Georg Forster besaß großes künstlerisches Talent. Die aquarellierten Zeichnungen der Tiere in diesem Artikel stammen alle von ihm. Hier ein Weißkopfliest von den Kapverden. · Foto: Bridgeman Images / Natural History Museum, London
Am 13. Juli 1772 verließ das Segelschiff „Resolution“, unter dem Befehl von James Cook und 117 Mann an Bord, in Begleitung der „Adventure“, mit Tobias Furneaux als Kapitän und 83 Mann Besatzung, den Hafen von Plymouth. Drei Jahre und 18 Tage sollte Cook unterwegs sein, um erstmals die Erde in östlicher Richtung zu umrunden. Er legte eine Strecke zurück, die etwa dem dreifachen Erdumfang entspricht. Überwältigende Naturanschauungen und herausfordernde Begegnungen mit fremden Völkern warteten auf die Männer, aber auch quälende Langeweile, große Gefahren und ungeheure Anstrengungen.
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An Bord der „Resolution“ war ein 17-Jähriger, der sich als Glücksfall für Cooks zweite Weltumsegelung erweisen sollte. Ihn zeichneten eine rasche Auffassungsgabe und eine erstaunliche Unvoreingenommenheit aus. Und er war, in den Worten seines Freundes Georg Christoph Lichtenberg, ein „Hexenmeister in der Prosa“: Georg Forster. Sein Bericht „Reise um die Welt“ stellt einen Höhepunkt der europäischen Entdeckungsliteratur dar und lässt die Eindrücke seiner Erfahrungen durch eine erzählerische Sprache lebendig werden.
Georg war nicht gefragt worden, ob er das Wagnis der Reise eingehen wolle. Er hatte seinem Vater Johann Reinhold Forster als persönlicher Assistent zu dienen. Überhaupt verdankte es sich einer wagemutig ergriffenen Gelegenheit, dass beide an der zweiten Weltumsegelung Cooks teilnehmen konnten. Als Chronist der Reise war eigentlich wieder Joseph Banks vorgesehen gewesen. Nachdem er erhebliche Umbauten am Schiff eingefordert hatte, die seiner Bequemlichkeit dienen sollten, war es jedoch zum Bruch mit dem Kapitän gekommen. Die Zeit drängte, Cook suchte nach Ersatz, und Johann Reinhold Forster ergriff die Gunst der Stunde. Er bot sich als naturwissenschaftlicher Reiseberichterstatter an und wurde von der Admiralität angeheuert.
„Ich mußte endlich in die Welt“
Für Georg Forster war es ein Sprung ins Ungewisse. 1754 in Nassenhuben, einem Dorf in der Nähe von Danzig, zur Welt gekommen, hatte er seinen Vater bereits auf eine Reise im Auftrag der russischen Zarin bis an die Wolga begleitet und war mit ihm schließlich nach England gegangen, auf der Suche nach beruflichem Erfolg.
Johann Reinhold Forster (hinten) und sein Sohn Georg als naturwissenschaftliche Begleiter der zweiten Cook-Expedition. Das Gemälde von John Francis Rigaud entstand einige Jahre nach der Rückkehr der beiden. · Foto: akg-images
An der Seite seines Vaters trat er nun eine Weltreise an, ohne eine rechte Vorstellung von dem zu haben, was auf ihn zukommen sollte. „Ich mußte endlich in die Welt … und beugte also meinen Nacken dem Schicksal.“ Der Einsatz war hoch, der Gewinn nicht minder, denn „der größte Schauplatz, den ein Mensch betreten kann, um die Wunder des objektiven Daseyns zu beschauen, that sich mir auf: ich umschiffte die Erde“.
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Die Stationen seines Reiseberichts nehmen sich aus wie aufgereihte Perlen auf einer Schnur: Madeira, die Kapverdischen Inseln, die Kapkolonie, Neuseeland, Tahiti, die Osterinsel, Tonga, die Neuen Hebriden, Neukaledonien, Feuerland und Südgeorgien, um nur die wichtigsten Stationen zu nennen. Sie durchfuhren die endlose Weite der Ozeane bei friedlicher See und heftigem Sturm.
Endlose Strapazen statt Seefahrerromantik
Trotz aller eindrucksvollen Etappen galt es, das Ziel dieser zweiten Expedition nicht aus den Augen zu verlieren: Cook sollte klären, ob sich am Südpol – wie es schon antike Autoren gemutmaßt hatten – ein großer Kontinent finden ließe. Nachdem sie in See gestochen waren, kannte ihre Fahrt daher zunächst nur eine Richtung: südwärts.
