Diese spannende Autobiographie, um deren Wahrheitsgehalt noch immer heftig gestritten wird, ist die Hauptquelle der Darstellung des Pariser Historikers Jean-Claude Schmitt. Der Autor enthält sich bewußt der Entscheidung, ob die Bekehrungsgeschichte als Wahrheit oder Fiktion anzusehen ist, sondern hebt ihre Funktion hervor: Sie habe dem Prämonstratenserstift Cappenberg zur Selbstdarstellung und Legitimation gedient; zudem habe der Topos der Bekehrung den Aufruf an jeden Christen unterstützt, sich verstärkt dem Glauben zuzuwenden.
Dieses Ergebnis untermauert Schmitt, indem er die einzelnen Elemente der Bekehrungsgeschichte untersucht, so Hermanns Traum als zentrales Motiv der Quelle, die Taufe und die Rolle von Bildnissen für die Konversion. Schließlich hebt er die hohe Bedeutung der „Bekehrung“ hin zu einem gottesfürchtigen Leben im Rahmen der kirchlichen Reformbewegung des 11. und 12. Jahrhunderts hervor.
Schmitts Buch bietet also nicht nur eine neue Interpretation der Konversion Hermanns, sondern zeichnet ein überzeugendes Bild der religiösen Geisteswelt des 12. Jahrhunderts.
Rezension: Rupp, Daniel





