Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden war kein Mann, dem man leicht Angst einjagen konnte. Er war dabei, als im September 1683 am Kahlenberg der türkische Vormarsch auf Wien gestoppt wurde, und er verpasste auch in den folgenden Jahren kaum eine Schlacht. Immer höher stieg er im militärischen Rang und in der Gunst des Kaisers. Im April 1689 ernannte ihn Leopold I. zum Oberbefehlshaber im Kampf gegen die Osmanen.
Nur selten war Ludwig Wilhelm in seiner Markgrafschaft Baden-Baden, deren Regierung weitgehend in den Händen des Geheimen Rats als höchster Behörde des Landes lag. Zu eng schienen ihm die Grenzen der kleinen Markgrafschaft, um seinen Ehrgeiz befriedigen zu können. Spätestens seit der Teilung des Hauses Baden in die evangelische Durlacher und die katholische Baden-Badener Linie spielten die Markgrafen nicht mehr in der ersten Liga der deutschen Fürsten. Doch Ludwig Wilhelm fühlte sich zu Höherem berufen, als nur Regent eines kleinen Landes zu sein. Dabei glaubte er, auch für sein eigenes Land durch eine einflussreiche Position am Wiener Kaiserhof mehr Vorteile her-ausschlagen zu können als durch mühselige Verwaltungsarbeit.
Um eine Fürstenpflicht aber kam er nicht herum: Ludwig Wilhelm war fast 33 Jahre alt, als er vom Kaiser zum Oberkommandierenden ernannt wurde, und die Zukunft des Hauses Baden-Baden lag allein auf seinen Schultern. Ludwig Wilhelm hatte keine Geschwister, und außer seinem unverheirateten und bald 60-jährigen Onkel Hermann sowie einem kränkelnden, von Geburt an stummen Cousin gab es keine weiteren erbberechtigten männlichen Familienmitglieder. Sollte die Baden-Badener Markgrafschaft also nicht an die Durlacher Linie fallen, musste Ludwig Wilhelm endlich heiraten.
Zum Ehestifter wurde Kaiser Leopold I., der verhindern wollte, dass das katholische Baden-Baden an die evangelischen Durlacher fiel. Die Braut seines Feldherrn musste also vor allem katholisch sein, darüber hinaus möglichst viel Geld haben, um die leeren badischen Kassen zu füllen, und aus einer Familie mit enger Beziehung zum Kaiserhaus stammen. Alle drei Kriterien trafen auf die Herzogin Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg zu. Die Partie wurde umso interessanter, als ihr Vater Herzog Julius Franz am 30. September 1689 starb, ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen. Wie nicht anders zu erwarten, setzte danach die Jagd auf die „Beute“ und damit verbunden auf die beiden 15- bzw. 17-jährigen Töchter des Herzogs ein. Kursachsen erhob formell Ansprüche, die Welfen machten kurzen Prozess und besetzten das Herzogtum einfach. Doch mehr als das gar nicht so bedeutende Stammland zwischen Lübeck und der Elbe zog der reiche böhmische Besitz der Familie die Blicke auf sich. Und anders als das Herzogtum Lauenburg gehörten diese Besitzungen unumstritten zum Erbe der beiden Töchter. Da traf es sich bestens, dass der verstorbene Herzog in seinem Testament den Kaiser zum „Oberaufseher“ über die Mädchen bestimmt hatte.





