„Wer schreibt, der bleibt.“ Diese Maxime gilt zwar nach den beeindruckenden Erfolgen der Archäologen nicht mehr ganz so strikt wie in früheren Zeiten, doch bleibt das Problem einer erschwerten Annäherung an eine Kultur, die keine Schriftzeugnisse hinterlassen hat. Die Bronzezeit in Mitteleuropa ist eine solche Epoche, bei der noch immer die Mutmaßungen die Gewißheiten übersteigen. Klaus-Rüdiger Mai, Regisseur und Autor für Theater und Rundfunk, bemüht sich mit seiner Publikation „Die Bronzehändler“, einem größeren Lesepublikum diese fernen Zeiten näherzubringen. Von den Jägern und Sammlern des Mesolithikums bis hin zu den Menschen der späten Bronzezeit um 800 v.Chr. umspannt seine Darstellung 9000 Jahre. Wissenschaftliche Informationen und eindringliche szenische Schilderungen wechseln sich ab in seiner Erzählung, die teilweise romanhafte Züge annimmt. Der Leser wird zu einem Zeitreisenden. Mai zeichnet das Bild einer kulturell hochstehenden, höchst mobilen und im steten Wandel begriffenen Kultur und zieht auch Verbindungslinien zu zeitgleichen Entwicklungen in anderen geographischen Regionen. So gelingt ihm ein spannender Zugang zu einer lang vergangenen Epoche, wobei allerdings zu bedauern ist, daß er den Frauen nur eine Statistenrolle zuerkennt.
Rezension: Sommer, Christopher





