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Die alte Ordnung versinkt im Chaos
Während auf den Straßen Roms chaotische Zustände herrschten, wurden die Mitglieder des ersten Triumvirats – Cäsar, Pompeius und Crassus – immer mächtiger. Und je energischer ihre Gegner sie in die Schranken weisen wollten, desto näher rückte das Ende der Republik.
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Als Gnaeus Pompeius Magnus am 28. September 48 v. Chr. östlich von Alexandria ermordet wurde, war sein Verfolger Gaius Julius Caesar das einzige Mitglied des ersten Triumvirats, das noch am Leben war. Vieles hatte sich seit der Gründung des Triumvirats geändert. Die Senatoren, die Pompeius und Cäsar damals unfreiwillig dazu getrieben hatten, sich zusammenzuschließen, bereiteten nun in Nordafrika ihr letztes Gefecht vor.
Zwölf Jahre zuvor, im Jahr 59 v. Chr., hatte sich der vom römischen Senat enttäuschte Pompeius mit Caesar und Marcus Licinius Crassus zusammengetan, um am Senat vorbei Politik machen zu können. Die Gegnerschaft zu den Optimaten verband sie. Diese hatten verhindert, dass sich Cäsar in Abwesenheit zum Konsul wählen lassen konnte. So musste er auf den Triumphzug verzichten, mit dem er seine militärischen Erfolge in Spanien hatte feiern wollen.
Der reiche Crassus hatte zwar zu den Senatoren gezählt, die Pompeius die Versorgung seiner entlassenen Soldaten verwehrt hatten, doch nun ließ er sich auf ein Bündnis mit ihm und Caesar ein. Als erstes machten sich die Triumvirn daran, den Veteranen des Pompeius das versprochene Land zukommen zu lassen.
Die Triumvirn sichern sich den Zugriff auf die reichsten Provinzen
Caesar griff dabei hart durch. Als Marcus Porcius Cato (95– 46 v. Chr.) im Senat zu einer Dauerrede ansetzen wollte, ließ er ihn verhaften. Und als die Mehrheit der Senatoren Cato aus dem Saal folgte, erklärte Caesar, statt des Senats nun die Volksversammlung mit der Ratifizierung des Gesetzes zu betrauen.
So kam es. Die Versammlung wurde einberufen. Protestierende Optimaten bekamen sofort die Fäuste von Pompeius’ Veteranen zu spüren. Marcus Calpurnius Bibulus (103– 48 v. Chr.), Caesars Kollege im Amt des Konsuls, versuchte noch, die Sitzung mit Berufung auf angebliche böse Omen zu verhindern. Nachdem er mit Mist beworfen worden war, bezog auch er Prügel und wurde gemeinsam mit den Senatoren davongejagt.
Damit waren die Weichen gestellt. Rom war vorgeführt worden, wie die Triumvirn von nun an Politik machen wollten. Viele Senatoren blieben den Senatssitzungen aus Protest fern. Caesar kümmerte sich nicht darum. Als nächstes versorgte er sich selbst mit Provinzen. Mit den erprobten Mitteln ließ er sich die Statthalterschaft für die Provinzen Gallia cisalpina und Illyricum übertragen. Und als der Prokonsul der Gallia transalpina plötzlich starb, sorgte Pompeius dafür, dass Caesar auch diese Provinz erhielt.
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Damit hatte Caesar nicht nur die Möglichkeit gewonnen, gegen die Gallier oder den dakischen König Burebista Krieg zu führen; er verfügte nun auch über eine Basis in Italien, von der aus er schnell nach Rom marschieren konnte. Der Krieg gegen die Gallier begann schon 58 v. Chr.
Unterdessen erwuchs den Triumvirn in dem Volkstribun Publius Claudius Pulcher (um 92–52 v. Chr.) ein zunehmend mächtiger Widersacher. Zwar hatte dieser ihnen seine Position zu verdanken, doch jetzt wandte er sich gegen sie. Um die Stadtbevölkerung enger an sich zu binden, schmiedete er große Pläne. Dass er sich offen gegen seine früheren Gönner wandte, verschaffte ihm Sympathien im Senat. Die Optimaten schöpften Hoffnung. So groß war der Wunsch, den eisernen Griff der Triumvirn abzuschütteln, dass die Senatoren sogar tatenlos zusahen, als der Volkstribun den ihm verhassten Cicero ins Exil trieb.
Auf Roms Straßen regiert die Gewalt
Als nächstes schoss sich Claudius Pulcher, der sich nun volkstümlich Clodius nannte, auf Pompeius ein. Seine Schlägertrupps waren überall in Rom unterwegs und beherrschten die Volksversammlung mit ihren Sprechchören. Am Senat vorbeizuregieren, war somit nicht mehr ohne weiteres möglich.