Wir neigen heute dazu, eine Segelfahrt zu romantisieren und eine Weltreise als großes Abenteuer zu begreifen. Im 18. Jahrhundert war es vor allem eine Strapaze. Das Schiff „Resolution“ („Entschlossenheit“) war ein umgebauter Kohlefrachter von etwa 34 mal zehn Metern. Es verfügte über einen für lange Reisen unverzichtbaren Laderaum, gefüllt mit lebenden Kühen, Bullen, Schafen, Ziegen und Geflügel. Eingelagert waren etwa 27 000 Kilogramm Zwieback, 20 000 Liter Bier, 9000 Kilogramm Sauerkraut, über 47 000 Liter Trinkwasser, an die 900 Kilogramm Butter, 8000 Kilogramm Mehl, 27 000 Kilogramm Pökelfleisch vom Rind und Schwein und vieles mehr.
In dieser Gouachezeichnung mit dem Titel „Eismeerleuchten“ hielt Georg Forster die unwirtliche, aber auch faszinierende Welt des antarktischen Meeres fest. · Foto: Bridgeman Images / Mitchell Library, State Library of New South Wales
Unter Deck war es stickig, je nach Region heiß oder kalt, oft klamm und feucht. Alle Aufenthalte zusammengerechnet, verbrachten sie kaum ein halbes Jahr an Land. Von Romantik keine Spur. Die Mahlzeiten wurden zur Qual. Man könne sich keinen Begriff davon machen, so Forster, was es heißt, wenn man sich „mit verwestem Pökelfleisch und verschimmeltem Schiffs-Zwieback behelfen muß“.
Am 17. Januar 1773 überschritten sie den südlichen Polarkreis. Rasch fiel die Temperatur. Während wir von den polaren Eisregionen wunderbare Fotografien imaginieren, war es für die Seeleute mit ihrer damaligen Ausrüstung vor allem bitterkalt. Das Hantieren an Bord wurde zur Tortur, denn das „Tau- und Takelwerk des Schiffs war mit Eiszapfen behangen“ und „mit Rinden von Eis überzogen“.
Riss aber der Nebel auf, kamen überwältigende Eisberge in Sicht. Fasziniert beobachtete Forster ihr Farbenspiel, erlebte aber auch die Gefahren, die von ihnen für ein schwer zu manövrierendes Holzschiff ausgehen. Wiederholt tauchte ein Eiskoloss wie aus dem Nichts vor ihnen auf. Einmal war es fast „ganz unmöglich, das Schiff mit oder gegen den Wind herumzudrehen … Man kann denken, in welcher fürchterlichen Ungewißheit wir die wenigen Minuten zubrachten, ehe sich unser Schicksal entschied, und in der That es war ein bewundernswürdiges Glück, daß wir ohne Schaden davonkamen, denn die Eismasse blieb im Vorbeyfahren kaum eine Schiffslänge weit von uns entfernt.“
Das Festland der Antarktis bleibt noch unentdeckt
Dreimal überquerten sie den südlichen Polarkreis. Sie bewunderten die Polarlichter, litten unter der Monotonie und bestaunten die entdeckten Pinguine. Am 30. Januar 1774 drangen sie bis auf eine südliche Breite von etwa 71 Grad und zehn Minuten vor, südlicher als je eine Expedition vor ihnen. Ein riesiges Eisfeld verhinderte die Weiterfahrt. Cook zögerte, doch für Forster galt als bewiesen, „daß kein vestes Land in der südlichen Halbkugel“ zu finden sei.
Den Königspinguinen begegnete die Expedition im Januar 1775 auf der Rückreise auf der Insel Südgeorgien im Südatlantik. · Foto: akg-images / Natural History Museum, London / Science Photo Library
Darin irrte er sich, das vereiste Festland am Südpol lag nicht weit entfernt. Doch den Mythos von einem riesigen, unbekannten Kontinent im Süden, Terra Australis Incognita genannt, hatten sie widerlegt. Der Preis dafür war hoch. Sie hatten eine Fahrt durch die „Gegenden der Hölle“ aus Eis gemacht.
Setzte der Winter in der Antarktis ein, hatte Cook nach Norden auszuweichen, um nicht im Eis festgesetzt zu werden. Nach der durchdringenden Kälte im abwechslungslosen Einerlei des Eismeeres boten die Aufenthalte in der Südsee den ersehnten Kontrast. Das Auge erfreute sich nun an einer exotischen Vegetation und an Urwäldern im „ursprünglich wilden, ersten Stande der Natur“.
