Während mitten durch Deutschland Mauer und Stacheldraht verliefen, erlebten Ost- und Westdeutsche fernab der Heimat gelegentlich gemeinsam eine eigenartige Urlaubsidylle. Unter der kritischen Beobachtung des Staatssicherheitsdienstes verbrachten tausende DDR-Bürger die Sommer des Kalten Krieges am ungarischen Balaton (Plattensee) Seite an Seite mit dem „Klassenfeind“. Im Schatten des Eisernen Vorhanges wurde Ungarn zum Ort der Begegnung und des Wiedersehens zwischen Familien, Verwandten und Freunden. Für ein paar Wochen war hier alljährlich gelebte Einheit möglich. Die von dem Collegium Hungaricum Berlin konzipierte und von den Medienkünstlern Gusztáv Hámos und Péter Forgács eingerichtete Ausstellung „Deutsche Einheit am Balaton. Eine europäische Geschichte“ war bereits 2009 anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Mauerfalls in Berlin zu sehen und präsentiert sich nun vom 8. Mai an in größeren Räumlichkeiten im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund. Verschiedene Themenräume zeigen Zeitzeugenberichte sowie Fotos und Filme, meist aus privaten Sammlungen; sie stellen einmalige Quellen dieses bewegenden Abschnitts deutscher Geschichte dar. Für die Ausstellung wertete das Collegium darüber hinaus umfangreiches Fernsehmaterial sowie Akten ostdeutscher und ungarischer Geheimdienste aus.
Die Ausstellung ist ein Beitrag der 40. Dortmunder Kulturtage im Rahmen des Festivals „scene: Ungarn in NRW“, bei dem sich zeitgenössische Künstler aus Ungarn präsentieren.





