Mit „Deutschlands Wiederkehr“ hat Bender „eine ungeteilte Nachkriegsgeschichte“ vorgelegt, die die Entwicklung der Bundesrepublik und der DDR bis 1989 nicht nebeneinander behandelt, sondern als die Geschichte zweier Staaten einer Nation gemeinsam in den Blick nimmt. Bender erzählt eine Nachkriegsgeschichte Deutschlands, die sich gleichermaßen durch ihre Unterschiede und Gegensätze wie durch ihre Parallelen und Ähnlichkeiten auszeichnete.
Beide Staaten und deren Politiker hatten den Vorgaben ihrer Besatzungsmächte zu folgen, die im Kalten Krieg zu Schutzmächten wurden. Beide Staaten kämpften mit dem Misstrauen ihrer Nachbarn, verschafften sich mit wirtschaftlichen Erfolgen Respekt und zunehmendes Gewicht. Als Frontstaaten wollten sie Vorkämpfer ihrer Allianz und damit unentbehrlich sein. Beide Staaten haderten zunächst mit der Entspannungspolitik, die sie bald zu schätzen lernten. Die durch Mauer und Stacheldraht getrennten Gesellschaften entfremdeten sich – und dennoch kamen die Deutschen in Ost und West nicht voneinander los.
Peter Bender schreibt sowohl als Historiker als auch als Zeitzeuge und beweist eindrucksvoll, dass beide keineswegs in Konfrontation zueinander stehen müssen. Denn es ist die Summe seiner profunden Kenntnis der Forschungsliteratur (über die Bender im Anhang einen klugen Überblick gibt) und seiner über die Jahrzehnte gesammelten persönlichen Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse und Gespräche in beiden deutschen Staaten, die dem von ihm gezeichneten Bild der deutschen Nachkriegsgeschichte seine besonderen Konturen verleihen.
Peter Bender bezieht Posi-tion, schreibt ohne erhobenen Zeigefinger und den Gestus, schon immer auf der richtigen Seite gestanden und recht gehabt zu haben. Seine Analyse der friedlichen Revolution des Jahres 1989 und ihrer Folgen könnte prägnanter und bewegender kaum formuliert sein. Wer knapp zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung einen Eindruck davon erlangen möchte, wie die gesamtdeutsche Nachkriegsgeschichte erzählt werden sollte, um die Reste der Mauer in unseren Köpfen einzureißen, dem sei Benders gelungenes und exzellent geschriebenes Buch wärmstens empfohlen.
Rezension: Mählert, Ulrich