Clodius’ Gegner, die Volkstribune Titus Annius Milo und Publius Sestius, stellten nun ihre eigenen Trupps auf. Auf den Straßen Roms kam es in der Folge zu brutalen Schlachten. Erst als ein gewisses Kräftegleichgewicht hergestellt war, gelang es Ciceros Verbündeten mit maßgeblicher Hilfe des Pompeius, ihrem exilierten Favoriten die Rückkehr nach Rom zu ermöglichen.
Clodius schäumte. Die Kämpfe auf den Straßen wurden immer erbitterter. Während Pompeius nun gezielt den Getreidepreis in die Höhe trieb, um es Clodius unmöglich zu machen, der Stadtbevölkerung das versprochene kostenlose Getreide zu bieten, fachte auch Crassus im Verborgenen die Stimmung gegen Pompeius an. Das Triumvirat drohte zu zerbrechen.
Als es Clodius gelang, sich zum Ädil wählen zu lassen und seinen Widersacher Milo vor Gericht zu bringen, zeigte sich, wie sehr die politische Mobilisierung der Stadtbevölkerung selbst den Mächtigen bereits über den Kopf gewachsen war. Pompeius und Clodius wurden beim Prozessauftakt gleichermaßen niedergebrüllt. Sprechchöre übertönten alles. Dann fielen die verfeindeten Lager wieder übereinander her und lieferten sich eine weitere Straßenschlacht.
Um zu gewährleisten, dass weiterhin alle Mitglieder des Triumvirats ihre Interessen gewahrt sahen, traf Caesar nun Crassus in Ravenna und Pompeius in Luca. Bei diesen Konferenzen wurde die Politik der nächsten Jahre festgelegt. Entsprechend groß war das Interesse unter den Mächtigen Roms. 120 Senatoren und eine unüberschaubare Zahl von Amtsträgern reiste an. Es wurde beschlossen, dass Crassus und Pompeius im folgenden Jahr gemeinsam das Konsulat übernehmen sollten. Caesar konnte im Gegenzug sein Imperium, seinen Oberbefehl, um fünf Jahre verlängern.
Die Wahlen des Jahres 55 v. Chr. waren erneut von Gewalt und Straßenkämpfen geprägt. Crassus selbst verletzte einen Senator schwer. Als alles vorbei war, hatte man Pompeius und Crassus zu Konsuln gewählt. Pompeius erhielt die Iberische Halbinsel zur Verwaltung, schickte aber seine Legaten Lucius Afranius und Marcus Petreius an seiner statt dorthin. Er selbst wollte Rom nicht den Rücken kehren.
Crassus dagegen hegte den Wunsch, es Caesar gleichzutun. Er hatte Syrien zugesprochen bekommen und rüstete nun zum Krieg gegen das benachbarte Partherreich. Wie Caesar und Pompeius vor ihm wollte er loyale Soldaten um sich scharen.
So sollte es nicht kommen. Crassus’ Legionen gingen 53 v. Chr. bei Karrhai (im Südosten der heutigen Türkei) im Pfeilhagel der Parther unter. Er selbst starb.
Pompeius und Caesar ringen um die Macht
Unterdessen versank auch Rom wieder in Gewalt. Es war so schlimm geworden, dass Wahlen nicht mehr stattfinden konnten. Einige Senatoren sahen Pompeius schon nach der Alleinherrschaft greifen. Bei einer Schlacht zwischen den Truppen Milos und Clodius’ kam Letzterer zu Tode. Seine Leiche wurde von seinen Anhängern auf dem Forum Romanum aufgebahrt. Die Bänke der Senatskurie dienten als Feuerholz. Der Scheiterhaufen brannte so hoch, dass die Flammen auf die damalige Curia, den Versammlungsort des Senats, übergriffen und sie vollständig zerstörten.
Ein weiteres Treffen zwischen Pompeius und Caesar in Ravenna sollte klären, wie es nach dem Tod des Crassus weitergehen sollte. Zwischen den beiden Feldherrn tat sich ein breiter werdender Graben auf, besonders nach dem Tod Julias, der Tochter Caesars und Ehefrau des Pompeius.
Zuerst hatte Caesar vorgehabt, sich gemeinsam mit Pompeius zum Konsul wählen zu lassen. Aber dann brach 52 v. Chr. hinter seinem Rücken im vermeintlich befriedeten Gallien der große Aufstand unter der Führung von Vercingetorix aus. Die neue Lösung bestand darin, dass Pompeius den Konsulat allein erhalten sollte. Das hatte es noch nie gegeben. Als Ausgleich sollte es Caesar nach beendetem Feldzug erlaubt sein, sich in Abwesenheit zum Konsul wählen zu lassen. So könnte er sich ins nächste Amt retten, ohne vorher sein Heer abgeben und sich dem Senat wehrlos ausliefern zu müssen.
