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Die Aufzeichnungen eines Verlierers
Fürst Christian II. von Anhalt-Bernburg ist als Person nicht wirklich bedeutend in die Geschichte eingegangen, doch seine Tagebücher aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs sind für Historiker sehr wertvoll.
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Wer für das späte 16. und frühe 17. Jahrhundert umfangreiche Selbstzeugnisse, etwa Memoiren oder Diarien, von deutschen Adligen sucht, wird nicht sehr viele finden, jedenfalls weit weniger entsprechende Quellen, als sie uns zum Beispiel für Frankreich zur Verfügung stehen.
Das Bildungsniveau des höheren deutschen Adels und dessen Neigung, über das eigene Leben Rechenschaft abzulegen, mögen geringer gewesen sein als in Frankreich, aber andere Faktoren spielen auch eine Rolle. In der deutschen Geschichtswissenschaft bestand in der Vergangenheit kein gleich großes Interesse wie in Frankreich, solche Quellen zu edieren.
So lässt es sich erklären, dass die Tagebücher Christians II. von Anhalt (1599–1656), die im Landesarchiv Dessau liegen, lange den Blicken der Öffentlichkeit entzogen blieben. Erst 2013 begann ein Team von Wissenschaftlern an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und an der Universität Freiburg mit der Publikation der sehr umfangreichen Diarien (23 Bände mit über 17 000 Seiten für den Zeitraum 1621 bis 1656). Sie sind jetzt in digitaler Form zugänglich (siehe Literatur).
Als Quelle für den Alltag des Dreißigjährigen Kriegs, aber auch für die politische und emotionale Auseinandersetzung mit dem Kriegsgeschehen sind die Tagebücher allein durch ihren Umfang fast konkurrenzlos. Aber darin erschöpft sich ihr Wert nicht. Weil ihr Autor einem alten reichsfürstlichen Geschlecht, das im Mittelalter sogar Kurfürsten stellte, entstammte, besaß er weitgehend freien Zugang zu den wichtigsten Höfen der Epoche: zum Kaiserhof in Wien ebenso wie zum kursächsischen Hof in Dresden oder zur Residenz des oranischen Statthalters in Den Haag.
Ein Gesprächspartner der Mächtigen seiner Zeit
Zwar war der reale politischer Einfluss des Adligen begrenzt – dafür war sein mitteldeutsches Fürstentum viel zu klein –, aber wichtige Entscheidungsträger sahen ihn dennoch als sozial ebenbürtigen Gesprächspartner an. Von daher sind die Tagebücher eine wichtige Quelle für das Zeitgeschehen und das politische und religiöse Klima der Epoche, aber sie besitzen zugleich einen durchaus intimen Charakter.
Christian II. war der Sohn des Mannes, der bis 1620 weitgehend die kurpfälzische Politik geleitet hatte und seinerzeit über beste Verbindungen zu König Heinrich IV. von Frankreich, aber auch zu anderen Höfen verfügte: Christian I. (reg. 1603–1630). Bekannt wurde er als Anführer der Truppen des pfälzischen „Winterkönigs“ Friedrich I. von Böhmen in der Schlacht am Weißen Berg am 8. November 1620. Sein 21-jähriger Sohn Christian wurde dabei als Regimentskommandant Zeuge der dramatischen Niederlage seines Vaters gegen die kaiserliche Armee.
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Christian II. litt zeit seines Lebens an Versagensängsten und wohl auch an einem Vaterkomplex. Seinem Tagebuch vertraute er seine Ängste und Hoffnungen an, schrieb aber auch seitenweise seine zum Teil recht bizarren Träume nieder.
Nicht selten waren dies Albträume. In einem Fall glaubte Christian, sich am Hofe des Sultans in Konstantinopel aufzuhalten. Dieser wollte ihn überreden, in seinen Dienst zu treten oder sich mit ihm zu verbünden, wie es reformierte Protestanten aus Ungarn und Siebenbürgen auch getan hätten. Christian berichtet, er sei schweißgebadet aufgewacht, da er auch im Traum seinen Glauben nicht verraten habe wollen, aber Angst hatte, der Sultan werde ihn vergiften lassen, wenn er Nein sage.
