Als Anne Stuart, Königin des erst seit wenigen Jahren geeinten Königreichs Großbritannien, am 1. August 1714 starb, hinterließ sie keine Erben, die den Thron hätten einfordern können. So ging die Krone vom Haus Stuart an das Haus Hannover über, wie dies bereits in der Erbfolgeregelung von 1701 (Act of Settlement) festgeschrieben worden war. Kurfürst Georg Ludwig sollte nun als König Georg I. Großbritannien regieren. Mit großem Gefolge verließ er Mitte September 1714 Hannover. Begleitet wurde er von seinem Sohn Prinz Georg August, dem späteren Georg II. (1727 –1760), und von seiner Mätresse Melusine von der Schulenburg. Ein wahres Heer aus Höflingen und Würdenträgern setzte mit einer Flotte über den Kanal, um dem werdenden König in sein neues Reich zu folgen. Wer fehlte, war Sophie Dorothea, die Georg Ludwig 1682 geheiratet hatte. Sie fuhr nicht nach London – und sie sollte dem König auch niemals nachfolgen.
Die ehemalige Kurprinzessin Sophie Dorothea lebte zu dieser Zeit, umgeben von ihren Kammerjungfern, Zofen und Dienern, im Amtshaus von Ahlden, zwischen Hannover und Bremen, das man zu einem hochherrschaftlichen Wohnsitz umgebaut hatte. Für die armen Bittsteller, die vor dem Anwesen auf Almosen warteten, war das Amtshaus ein Ort unvorstellbarer Reichtümer. Die Ausstattung konnte in der Tat den höchsten Ansprüchen genügen. Allein die Goldtapeten aus Brabant und die Gobelins aus Brüssel kosteten ein Vermögen. Und die Kleider der Prinzessin wurden jährlich von den besten Schneidern von Paris angefertigt.