Forster beobachtete Vögel, die „noch nie eine menschliche Gestalt gesehen zu haben“ schienen, „so unbesorgt blieben sie auf den nächsten Zweigen sitzen, oder hüpften wohl gar auf dem äußersten Ende unsrer Vogelflinten herum, und betrachteten uns als fremde Gegenstände mit einer Neugierde, die der unsrigen einigermaßen gleich kam“. Als Naturforscher fanden Vater und Sohn in der Tier- und Pflanzenwelt „neue Reichthümer“. Georg, ein hervorragender Zeichner, hielt etliche der Fundstücke in Aquarellen fest.
Die „Reise um die Welt“ ist aber nicht allein ein Dokument naturwissenschaftlicher Forschung. Sie ist vor allem ein Stück früher Ethnologie. Mit wachem Blick nahm Forster fremde Kulturen wahr und suchte dabei jede koloniale Herablassung zu vermeiden. Er war ein Kind der Aufklärung und eines erneuerten Humanismus: „Alle Völker der Erde haben gleiche Ansprüche auf meinen guten Willen.“ Erstaunt nahm Forster die Verschiedenheit der Kulturen zur Kenntnis.
Der Kaka ist wie der Kea ein Nestorpapagei. Beide leben in Neuseeland. Forster lieferte die erste naturgetreue Darstellung eines solchen Vogels. · Foto: Bridgeman Images / NaturalHistory Museum, London
Was bei den englischen Seeleuten oft zu Konflikten führte, vor allem Eigentumsdelikte, regte den heranwachsenden Weltbürger zu Spekulationen über eine „relative Moralität“ an: Es gibt nicht den einen Menschen in europäischer Gestalt, sondern nur die vielen Menschen in ihren verschiedenen Ausprägungen und Sitten. Forster wurde zu einem Vordenker des modernen Pluralismus. Dabei war er nicht naiv. Er wusste um seinen eigenen Standpunkt, von dem aus er in die Welt blickte, aber er suchte sich und seinen Lesern offenzulegen, „wie das Glas gefärbt ist, durch welches ich gesehen habe. Wenigstens bin ich mir bewußt, daß es nicht finster und trübe vor meinen Augen gewesen ist.“
Der Höhepunkt der Reise war für Forster der Besuch eines der „glücklichsten Winkel der Erde“: Tahiti. Nachdem die Insel 1767 von Samuel Wallis für Europa entdeckt worden war, hatte sie ein Jahr später der Franzose Louis-Antoine de Bougainville besucht und zu einem erotischen Arkadien verklärt. 1769 war die Insel bereits eine Station auf Cooks erster Weltumsegelung gewesen. Vom August 1773 stammt Forsters anmutige Schilderung seines ersten Blicks auf diese Verheißung der Südsee. Er wusste, was sein Lesepublikum von ihm erwartete. Sinnlich und anschaulich zeichnete er ein Gemälde aus Worten.
Erst im letzten Moment kommt Bewegung in dieses Stillleben: „Ein Morgen war’s, schöner hat ihn schwerlich je ein Dichter beschrieben, an welchem wir die Insel O-Tahiti, 2 Meilen vor uns sahen. Der Ostwind, unser bisheriger Begleiter hatte sich gelegt; ein vom Lande wehendes Lüftchen führte uns die erfrischendsten und herrlichsten Wohlgerüche entgegen und kräuselte die Fläche der See. Waldgekrönte Berge erhoben ihre stolzen Gipfel in mancherley majestätischen Gestalten und glühten bereits im ersten Morgenstrahl der Sonne. Unterhalb derselben erblickte das Auge Reihen von niedrigern, sanft abhängenden Hügeln, die den Bergen gleich, mit Waldung bedeckt, und mit verschiednem anmuthigen Grün und herbstlichen Braun schattirt waren. Vor diesen her lag die Ebene, von tragbaren [fruchtbaren] Brodfrucht-Bäumen und unzählbaren Palmen beschattet, deren königliche Wipfel weit über jene empor ragten. Noch erschien alles im tiefsten Schlaf; kaum tagte der Morgen und stille Schatten schwebten noch auf der Landschaft dahin. Allmählig aber konnte man unter den Bäumen eine Menge von Häusern und Canots [Kanus] unterscheiden, die auf den sandichten Strand heraufgezogen waren. Eine halbe Meile vom Ufer lief eine Reihe niedriger Klippen parallel mit dem Lande hin, und über diese brach sich die See in schäumender Brandung; hinter ihnen aber war das Wasser spiegelglatt und versprach den sichersten Ankerplatz. Nunmehro fing die Sonne an die Ebene zu beleuchten. Die Einwohner erwachten und die Aussicht begonn zu leben.“ Das Paradies als Idylle.