Das Religiöse und das Konfessionelle nehmen in den Aufzeichnungen ohnehin einen breiten Raum ein. Christian II. sah den Protestantismus und noch mehr den reformierten Glauben, zu dem er sich selbst bekannte, während des Kriegs durch die kaiserliche Politik zunehmend bedroht. Das Evangelium mit der Waffe in der Hand zu verteidigen, lehnte er dennoch – von seiner Beteiligung am bereits erwähnten Böhmischen Aufstand 1619/20 abgesehen – durchgehend ab.
Konfrontiert mit der Forderung, sich im Herbst 1631 – seit dem Tod seines Vaters 1630 war Christian II. regierender Fürst – nach den ersten großen schwedischen Siegen einem Bündnis mit den Schweden anzuschließen, wie es seine Onkel und Vettern taten, sträubte er sich bis zur letzten Minute, wenn auch erfolglos. Seine Maxime war „Evangelium non tollit politias“: „Das Evangelium hebt die irdischen Ordnungen nicht auf.“ Deshalb fühlte er sich dem Kaiser gegenüber auch weiter zum Gehorsam verpflichtet, trotz des Angriffs auf die Hoheitsrechte und den Besitz protestantischer Reichsfürsten, wie er im Restitutionsedikt von 1629 kulminierte.
Bei Christians Zögern, sich mit den Schweden zu verbünden, spielte auch seine Reaktion auf das aus seiner Sicht anmaßende Auftreten Gustav II. Adolfs (reg. 1611–1632), des schwedischen Königs, eine Rolle. Noch stärker war freilich seine Abneigung gegen den schwedischen Kanzler Axel Oxenstierna (1583–1654), der nach dem Tod des Königs die schwedische Politik leitete.
Sich ihm zu unterwerfen, das wäre für einen Reichsfürsten eine Selbsterniedrigung, notierte er 1632 nach der Schlacht bei Lützen: Es werde ihm und anderen „als freyen Reichsfürsten übel anstehen, ja schimpflich sein …, unsere Freyheit schwedischen Mancipiis [Dienern] undt Ausländern zu unterwerfen, oder den Nahmen zu haben, solcher geringen Leüte Tributarii [Tributpflichtige] zu sein.“ So dachten natürlich auch andere protestantische Fürsten, man denke an den Kurfürsten von Sachsen, Johann Georg I. (reg. 1611–1656), aber Christians Kaisertreue ging doch deutlich weiter als bei vielen Standesgenossen.
Ein Mundschenk Ferdinands III.
Er hielt sich oft am Kaiserhof auf, erhielt 1629 den goldenen Kammerherrenschlüssel und legte auch Wert darauf, nach dem Tode seines Vaters seine Lehen persönlich vom Kaiser zu empfangen; eine symbolträchtige Inszenierung, die zu dieser Zeit schon eher ungewöhnlich geworden war. Auch nahm er an den Feierlichkeiten anlässlich der Krönung Ferdinands III. zum römischen König in Regensburg im Jahr 1636 teil und amtierte beim Krönungsbankett sogar als Mundschenk.
Allerdings hatte er auch immer wieder Angst, in kaiserliche Ungnade zu fallen oder davor, in Gegenwart des Reichsoberhauptes eine schlechte Figur zu machen. So träumte er einmal davon, er kniee vor dem Kaiser, könne aber seine gefalteten Hände nicht mehr auseinanderbringen, als ob er einen Krampf habe, was der Kaiser mit Missvergnügen betrachtete: „Der Kayser, hette mißtrauisch gelächelt, undt gemeinet, ich stelte mich nur also krank ahn, alß wann ich contract [unter einem Krampf leidend] wehre.“ Das „hönische Außlachen“ seitens der kaiserlichen Kammerherren machte die Situation nicht besser.
