Obwohl der bis heute verwendete Lichttonfilm – bei dem der Ton fotografisch neben dem Bild auf dem Filmstreifen festgehalten wird – schon Anfang der 1920er Jahre ebenfalls von einem Trio unter dem Namen „Tri-Ergon“ (also „Das Werk der Drei“) entwickelt worden war, zögerte die hiesige Film- und Elektroindustrie mit der Einführung der neuen Technik. 1927 kam dann in den USA der Nadeltonfilm auf den Markt und sorgte weltweit für Furore. Hierbei wird der Ton separat auf Schallplatten abgespielt.
Als sich die Ufa 1929 nach einer USA-Reise des Vorstands endlich entschied, auf Tonfilm umzustellen, entwickelte dies eine Sogwirkung, die die gesamte Filmproduktion in Deutschland mitriss und dafür sorgte, dass schon 1931 der Stummfilm weitestgehend Geschichte geworden war. Die Frage war nun, wie man die internationale Verbreitung sichern sollte, da die Zuschauer in den Anfängen der Tonfilmzeit weder Untertitelung noch Synchronisation – obwohl technisch durchaus möglich – akzeptieren wollten. Wie bei Medienwechseln durchaus üblich, war man äußerst sensibel gegenüber als Betrug empfundenen Manipulationen wie im Fall der Synchronisation dem Austausch von Stimmen und der damit einhergehenden Veränderung der Dialogtexte.
Die Antwort auf diese Problematik waren Sprachversionen: Ein Film wurde – meistens Szene für Szene – auf demselben Set in mehreren Sprachen gedreht. Entweder man tauschte dafür jeweils alle Schauspieler aus, oder man bediente sich solcher, die meh-rere Sprachen beherrschten. Dies garantierte – im Gegensatz zur Synchronisation – nicht nur die Einheit von Körper und Stimme, sondern erlaubte zudem größere Eingriffsmöglichkeiten bei der Adaptation des Ausgangsstoffes für die jeweiligen Zielländer. Man darf nicht vergessen, dass die Unterschiede in Geschmack und Gewohnheiten damals wesentlich größer waren als heute.
Auf der Ebene der Sprache betrafen solche Änderungen neben den Dialogen und Liedtexten auch die Figurennamen und die Filmtitel. Der Handlungsort blieb im Fall markanter Aufnahmen (internationale Schauplätze) oder historischer Sujets erhalten. Gravierend waren die Unterschiede in der „Stimmung“, die sich vor allem durch die unterschiedliche Rollenbesetzung ergaben. Tatsächlich heben sich die französischen Versionen durch eine größere Leichtigkeit und die englischen durch eine akzentuiertere Komik von den deutschen Filmen ab.
Es wurde auch an der kulturspezifischen Ausgestaltung der Filme gefeilt, was manchmal zu eher klischeehaften Auswüchsen führte, wenn etwa in den Versionen von „Ich bei Tag und Du bei Nacht“ (1932, Ludwig Berger) die deutsche Figur des Filmvorführers eine Stulle und Tee aus der Thermoskanne zu sich nimmt, die französische dagegen Rotwein trinkt und die englische eine Art Hot Dog verzehrt.