Während Caesar über die verschneiten Alpen eilte, um zu seinen Soldaten zu gelangen, war Pompeius am Ziel. Als zweifellos mächtigster Mann der Republik ging er daran, auf Roms Straßen Ordnung zu schaffen.
Der Bruch zwischen Caesar und Pompeius war auf kurz oder lang wohl unvermeidlich. Pompeius, der ihn lange vermieden hatte, war es, der ihn letztlich vollzog. In der Frage, wann Caesar seine Provinzen und Legionen würde abgeben müssen, stellte er sich im September 51 v. Chr. auf die Seite der Optimaten: Als Termin wurde der 1. März des Jahres 50 v. Chr. festgelegt.
Doch Caesar fügte sich nicht. Stattdessen leisteten seine Verbündeten in Rom erbitterten Widerstand – insbesondere der Volkstribun Gaius Scribonius Curio (90 – 49 v. Chr.), den Caesar mit Kriegsbeute auf seine Seite gezogen hatte. Curio war es auch, der den Kompromiss präsentierte, Caesar und Pompeius sollten ihre Legionen gleichzeitig abgeben.
Vielen Senatoren gefiel der Vorschlag. Bei der Abstimmung sprach sich der Senat mit 370 zu 22 Stimmen für ihn aus. Die Eskalation war aber nicht mehr aufzuhalten. Der Konsul Gaius Claudius Marcellus aus dem Lager der Optimaten brach die Senatssitzung vor der Ratifizierung ab. Man hatte Gerüchte gestreut, Caesar sei bereits mit zehn Legionen im Anmarsch.
Pompeius wurde nun beauftragt, Rom zu verteidigen. Bis zuletzt versuchten Caesars Gefolgsleute in Rom alles, um den Waffengang zu verhindern. Es gelang sogar, Pompeius zum Einlenken zu bewegen. Doch das half alles nichts mehr. Der harte Kern der Optimaten um Cato sorgte dafür, dass Caesar die Möglichkeit einer Kandidatur in Abwesenheit verwehrt wurde. Caesars Volkstribune wurden bedroht und flohen aus Rom.
Nun ließ Caesar tatsächlich marschieren. Mit fünf Kohorten überschritt er den Fluss Rubikon, die Grenze ins italische Kernland des Reichs, und zitierte den griechischen Dichter Menander mit den Worten „Hoch fliege der Würfel!“ Er ging aufs Ganze.
So wie die Dinge lagen, schien Pompeius langfristig im Vorteil zu sein. Seine Truppen in Spanien und im Osten waren Caesars Legionen zahlenmäßig überlegen. In Italien ließ sich der Widerstand dagegen nicht schnell genug organisieren. Caesars Stärke war die schnelle Kriegsführung. Seine Truppen nahmen Italien praktisch ohne Gegenwehr ein. Die Senatoren flohen.
Caesar siegt – und nimmt den Königstitel in den Blick
Wo er Feinde in seine Gewalt brachte, zeichnete Caesar sich durch Milde aus. Diese sogenannte Clementia Caesaris gelangte nicht zuletzt deswegen zu Berühmtheit, weil er sie bewusst einsetzte, um dem Widerstand den Schwung zu nehmen. Mit dieser Strategie hatte Caesar Erfolg.
Und auch militärisch lief lange alles wie geplant. Nachdem er Italien gesichert hatte, setzte er nach Spanien über, wo er die Legaten des Pompeius so geschickt ausmanövrierte, dass sie sich kampflos ergeben mussten. Anschließend folgte er Pompeius und den Optimaten nach Griechenland.
Pompeius war nicht untätig geblieben. Im ganzen Osten hatten sich Legionen in Bewegung gesetzt. Die Zeit arbeitete gegen Caesar, und als sich die Heere begegneten, stand es nicht gut für ihn. Caesar musste schließlich den Rückzug anordnen.
Pompeius konnte zufrieden sein. Eigentlich musste er nur abwarten. Denn je mehr Zeit verstrich, desto größer würde seine Übermacht werden. Die Optimaten drängten Pompeius jedoch zum sofortigen Angriff. Und schließlich gab er nach. Das Ergebnis war eine vollständige Niederlage der Senatsarmee bei Pharsalos in Thessalien (im heutigen Griechenland).
