Die „Edition Erdmann“ hat mit der Herausgabe des Reiseberichts von Julius Payer unter dem Titel „Die Entdeckung von Kaiser Franz Joseph-Land“ diesen Polarforscher des 19. Jahrhunderts davor bewahrt, weiterhin unbeachtet zu bleiben und vergessen zu werden. Julius Payer (1841–1915) hatte 1873 auf einer österreichisch-ungarischen Polarexpedition den heute zu Rußland gehörenden polaren Archipel Franz-Joseph-Land erreicht und in Teilen erkundet; er wurde 1876 dafür geadelt. Vielleicht führten – unberechtigte – Zweifel an seiner Leistung sowie sein späteres Leben als Kunstmaler dazu, daß die Erinnerung an den Reisenden verblaßte. In den 1870er Jahren gehörte er noch zu den bekanntesten Polarforschern. Sein enger Kontakt zu August Petermann, dem Herausgeber der damals führenden deutschsprachigen geographischen Fachzeitschrift, hatte ihm während seiner Unternehmungen noch Publizität gesichert, nach einer auszugsweisen Wiedergabe seines Reiseberichts 1929 fehlte jedoch bisher eine verläßliche Edition. Der die Person des Autors als führende Gestalt hervorhebende Bericht ist wortgewaltig und ausführlich, detailliert und sehr persönlich verfaßt. Äußerst beeindruckend ist die Schilderung der Entbehrungen, die die Teilnehmer der Expedition auf sich nahmen, fast beängstigend die Risikobereitschaft, mit der auch ein Scheitern des Unternehmens und drohender Tod hingenommen wurden. Zusätzliche Informationen liefert die sehr anregende Einführung von Detlef Brennecke, die die Tragik im Lebensgang des Forschers verdeutlicht.
Rezension: Stadelbauer, Jörg





