Als sich die Griechen gegen die osmanische Herrschaft erhoben, rechtfertigten ihre Anführer die Forderung nach politischer Unabhängigkeit mit einem Konzept, das in den politischen Debatten in West- und Mitteleuropa seit dem frühen 19. Jahrhundert eine immer größere Rolle spielte: das Konzept der Nation. Es faszinierte die Menschen, es weckte Hoffnungen und tiefe Emotionen. Es versprach dem Individuum die Einbindung in ein vermeintlich vertrautes Kollektiv, dem besondere Eigenschaften und Rechte zugeschrieben werden.
Das Geburtsland der modernen Nation ist Frankreich, und die jungen Vereinigten Staaten von Amerika haben bei der Geburt tatkräftig mitgeholfen. In beiden Ländern ging die Nation aus einer Revolution hervor: in Nordamerika 1776 aus dem Unabhängigkeitskampf der Siedler gegen die britische Kolonialmacht und in Frankreich 1789 aus der großen Revolution des Bürgertums gegen die feudale Ständeordnung und die diskreditierte Königsherrschaft.