Die ausgesprochene Nähe zu Kaiser Ferdinand II. (reg. 1619–1637), der ihn ja in seiner Jugend, nachdem er in der Schlacht am Weißen Berg 1620 in Gefangenschaft geraten war, begnadigt hatte, ließ immer wieder Gerüchte aufkeimen, Christian II. wolle zum Katholizismus konvertieren.
Katholische Gesprächspartner wie der einflussreiche kaiserliche Beichtvater Wilhelm Lamormaini warben auch um ihn und versuchten ihn im persönlichen Gespräch zu beruhigen, dass die Katholiken und die Jesuiten keineswegs die Ansicht verträten, man sei gegenüber Protestanten nicht an das gegebene Wort gebunden – wie man es ihnen oft vorwarf.
Aber Christian blieb standhaft und erwog eine Konversion nie ernsthaft. Es wäre daher auch falsch, in ihm wegen einer Abneigung gegen einen Religionskrieg ein Beispiel für jene konfessionelle Indifferenz zu sehen, die sich in bestimmten, etwa gelehrten Milieus im frühen 17. Jahrhundert in der Tat finden mochte.
Das zeigt auch sein spannungsreiches Verhältnis zu seiner Ehefrau, Eleonora Sophia von Schleswig-Holstein-Sonderburg (1603–1675), die einer Nebenlinie des dänischen Königshauses entstammte und selbst lutherisch war. Sie war allem Anschein nach eine selbstbewusste Frau, die Konflikten mit ihrem Mann nicht auswich und phasenweise ihre Eheschließung mit diesem nicht ganz ebenbürtigen Reichsfürsten, dessen militärische Karriere nach 1620 wohl auch zu ihrer Enttäuschung im Sande verlief, als großen Fehler betrachtete.
Bei dem Versuch, die Kinder durchweg lutherisch erziehen zu lassen, setzte sie sich freilich nicht durch. Zumindest die Söhne wurden im reformierten Glauben erzogen. Sie studierten später an der calvinistischen Universität Leiden in den Niederlanden und nicht im lutherischen Sorø an der dortigen Ritterakademie in Dänemark, wie die Mutter es gewünscht hatte. Die Töchter scheinen aber der Konfession der Mutter gefolgt zu sein, und eine von ihnen träumte – so wurde es Christian II. berichtet – sogar einmal, Gott habe ihren Vater durch einen Schlaganfall bestraft, weil er sich ihrem lutherischen Glauben entgegenstelle und ihr damit auch die Chance auf eine vorteilhafte Eheschließung nehme.
Ein Zeichen für ein harmonisches Familienleben waren solche Träume nicht gerade, ebenso wenig wie der Umstand, dass Christian II. in seinen Aufzeichnungen seine Gattin in späteren Jahren häufig wenig galant als „malherba“, als „Unkraut“, bezeichnete.
Die familiären Streitigkeiten gehörten während des Krieges allerdings eher zu den geringeren Sorgen Christians II. Immer mehr geriet das Fürstentum Anhalt in den Sog des Kriegsgeschehens. Durchziehende Truppen plünderten die Untertanen aus, die dann keine Abgaben mehr an den Landesherrn zahlen konnten.
Wenn sich Bauern und Bürger auf eigene Faust gegen die Marodeure wehrten und feindliche Soldaten gegebenenfalls auch mit ihrer mitziehenden Familie einschließlich der Kinder einfach umbrachten, wie es im Anhaltischen die sogenannten Harzschützen taten, missbilligte Christian das allerdings scharf. Das war in seinen eigenen Augen eine Form von Selbstjustiz, die die ohnehin schon erschütterte politische und soziale Ordnung endgültig unterminierte.
