittelsbachischen Erbverträge ebnen Ludwigs Vater den Weg nach München
Anfang 1799 schienen sich die Verhältnisse für Max Joseph, seine zweite Gemahlin Karoline von Baden sowie für Ludwig und seine Geschwister zu stabilisieren: Nach dem Tod des pfalz-bayerischen Kurfürsten Karl Theodor am 16. Februar 1799 trat Max Joseph, gemäß den wittelsbachischen Erbverträgen, als Kurfürst Max IV. Joseph die Herrschaft in München an.
Rasch sah sich Ludwigs Vater jedoch in einer gefährlichen Zwangslage. Während des zweiten Koalitionskriegs (1798–1802), und angesichts von 109 000 österreichischen Soldaten in Bayern, die hier Frankreich entgegentreten sollten, entschied sich der neue bayerische Kurfürst schließlich gezwungenermaßen für die Koalition mit Österreich gegen Frankreich.
Allerdings wurde die bayerische Armee von ihrem österreichischen Verbündeten anschließend eher als Schutzschild missbraucht und erlitt in der Schlacht von Hohenlinden am 3. Dezember 1800 zusammen mit Österreich eine verheerende Niederlage. Die erneute Flucht der kurfürstlichen Familie (von München nach Amberg) fand erst 1801 mit dem Frieden von Lunéville ihr Ende.
Dieser Friede währte jedoch nicht lange. Und so stellte der Ausbruch des dritten Koalitionskrieges gegen Frankreich (1805) Max IV. Joseph erneut vor die Frage, welcher Seite er sich anschließen sollte. Bisher hatte die französische Armee unter dem Kommando Napoleons, inzwischen Kaiser der Franzosen, immer wieder den Sieg davongetragen. Bayern, das zumeist das Aufmarsch- und Kampfgebiet darstellte, wenn sich Frankreich und Österreich im Krieg befanden, musste sich unbedingt für den vermeintlichen Gewinner entscheiden, um als Staat überleben zu können.
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Für den damals 19-jährigen Ludwig, der von seinem Vater nicht an der Entscheidungsfindung beteiligt wurde, hieß das, machtlos zusehen zu müssen, wie die eigene Zukunft über seinen Kopf hinweg verhandelt wurde.
Die Erfahrungen aus der Jugend zementieren das Frankreich-Bild
Der Thronfolger verfügte 1805 freilich längst über eine äußerst dezidierte Meinung bezüglich Frankreichs im Allgemeinen und bezüglich Napoleons im Besonderen. Die frühe Erfahrung von Flucht, Angst, Unsicherheit im Kindesalter sowie der Einfluss der Mutter, die es nicht fassen konnte, dass man 1793 in Paris Ludwig XVI. und seine Gemahlin Marie Antoinette hingerichtet hatte, verhalfen Ludwig zu einem ausgeprägten Zorn, ja Hass auf alles, was mit Frankreich zu tun hatte.
Frankreich prägte sich dem jungen Prinzen ein als Hort der Unruhe, der Revolution und des Umsturzes der gesamten gottgewollten Ordnung – das sich zudem auch wittelsbachische Territorien angeeignet hatte. Und inzwischen konnte man dieses Land mit einer Person gleichsetzen, die zum Ziel von Ludwigs Hass wurde: Napoléon Bonaparte.
Dem bayerischen Kurfürsten und seinem Minister Maximilian von Montgelas musste Ludwigs heftige Abneigung gegenüber Frankreich und Napoleon Sorge bereiten, weil der Thronfolger nicht gerade dazu neigte, seine Ansichten diplomatisch geschickt zu verbergen. Außerdem bemühte sich Außenminister Montgelas 1805 nüchtern und pragmatisch darum, die beste politische Lösung für Bayern zu finden. Das bedeutete in seinen Augen, sich mit dem siegreichen Korsen zu verbinden.
Am 20. August 1805 unterzeichnete Montgelas, mit Billigung des Kurfürsten, den Vertrag von Bogenhausen, der Bayern für die kommenden Jahre eng an Frankreich band. Die bayerische Regierung handelte auf diese Weise ganz im Stil der damaligen Zeit und Politik, indem sie sich nicht an irgendeiner vagen Idee von Deutschland, sondern konkret am Schicksal des eigenen Staats orientierte.
