Ludwig der Bayer hat viele politische Feinde
Der Verfasser dieses Forschungsberichts will die deutschen Urkunden Ludwigs des Bayern nun genauer erforschen. Die etwa 3400 aus der Kanzlei Ludwigs des Bayern überlieferten Urkunden bilden eine Art kaiserliches Nachrichtenwesen des Mittelalters ab. Sie tragen schwere Thronsiegel oder geprägte Siegel aus tiefrotem Wachs. Diese sollten die Echtheit der Dokumente beglaubigen. Die kleineren Siegel waren für Alltagsgeschäfte gedacht, die großen für die staatstragenden Aufgaben des Kaisers.
Ludwig der Bayer, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, hatte viele politische Feinde; neben den Habsburgern vor allem die päpstliche Kurie in Avignon. Diese startete einen Propagandakrieg gegen den (seit 1314) König und (seit 1328) Kaiser Ludwig IV. Den Beinamen „der Bayer“ oder „Bavarus“ erhielt er vom päpstlichen Hof, denn die Klangähnlichkeit mit „Barbarus“ (Barbar) war beabsichtigt und sollte die Provinzialität Ludwigs betonen.
Dass aber aus dem Schmähwort „Bavarus“ im Lauf der Zeit ein Ehrentitel werden konnte, hing nicht zuletzt mit den kommunikativen Fähigkeiten Ludwigs und seiner Kanzlei zusammen. Denn diese Kanzlei stellte im Zuge des Ausbaus der kaiserlichen Landesherrschaft Urkunden und Privilegien vornehmlich in der Sprache aus, die von den Empfängern auch verstanden wurde, also auf Deutsch, nicht auf Latein. Ludwig hat mit dieser zielgruppengerechten Sprachverwendung Maßstäbe gesetzt. Er setzte die Sprache als Mittel ein, um sich loyale Unterstützer zu verschaffen. Ludwigs Urkunden beförderten damit aber auch, sozusagen als Nebenprodukt, wichtige Schritte zur Entwicklung des Hochdeutschen.
Ludwig IV. wählte deshalb die Volkssprache statt Latein, weil er wollte, dass ihn die verstehen, die ihn finanzierten und seine Söldnerheere ausrüsteten. Der Wittelsbacher war nämlich in permanenten Geldnöten, weil er sich nicht nur mit den rivalisierenden Dynastien der Habsburger (und später Luxemburger) anlegte und im europäischen Rahmen am Vorabend des Hundertjährigen Krieges das Bündnis mit England gegen Frankreich suchte, sondern auch im Konflikt mit dem Papsttum stand.
Die Päpste, welche nicht mehr in Rom, sondern in Avignon regierten, hatten selbst ein florierendes fiskalisches System etabliert. Dieses sah für das Ausstellen von Urkunden erhebliche Gebühren vor und ließ so die Kasse der päpstlichen Kurie klingeln.
Ludwigs Geldgeber in den deutschen Städten verstanden freilich nur wenig Latein. Dafür waren aber die reichen Kaufleute und Finanziers in den deutschen Reichsstädten über Privilegien in deutscher Sprache erfreut. Genauso, wie Jakob Fugger der Reiche die Königswahl des Habsburgers Karl V. finanzierte, waren es schon unter Ludwig dem Bayern Finanzmagnaten, welche unentbehrliche Stützen der Königsherrschaft darstellten. Zu Ludwigs Kreditgebern zählten etwa Konrad Groß in Nürnberg, dessen bedeutende Spitalstiftung bis heute besteht, oder Jakob Knoblauch der Reiche in Frankfurt.