Schweden auf Schloss Bernburg
Für sein eigenes Land brachte auch der Prager Frieden von 1635, der die Konflikte zwischen dem Kaiser und der Mehrzahl der protestantischen Reichsstände offiziell beigelegt hatte, keine Erleichterung. Den kaisertreuen Truppen fiel es schwer, die schwedischen Garnisonen zu vertreiben. Eine dieser Garnisonen hatte sich 1636 auf Christians Schloss Bernburg einquartiert. Ihr Kommandant, ein Hauptmann Müller, weigerte sich hartnäckig zu kapitulieren, als sächsische Truppen die Übergabe des Schlosses im Namen des Kaisers verlangten, wohl auch aus Angst, wegen Feigheit anschließend vor ein schwedisches Kriegsgericht gestellt zu werden.
Die Sachsen nahmen das Schloss daraufhin im Sturm und plünderten es gründlich aus. Christian II. und seine Familie gerieten dabei selbst in Lebensgefahr. Besonders aggressiv verhielten sich unter den Soldaten ein Oberst William Gall de Burgo (um 1590– 1655), und sein Bruder, beides irische Söldner, die in diesen Jahren nicht selten in europäischen Armeen zu finden waren. Christian trug Gall, dem er später in der Umgebung des Kaisers noch einmal begegnete, seine Brutalität noch jahrelang nach, wie seine Aufzeichnungen zeigen.
Allerdings wäre Christian selbst gern Kommandeur eines eigenen Regimentes, wenn nicht gar einer ganzen Armee – als General – geworden. Er erwog sogar in den frühen 1630er Jahren, in polnische Dienste zu treten, um gegen die Moskowiter zu kämpfen, und reiste deshalb eigens nach Warschau.
Die berühmte polnische Adelsfreiheit erschien ihm freilich exzessiv. Über die polnischen Masuren urteilte er: „Wollen alle Schlachtitz [Angehörige des niederen Adels] oder Edelleüte sein, wann sie nur einen Sebel undt Pferdt haben. Achten wenig Geseze. Schätzen einen Todtschlag gar gering. Im Felde thun sie weniger Angriffe als in den Wirtzhaüsern, darinnen sie die besten Stellen haben wollen, undt leichtlich mit einem Krakeel anfangen, wann man ihnen nicht Platz machen … will“.
Die Pläne zerschlugen sich ohnehin, aber ganz gab Christian die Hoffnung auf eine Militärkarriere nicht auf. Als 1642 der Englische Bürgerkrieg ausbrach, erwog er ernsthaft, an den Kämpfen – auch in der Hoffnung auf den Hosenbandorden – teilzunehmen; er war sich jedoch nicht sicher, auf welcher Seite er fechten sollte.
Gegen einen Kampf für den König, zu dem er eigentlich neigte, sprach, dass womöglich das Parlament das Recht auf seiner Seite hatte, wie er notierte. Aber andererseits war Christians Gattin mit König Karl I. (reg. 1625–1649) entfernt verwandt, dessen Mutter Anna eine dänische Königstochter gewesen war. Mochte Christian 1642 noch gezweifelt haben, wo im Bürgerkrieg in England Recht und Unrecht lagen, so betrachtete er die Hinrichtung des Königs im Januar 1649 doch als einen enormen Frevel, als ein Sakrileg, und legte als reformierter Protestant Wert darauf, dass er mit den radikalen Puritanern und Sekten, die diese Hinrichtung betrieben hatten, nichts zu tun hatte.