Ludwig aber zeigte sich erschüttert. Auf der Rückreise von seinem ersten Italien-Aufenthalt hatte er noch kurz zuvor an seinen Vater geschrieben: „Wenn ich Ihnen alle meine Gedanken sagen darf – ich weiß, daß Sie, bester Vater, die Aufrichtigkeit lieben –, so bitte ich Sie, doch ja nicht mit den Franzosen zusammenzugehen und Ihre Waffen nicht mit den ihren zu vereinen, doch nicht gemeinsame Sache mit der Ungerechtigkeit dieser Nation zu machen, die alle Rechte mit Füßen tritt.“
Einen Umschwung sollten Ludwigs machtpolitisch naiv anmutende und sichtlich von emotionalem Überschwang diktierten Zeilen nicht mehr herbeiführen. Bayern trat stattdessen 1805 an die Seite Frankreichs, wobei sich diese Entscheidung trotz aller finanziellen und militärischen Belastungen, die in den folgenden Jahren zu schultern waren, am Ende als äußerst gewinnbringend herausstellen sollte.
Der Kurfürst und sein Minister aber hofften inständig, dass Ludwig seine Ansichten ändern würde, wäre er dem französischen Kaiser erst einmal persönlich begegnet. Lange hatte sich der Thronfolger einer solchen Verpflichtung entziehen können, doch nun war es so weit. Am 9. November 1805 traf er in Linz zum ersten Mal mit dem französischen Kaiser zusammen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das bayerisch-französische Bündnis bereits bewährt, denn in der ersten Oktoberhälfte war es Napoleon bei Ulm in mehreren Gefechten erneut gelungen, die Österreicher zu schlagen. Seinem bayerischen Verbündeten sichtlich wohlgesinnt, nahm der Kaiser den Kurfürsten und seinen Sohn in Linz ausnehmend freundlich in Empfang, ja, er verzichtete darauf, die beiden das wahre Machtverhältnis zwischen Frankreich und Bayern spüren zu lassen. Auf diese Weise kam Ludwig ins Grübeln, denn seine negativen Erwartungen wurden enttäuscht, als er „einem Menschen von verblüffender Einfachheit und einnehmender Liebenswürdigkeit“ begegnete.
In dieser Situation sollte sich allerdings ein Charakterzug beim bayerischen Thronfolger zeigen, den man mit dem Begriff „Beharrlichkeit“ beschreiben mag, den man aber auch als unbedingten, vielleicht sogar verbohrten Willen verstehen kann, auf gar keinen Fall von einem einmal gefällten Urteil Abstand zu nehmen. Und so notierte Ludwig nach dem Linzer Zusammentreffen widerwillig und wohl auch ein wenig verstört: „Das Äußere des Kaisers, sein Wesen hat mir in Linz gefallen, aber auf meine Meinung hat das nicht den geringsten Einfluß gehabt.“
Dieses Hin-und-hergerissen-Sein zwischen Ablehnung, Wut und Hass und gleichzeitig einer den bayerischen Thronfolger selbst verblüffenden Bewunderung, die sich auf Napoleons Umgang mit Menschen, das kaiserliche Selbstbewusstsein, sein strategisches Können, sein Arbeitsethos wie sein Arbeitspensum, später noch auf Napoleons architektonische Umgestaltung von Paris bezog, sollte Ludwig in den folgenden Jahren ständig begleiten.
Zudem bewies Napoleon kurze Zeit später in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz (2. Dezember 1805) erneut sein militärisches Genie – und ließ anschließend dem verbündeten Bayern bedeutende Gebietserweiterungen zukommen. Darüber hinaus musste das geschlagene Österreich akzeptieren, dass der Kurfürst als Max I. Joseph den Königstitel annahm, wobei die damit errungene volle staatliche Souveränität einen noch viel größeren Gewinn für Bayern darstellte. Gab es für Ludwig in dieser Situation überhaupt noch ein stichhaltiges Motiv, das Bündnis mit Frankreich zu verwünschen?
Die Heiratspolitik Napoleons sorgt für weiteren Unmut
Bald schon sah der Kronprinz einen weiteren Grund, Napoleon und Frankreich vehement abzulehnen. Aus Anlass der Proklamation Bayerns zum Königreich, mehr aber noch, um ein Heiratsprojekt zum gewünschten Abschluss zu bringen, das seine eigene Familie in den Rang einer Dynastie bringen sollte, reiste der französische Kaiser Ende 1805 nach München. Am 13./14. Januar 1806 heiratete Auguste Amalie, die älteste Tochter des frischgebackenen bayerischen Königs Max I. Joseph, in München den Stief- und Adoptivsohn des französischen Kaisers, Eugène Beauharnais, Vizekönig von Italien.
