Ein spannendes Konzept hat sich der Piper Verlag für sein Projekt „Zeitreise“ ausgedacht: Die Geschichte der Deutschen möchte es multimedial erzählen; Texte, viele Bilder und drei Filme sollen Geschichte anschaulich vermitteln. Hinzu kommen mehrere Filminterviews mit bekannten Historikern. Wie überzeugend ist das Ergebnis? Eindrucksvoll ist zunächst das Bildmaterial – im Buch wie im Film. Der Schwerpunkt liegt auf der Alltags-geschichte, und so treten die Menschen je?ner Jahre aus der Anonymi?tät heraus. Man sieht die große Not und die kleinen Freuden der ersten Nachkriegsjahre, das sich immer stärker unterscheidende Leben in Ost und West. Die aufschlußreichen Filme wurden in jahrelanger Arbeit zusammengetragen und stammen zum Teil aus privaten Quellen, aus Firmen- und Verbandsarchiven. Ganz befriedigen kann das Gesamtwerk dennoch nicht. Der fortlaufende Text des Buchs konzentriert sich auf die politische Geschichte, in Kästen treten zwar zusätzliche Informationen hinzu, doch gerät manches zu kurz. So fehlen etwa Hintergrundinformationen zu den Nürnberger Prozessen, eine Verbindung von Text- und Bildteil existiert nicht. Konzentriert man sich dann wieder auf die Filme, so befremdet doch die strikte Trennung von Filmdokumenten und Interviews. Eine Einordnung des Gesehenen durch eingeblendetet historische Kommentare wäre sicher vorzuziehen gewesen. Inzwischen ist auch die „Die Deutschen 1918 bis 1945“ erschienen.
Rezension: Talkenberger, Heike