Die Welt Christians II. verdüstert sich
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Christians Blick auf die Welt und sein Leben freilich schon stark verdüstert. Schwer trafen ihn Todesfälle in der Familie wie der seiner frommen Schwester Anna Sophia im September 1640 und der seines ältesten Sohnes Erdmann Gideon 1649. Er kommentierte den Tod seines Sohnes mit den Worten: „Du hettest können unß Eltern ein Stab undt Trost im Alter sein, du hettest können, die rechtglaübige Kirche, beschützen, forthpflantzen, undt vermehren, du hettest können helfen, viel Kinder Gottes, zusammenbringen! … Kinder, gehen ja recht von Hertzen, undt kommen wieder zu Hertzen!“
Seine Misserfolge und auch der Tod vieler seiner Kinder ließen Christian gegen Ende seines Lebens daran zweifeln, dass er zu den von Gott Auserwählten gehörte und im Besitz der göttlichen Gnade sei. Schon allein die „schrecklichen Streitigkeiten“ mit der eigenen Gattin („Dissidia horrenda“) seien diesbezüglich ein schlechtes Zeichen, aber auch der Umstand, dass seine Träume und andere göttliche Zeichen immer wieder versucht hätten, ihn auf den rechten Weg zu führen, er dies aber stets ignoriert habe: „Die gewaltigen incitamenta [Anreize], somnia Divina [göttlichen Träume], scheinbarliche oracula solitaria [einzigartigen Prophezeiungen], undt waß dem anhängig, so ich gewißlich gehabt, … so ich (nescio cur? [ich weiß nicht, warum?]) jämmerlich biß dato, verschertzt.“
Der lutherische Glauben hält wieder Einzug
Hinzu trat der Umstand, dass die Fürsten von Anhalt nicht gerade zu den Gewinnern des Westfälischen Friedens gehörten, anders etwa als der Kurfürst von Brandenburg oder die bayerischen Wittelsbacher. Christian tröstete sich nach dem Ende des Krieges zunächst noch damit, dass die Anhaltiner immerhin dem wahren reformierten Glauben treu geblieben waren und sich um das Evangelium verdient gemacht hatten. Darin sah er die eigentliche Berufung seines Hauses.
Doch auch diese Gewissheit wurde bald erschüttert, weil Johann VI. von Anhalt-Zerbst (reg. 1621–1667), der schon Anfang der 1640er Jahre damit begonnen hatte, in seinem Teilfürstentum das Luthertum als Glaubensbekenntnis wieder durchzusetzen, nach 1648 dort den Calvinismus ganz zu unterdrücken bemüht war. Selbst das „schreckliche“ lutherische Dogma von der impliziten Gegenwart Christi im Abendmahl, die sogenannte Ubiquitätslehre, greife nun in Anhalt-Zerbst wieder um sich, ohne dass man das verhindern könne, klagt Christian II. 1651. Ganz Anhalt drohe in die Dunkelheit des Papismus zurückzufallen.
Als Trost in all diesen Anfechtungen blieb ihm, dass er seine Ehre als Edelmann trotz aller Rückschläge immer erfolgreich verteidigt hatte, oder wie einer seiner Gesprächspartner am Kaiserhof, der Hofkriegsratspräsident Graf Heinrich von Schlick (1580– 1650), zu ihm in einem Gespräch einmal bemerkt hatte: „Man hette auf dieser Welt, nichts höhers zu achten, als die Ehre undt einen guten Nahmen, das bleibt, Reichthumb aber undt Geldt undt Guht gehet hinweg; es Nota Bene hieße: Foy de gentilhomme [adlige Treue], daß wehre ein großes Wort, das wehre höher zu schätzen, alß alle Schätze der gantzen Welt. Es ist auch viel beßer undt rühmlicher, mit Ehren arm zu sein¶, als mit Unehren reich, undt einen bösen Nahmen zu haben, alß wie dem Fridländer [Wallenstein] wiederfahren.“
Wenn man nach den Motiven dafür sucht, warum Christian II. überhaupt so ausführlich Tagebuch führte, so wird man sie auch darin finden, dass er sich immer wieder in den vielen Widrigkeiten seines Lebens vergewissern wollte, dass er dieser höchsten Norm einer standesgemäßen adligen Lebensgestaltung trotz allem gerecht geworden war. Und immerhin hatte er die Genugtuung, dass ihm das Schicksal Wallensteins (1583–1634), des Herzogs von Friedland, dessen Aufstieg und Fall ihn offenbar ebenso stark faszinierten wie mit Abscheu erfüllte, und der nach spektakulären Erfolgen den schändlichen Tod eines Verräters gestorben war, trotz aller Rückschläge erspart blieb.
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