Der Titel des Buchs über das Leben eines Nürnberger Henkers im 16. Jahrhundert erstaunt: „Die Ehre des Scharfrichters“ heißt es. Dabei gehörten die Scharfrichter in der frühen Neuzeit zu den „unehrlichen Berufen“. Eine erste Lösung: Der in eine Henkersfamilie hineingeborene Frantz Schmidt hat zeit seines Lebens danach gestrebt, den Stand der Unehrenhaftigkeit zu überwinden. Dies zeigt ein Gesuch Schmidts an Kaiser Ferdinand II., in dem er geradezu flehentlich darum bittet, den Makel der Unehre von ihm zu nehmen. Zu seinen Gunsten führt Schmidt seine vorbildliche, fromme Lebensführung an. Als Beweis seiner treuen Pflichterfüllung hat er zudem eine Berufschronik selbst verfasst. 45 Jahre lang hat Meister Frantz Buch geführt über sein grausiges Handwerk, 394 Hinrichtungen, dazu zahlreiche Verstümmelungen und Folterungen hat er verzeichnet und kurze Beobachtungen und Gedanken hinzugefügt. Diese ungewöhnliche Quelle ist Grundlage der faszinierenden, flott geschriebenen Studie des amerikanischen Sozialhistorikers Joel F. Harrington. Er lässt die Lebens- und Gedankenwelt des Frantz Schmidt in all ihren Widersprüchen wiedererstehen und schildert dessen Kampf um Ehrbarkeit vor dem Hintergrund der damaligen Rechts- und Moralvorstellungen.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





