Die Zeit direkt nach dem Krieg ist durch Zäsuren und Brüche, aber auch durch Kontinuitäten gekennzeichnet. Entnazifizierung und Re-education wollten in einer Zeit des moralischen Zusammenbruchs und der Orientierungslosigkeit Nazi-Verbrechen sühnen und zugleich ein neues, demokratisches Wertesystem aufbauen. In der Praxis jedoch blieben in Amtsstuben, auf Chefsesseln und am Katheder viele problematische personelle Kontinuitäten bestehen.
Mit starken Ungleichzeitigkeiten in der Entwicklung, aber als „dynamisch“ charakterisieren die Autoren die Zeit zwischen 1957 und 1965 (nicht erst die seit 1968, wie dies sonst oft geschieht). Individualisierung und sexuelle Revolution kennzeichen die Jahre zwischen 1966 und 1973, der Aufstieg der Massenkultur ebenso wie die Suche nach Authentizität die zwischen 1974 und 1982. Postmoderne, die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit (Historikerstreit) und die mediale Revolution sind Schlagworte, die sich mit 1983 bis 1990 verbinden lassen, während der Spagat zwischen deutscher Einheit und Globalisierung die Zeit bis heute prägt.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