Gewalt ist ein zentrales Motiv des Reiseberichts
Dem bunten Erzählteppich der „Reise um die Welt“ ist aber auch ein blutroter Faden eingewoben: die Geschichte von Gewalt, Mord und Totschlag. Immer wieder unterbrechen die Berichte von Brutalität den Fortgang der Erzählung.
Die Gewalt ging zum einen von den Engländern aus, wenn sie etwa einen Diebstahl drakonisch bestraften: Einem Einheimischen, der Kleinigkeiten entwendet hatte, warf ein Matrose einen Bootshaken nach, „unglücklicherweise drang das Eisen ihm unter die Rippen in den Leib; es ward dem Matrosen also nicht schwer, den Indianer vollends bis ans Boot heran zu ziehen und ihn an Bord zu heben“. Für Forster eine „barbarische Verfolgung und Mißhandlung“.
Die Bucht von Matavai vor Tahiti mit den Schiffen „Resolution“ und „Adventure“, gemalt von William Hodges im Jahr 1776. Hier hatte Cook bereits bei der ersten Reise Station gemacht. · Foto: akg-images
Er wurde zum Kritiker einer gewaltvollen Unheilsgeschichte. Es sei ein Unglück, „daß alle unsre Entdeckungen so viel unschuldigen Menschen haben das Leben kosten müssen“. Er verwies auf den „unersetzlichen Schaden“, den die indigenen Völker durch den „Umsturz ihrer sittlichen Grundsätze“ erlitten. Schon für ihn galt als ausgemacht, „daß unsre Bekanntschaft den Einwohnern der Süd-See durchaus nachtheilig gewesen ist“.
Zum anderen registrierte Forster die Gewalt der Indigenen, etwa gegen Frauen oder in kriegerischen Auseinandersetzungen. Sie wurden sogar Zeugen einer Ungeheuerlichkeit: Kannibalismus!
Im November 1773 gingen sein Vater und Cook in Neuseeland von Bord und stießen auf Eingeweide eines Menschen, die am Strand auf einem Haufen lagen. „Kaum hatten sie sich von der ersten Bestürzung über diesen Anblick erholt, als ihnen die Indianer verschiedne Stücke vom Cörper selbst vorzeigten, und mit Worten und Gebehrden zu verstehen gaben, daß sie das übrige gefressen hätten. Unter den vorhandenen Gliedmaaßen war auch noch der Kopf befindlich, und nach diesem zu urtheilen, mußte der Erschlagne ein Jüngling von funfzehn bis sechzehn Jahren gewesen seyn. Die untere Kinnlade fehlte, und über dem einen Auge war der Hirnschedel … eingeschlagen.“ Als nun einige Neuseeländer den Kopf sahen, „bezeugten sie ein großes Verlangen nach demselben, und gaben durch Zeichen deutlich zu verstehen, daß das Fleisch von vortreflichem Geschmack sey“.