Für Ludwig, den Bruder der Braut, bestand das Problem nicht darin, dass Mitte Januar 1806 in München eine politisch motivierte Ehe geschlossen wurde. Er stieß sich an der fehlenden Ebenbürtigkeit, noch mehr aber daran, dass der Bräutigam seiner Schwester dem engsten Familienkreis des von ihm so verabscheuten Napoleon angehörte.
Max Joseph und Montgelas ließen derweil nichts unversucht, den bayerischen Thronfolger doch noch für Frankreich zu gewinnen. Ludwig wurde, auf Einladung des Kaisers, 1806 für längere Zeit nach Paris an den Hof Napoleons geschickt. Die folgenden fast sieben Monate müssen für Ludwig ein äußerst schwieriger, daneben aber auch ein ungemein anregender Lebensabschnitt gewesen sein, zwischen Verstellung und immer wieder aufkeimender Bewunderung.
Aufschlussreich ist in dieser Hinsicht der Blick auf die bayerische Haupt- und Residenzstadt München, wo der spätere König von Bayern vieles bauen, eigentlich nachbauen ließ von dem, was er in Paris 1806 verwundert bestaunt hatte. Die Stichworte Siegestor, Erweiterung der Residenz und Münchner Museumsbauten mögen in diesem Zusammenhang genügen (siehe Artikel Seite 28).
Doch sollte Napoleons Charmeoffensive erneut ohne Erfolg bleiben. Ludwig verschloss sich hartnäckig gegen alle Gunstbeweise, wie wir aus seinen Tagebüchern, Aufzeichnungen und Briefen wissen, wo er jeden negativen Charakterzug, jeden ruppigen Tonfall Bonapartes besonders hervorhob. Und so heißt es schließlich bei Montgelas: „Gewiß ist, daß er [Ludwig] aus Frankreich mit erhöhter Abneigung gegen dessen Regierung zurückkehrte und daß sich die Meinung des Kaisers über ihn nicht günstig gestaltete“.
Selbst die Frage, wen der bayerische Thronfolger ehelichen würde, sollte zu weiterer antifranzösischer Erbitterung bei Ludwig führen. Denn Napoleon machte allen Beteiligten am Münchner Hof unmissverständlich klar, dass er eine bayerisch-russische oder eine bayerisch-österreichische Verbindung niemals dulden werde.
Ludwig musste daher – nach zähem Widerstand – zuerst seine Hoffnung begraben, sich mit Katharina, der Tochter des Zaren Pauls I., zu vermählen. Anschließend endete sein Werben um Marie Louise, die Tochter des österreichischen Kaisers, erfolglos: Die ersehnte Braut wurde kurze Zeit später mit Napoleon vermählt und machte sich auf den Weg nach Paris.
Ludwigs Eheschließung verschafft den Münchnern das Oktoberfest
Nach diesem Rückschlag fügte sich Kronprinz Ludwig in sein Schicksal. Getrieben von der zuletzt fast schon panischen Angst, man werde ihn zwingen, womöglich sogar ein französisches Ehebündnis einzugehen, entschied er sich für Therese von Sachsen-Hildburghausen und somit für eine Prinzessin aus einem machtpolitisch gänzlich unverdächtigen Haus. Am 12. Oktober 1810 fand die Hochzeit in München statt, fünf Tage später wurde zu Ehren des frischvermählten Paares vor dem Sendlinger Tor ein Pferderennen veranstaltet.
Weil die bayerischen Untertanen bei diesem Fest eine geradezu euphorische Verehrung für ihr Königshaus gezeigt hatten, beschloss man, das Pferderennen im darauffolgenden Jahr zu wiederholen. Dies war die Geburtsstunde des Münchner Oktoberfestes; das Areal des Pferderennens trägt seitdem den Namen Theresienwiese.
Nach seinem langen Paris-Aufenthalt 1806 ist der bayerische Kronprinz in den folgenden Jahren noch einige weitere Male mit dem französischen Kaiser zusammengetroffen. Zu Veränderungen der gegenseitigen Einschätzung und Wahrnehmung haben diese Begegnungen nicht mehr geführt. Vielmehr lieferten Napoleons neuerlicher Krieg gegen Österreich 1809 sowie die Aufstände, die im selben Jahr in Tirol ausbrachen, vor allem aber die Art und Weise, wie diese Aufstände von bayerischen und französischen Truppen niedergeschlagen wurden, Ludwig lediglich weitere Gründe, an seinen Überzeugungen festzuhalten.