Die Verlierer flohen nach Nordafrika. Pompeius wurde in Ägypten ermordet, während Cato und die anderen Senatoren die Provinz Africa zu ihrer neuen Basis aufbauten. Noch immer waren sie Caesar zahlenmäßig überlegen. Bei Thapsus (im heutigen Tunesien) erlitten sie jedoch im Frühjahr 46 v. Chr. eine weitere Niederlage. Viele Senatoren wurden noch auf dem Schlachtfeld getötet. Cato nahm sich das Leben. Eigentlich war der Bürgerkrieg hier bereits zu Ende.
Zurück in Rom, ließ sich Caesar zum Dictator für eine Dauer von zehn Jahren ernennen. Mit einem Triumphzug feierte er seine Siege, nur um im November 46 v. Chr. zu einer weiteren Schlacht aufzubrechen. Den Söhnen des Pompeius begegnete er bei Munda in Spanien mit einer unerfahrenen Armee, kam in arge Bedrängnis und musste zuletzt nicht zum ersten Mal um sein Leben kämpfen. Doch erneut siegte er. Der Widerstand war damit gänzlich zerschlagen.
In der römischen Oberschicht erwarteten tatsächlich viele, Caesar werde nach dem gewonnenen Bürgerkrieg seine Machtbefugnisse wieder abgeben. Aber Caesar dachte gar nicht daran. Zwar erhöhte er die Zahl der Senatoren auf 900 und verdoppelte die Zahl der Quästoren und Prätoren, doch diese Ämterinflation unterstrich nur seine Geringschätzung für die alten Institutionen. Sie bedeuteten nichts mehr. Alle Macht im Staat ging von ihm und seiner Kanzlei aus. Sein Blick richtete sich auf den Königstitel. Und mit der Planung eines großen Feldzuges gegen die Parther wandelte er bereits auf den Spuren Alexanders des Großen.
Wer Herrschaft ausüben wollte, konnte dies nur als Werkzeug Caesars und von seinen Gnaden tun. Das hieß für viele: Der Weg zu Höherem war ihnen nun durch den Dictator versperrt. So entstand der Plan, Caesar zu töten.
Drei Tage bevor er seinen Feldzug gegen die Parther beginnen wollte, am 15. März 44 v. Chr., wurde Caesar im Sitzungssaal des Senats durch 23 Stiche getötet. Die Attentäter erklärten, sie hätten Rom befreit. In der Bevölkerung überwogen Trauer und Entsetzen. Für viele war Caesar nicht Tyrann, sondern Gönner und Patron gewesen.
Der Schwung ging den Attentätern verloren, kaum dass ihnen der Sturz des Dictators geglückt war. Ihr größtes Problem: Keiner in ihren Reihen verfügte über genug Erfahrung und Prestige, um das entstehende Machtvakuum zu füllen. Caesars Gefolgsleute hatten jedoch das gleiche Problem. Im Schatten Caesars hatte es keiner von ihnen zu besonderer Popularität gebracht.
Schnell kam ein Kompromiss zustande, der allerdings beide Seiten schlecht aussehen ließ: Die Attentäter sollten keine Konsequenzen fürchten müssen; dafür blieben alle Gesetze Caesars in Kraft. Somit gaben die Attentäter die Wiederbelebung der Republik auf und die Caesarianer die Rache für ihren ermordeten Anführer.
Marcus Antonius (86, 83 oder 82– 30 v. Chr.) versuchte, in Caesars Fußstapfen zu treten, was dadurch erschwert wurde, dass Caesars Adoptivsohn Oktavian (63 – 14 v. Chr.) ebenfalls Ansprüche geltend machte. Wieder standen die Zeichen auf Krieg. In Oktavian meinten die Republikaner einen Weg zur Restauration ihrer Macht gefunden zu haben. Gemeinsam mit ihm gingen sie gegen Marcus Antonius vor und besiegten ihn bei Mutina (dem heutigen Modena).
Schon wähnten sich die alten Feinde Caesars am Ziel. Die Ansprüche des Oktavian auf das Konsulat wischten sie beiseite – und besiegelten damit ein für alle Mal ihr Ende. Oktavian marschierte in Rom ein, ächtete die Caesarmörder und suchte das Bündnis mit dem geschlagenen Antonius. Gemeinsam mit Antonius’ Gefolgsmann Marcus Aemilius Lepidus bildeten sie das Zweite Triumvirat.
Wie schon zu Sullas Zeiten wurde nun gemeinsam eine Proskriptionsliste erstellt. Jeder der drei Männer konnte auf ihr alle seine politischen Gegner für vogelfrei erklären. In Rom folgte 43 v. Chr. ein Blutbad. 300 Senatoren und 2000 Ritter wurden ermordet, darunter auch Cicero. Der Senat war mit Waffengewalt ausgelöscht worden. Von der Republik war nichts mehr übrig. Oktavian, der sich schließlich Augustus nennen sollte, begründete das römische Kaiserreich.
Autor: Dr. David Neuhäuser
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