Kein vorschnelles Verurteilen der Eingeborenen
Forsters Willen zur Aufklärung zeigt sich darin, dass er den Kannibalismus der Indigenen nicht vorschnell verurteilen will. „Wir selbst sind zwar nicht mehr Cannibalen, gleichwohl finden wir es weder grausam noch unnatürlich zu Felde zu gehen und uns bey Tausenden die Hälse zu brechen, blos um den Ehrgeiz eines Fürsten … zu befriedigen. Ist es aber nicht Vorurtheil, daß wir vor dem Fleische eines Erschlagnen Abscheu haben, da wir uns doch kein Gewissen daraus machen ihm das Leben zu nehmen?“
Forster konnte auch Tiere beobachten, die inzwischen ausgestorben sind, wie diesen Tahiti-Laufsittich. · Foto: Bridgeman Images / Natural History Museum, London
Die „Reise um die Welt“ stellt einen Entwicklungsroman dar: Sie ist ein Dokument von Forsters Politisierung. Zu den bemerkenswertesten Berichten vom anderen Ende der Welt gehört der Eindruck einer scheinbar klassenlosen Gesellschaft. Anders als am europäischen Hof könne auf Tahiti der „geringste Mann … so frey mit dem Könige sprechen, als mit seines gleichen“. Es gebe keine übertriebene Hierarchie, Rangunterschiede schüfen keine unüberbrückbare Distanz. „Auch beschäftigt sich der König zu Zeiten auf eben die Art als seine Unterthanen; noch unverdorben von den falschen Begriffen eitler Ehre … rechnet er sichs keinesweges zur Schande, nach Maaßgabe der Umstände, in seinem Canot selbst Hand ans Ruder zu legen.“
Forster meinte, eine horizontale Gesellschaft vor sich zu haben – und er war begeistert: „Zu O-Tahiti hingegen, ist zwischen dem Höchsten und Niedrigsten, im Ganzen genommen, nicht einmal ein solcher Unterschied, als sich in England zwischen der Lebensart eines Handwerksmannes und eines Tagelöhners findet.“
Doch schon machte er erste Anzeichen einer sich ausbildenden Dekadenz aus. Sollten sich aber bei den Tahitianern Klassenunterschiede verfestigen, so mutmaßte er, werde das „Gefühl der gekränkten Rechte der Menschheit in ihnen erwachen, und eine Revolution veranlassen“. Einem gedanklichen Erdbeben gleich fällt im Reisebericht jenes Wort, das die politischen Konsequenzen von Forsters Südseeträumen vorwegnehmen sollte.
1777 erschien in London Forsters „A Voyage round the World“, 1778 und 1780 folgte in Berlin die deutsche Übersetzung in zwei Bänden. Sie machten ihn berühmt, aber nicht erfolgreich. Zeitgenossen wie der junge Alexander von Humboldt verschlangen dieses Meisterstück einer Reiseerzählung. Doch während sein Ruhm wuchs, hangelte sich Forster von einer Stelle zur anderen, von chronischen Geldsorgen geplagt. Zum Leben entschlossen, gründete er eine Familie, doch seine Gesundheit war ruiniert. In der Alten Welt fasste er nie wieder so recht Fuß.
Den Punkt-Kaninchenfisch angelten Georg Forster und sein Vater vor der zu Tonga zählenden Insel Nomuka aus dem Meer. · Foto: Bridgeman Images / Natural History Museum, London
Forster wird fanatischer Anhänger der kurzlebigen Mainzer Republik
Nicht allein durch die Weltumsegelung hat sich Forster in die Geschichte seines Jahrhunderts eingeschrieben. 1793 war er maßgeblich an der Gründung der kurzlebigen Mainzer Republik beteiligt, einem Laboratorium politischer Freiheit. Forster offenbarte dabei fanatische Züge, wollte er doch mit aller Macht jene Gesellschaftsform verwirklichen, die er in der Südsee bereits erlebt zu haben glaubte.
Die Republik wurde niedergeschlagen, Forster starb 1794 im Pariser Exil mit gerade einmal 39 Jahren. Er hatte die Grenzen der bekannten und der politischen Welt zu verschieben gesucht, und er bezahlte dafür seinen Preis.
Kurz vor seinem Tod blickte er auf seine Lebensreise zurück, um seinen Frieden mit ihr zu machen. „Wenn ich … bedenke“, schrieb er seiner Frau Therese, „daß endlich nur auf diese Art eine gewisse Entwickelung meiner selbst möglich war, die zwar unendlich schmerzlich, aber auch zugleich eine Quelle von sonderbarer Beschauung in mir geworden ist … – dann bin ich zufrieden mit allem was geschehen ist.“
Der erste Entwurf eines Reiseberichts von Johann Reinhold Forster wurde von der britischen Admiralität abgelehnt. Um die Auflagen, die ihm erteilt wurden, zu umgehen, ließ er seinen Sohn den Bericht schreiben: ein Glücksfall, denn Georg war ein wesentlich talentierterer Autor. · Foto: INTERFOTO / Sammlung Rauch
Literatur
Ulrich Enzensberger, Georg Forster. Ein Leben in Scherben. Frankfurt am Main 1996. Jürgen Goldstein, Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt. Berlin 2015. Klaus Harpprecht, Georg Forster oder Die Liebe zur Welt. Reinbek bei Hamburg 1987. Ludwig Uhlig, Georg Forster. Lebensabenteuer eines gelehrten Weltbürgers. Göttingen 2004.
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