Dies zeigte sich besonders deutlich, als der bayerische Thronfolger 1809 beim österreichischen Gesandten in München, dem Grafen Stadion, zu Gast war, dem er schon zuvor mehrere Male seine antifranzösische Gesinnung offenbart hatte. Im Lauf dieser Zusammenkunft trank Ludwig auf die Gesundheit der Tiroler und stieß dann mit Bettine von Brentano so heftig an, dass sein Trinkgefäß am Fuß leicht beschädigt wurde.
Dabei brachte er freilich kein „Vivat“ oder „Prosit“ aus, sondern, gemünzt auf Kaiser Napoleon, ein „Pereat“. Im harmlosesten Fall würde man dieses „Pereat“ als ein „Er vergehe!“ übersetzen, man darf aber davon ausgehen, dass es Ludwig drastischer verstanden wissen wollte, etwa als ein „Er verrecke!“.
Kurz nach diesem emotionalen Ausbruch unter Gleichgesinnten schenkte Bettine von Brentano das leicht beschädigte Glas dem Vertrauten und Leibarzt des Kronprinzen, Johann Nepomuk Ringseis, der es aufbewahrte.
Selbst nachdem Napoleon endgültig geschlagen, verbannt und schließlich gestorben war, blieb Ludwig seiner Antipathie treu. 50 Jahre nach dem „Pereat“ von 1809, Ludwig war inzwischen 72 Jahre alt und schon lange kein regierender König mehr, scheint dieser Hass noch immer unvermindert in seinem Herzen gebrannt zu haben. So offerierte man dem greisen Ludwig 1859 im Haus Ringseis Wein aus ebenjenem Glas, das er 1809 in Händen gehalten hatte. Ludwig reagierte prompt: „‚Was ich damals gethan, das will ich heut wieder thun,‘ – aber sich besinnend: ‚Nicht doch, ich bin um fünfzig Jahre älter geworden, ich will es lieber unterlassen, die Gesinnung hingegen ist die gleiche geblieben.‘“
Glas wird zum Museumsstück
Die Familie Ringseis ließ es sich daraufhin nicht nehmen, eine Silbermontierung am Fuß und an der Kuppa des „Pereat-Glases“ anbringen zu lassen, womit das bis dahin recht unscheinbare Trinkgefäß endgültig zur haptisch wahrnehmbaren Verkörperung des ludovizianischen Napoleon-Hasses sowie zu einem symbolträchtigen Museumsstück aufstieg. Denn auf zwei Ovalschilden an der Kuppa ist gerade so, als ob das Glas selbst sprechen würde, zu lesen: „1809 / Beim österreich. / Gesandten Gfn. Stadion / brachte aus mir ein Pereat / dem cor. Unterdrücker der / Krnpz. Ludwig v. Bayern / Von Gf. St. erhielt mich / Bettina Brentano, / von ihr / Dr. Ringseis.“ Und auf der anderen Seite heißt es: „1859 / Als Napol.III. dem / Sarden gen Öster[r]eich / half, trank wieder aus mir / Ludwig I., sprechend: / ‚50 Jahre älter und / klüger, / die Gesinnung aber / die gleiche‘“.
Warum, so lässt sich abschließend fragen, hat sich Ludwig I. bis zum Ende seiner Tage nicht von diesem Hass lösen, ja befreien können? War ihm Napoleon derart zuwider gewesen? Ängstigte er sich noch immer, dass ein neuer Napoleon Europa ein weiteres Mal unterwerfen könnte? Das alles dürfte eine Rolle gespielt haben, aber wahrscheinlich litt Ludwig am meisten darunter, dass die Zeitgenossen wie die Nachwelt geneigt schienen, gerade dieses „Ungeheuer“ in ihrer Erinnerung unsterblich werden zu lassen. Für Ludwig selbst aber war nicht genügend Raum geblieben, vergleichbaren Ruhm zu erringen. Also sehnte sich der abgedankte König danach, zumindest als der größte Widersacher Napoleons in die Geschichte einzugehen.
Bereits früh scheint Ludwig befürchtet zu haben, einmal von der Geschichte vergessen zu werden. 1814, während des Wiener Kongresses, beklagte er bitter: „Es ist hin, und nimmer kommt es wieder! / Niemals preisen mich die Siegeslieder, / Und das Haupt umgiebt kein Eichenkranz. / Dortmals, da sich knechtisch alle bogen, / Von des Blendwerks falschem Schein betrogen, / Von des Ueberwinders blut’gem Glanz, / Dortmals auch, ich kann’s mit Wahrheit sagen, / Zeigt’ ich immer mich als seinen Feind, / War die Welt in Fesseln gleich geschlagen, / Doch der Ruhm, er bleibet mir verneint“.
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