Das Buch „Die Entdeckung Afrikas“ von Jean de la Guérivière ist die deutsche Ausga?be eines für ein französisches Publikum geschriebenen Werkes. Die sechs Kapitel bringen Themen wie „Aus dem Meer tauchen weiße Menschen auf?“, „Die Magie der Ströme – Nil und Sambesi“ oder „Die Entdeckung der Kulturen“. Zahlreiche Abbildungen vermitteln einen plastischen Eindruck von Landschaften, Menschen, Lebensformen und Entdeckungsreisen. Den Ab?bildungen sind Erklärungen beigegeben, manchmal auch ganzseitige Auszüge aus Reiseberichten. Der Leser ist begeistert von der Kombination von Text und Bild, mehr als 80 ganzseitige Bilder sind enthalten. Diese Fülle der visuellen Eindrücke macht die Themen lebendig und verleitet zum Blättern und Lesen. Der Inhalt fordert jedoch Kritik heraus. Man erfährt zwar viel über die Reisenden und Entdecker, die üppigen Landschaften und ihre Tierwelt, auch die Greuel des Sklavenhandels und der Eroberung werden dargestellt. Afrikanische Lebensweisen, Wirtschaftsformen, politische Systeme und Kunst werden dagegen nur am Rande gestreift. Dieses Buch stellt die Entdeckung der Natur und der mit ihr verbundenen Menschen dar und unterstreicht damit das traditionelle Bild Afrikas. Die sehr viel anspruchsvollere Aufgabe, die afrikanischen Zivilisationen und ihre Leistungen vorzustellen, wird nicht versucht. Zwar werden vier Kunstwerke aus Benin abgebildet, aber unter der Überschrift „Das schwarze, verborgene Afrika bewahrt noch seine Geheimnisse“. Selbst das Kapitel „Die Entdeckung der Kultu-ren“ spricht mehr von Völkerschauen bei Hagenbeck, von kolonialer Unterwerfung und den Wissenschaften, von Josephine Baker oder der Erforschung der Gorillas. Afrika?nische Kunst und ihr Einfluß auf die europäische Moderne werden in drei Spalten unter der Überschrift „Sammler afrikanischer Kunst“ und „Ein Sammelsurium primitiver Kunst“ abgehandelt. Der Text ist für eine deutschsprachige Leserschaft nicht aufbereitet worden; er ist stark an französischen Entdeckern und Reisenden orientiert, übersetzt den Namen der aus Frankreich stammenden Missionsgesellschaft „Pères Blancs“ mit „Weiße Pater“ und bringt in der Bibliographie die französischen Titel der Reiseberichte, obwohl deutsche Übersetzungen vorliegen. Es fehlen zentrale Werke zur Geschichte Afrikas, kritische Darstellungen zur Geschichte der Entdeckungen werden ebenfalls nicht genannt.
Rezension: Harding, Leonhard





