Es ist sehr zu begrüßen, dass die beeindruckende, 1991 erschienene „Geschichte der arabischen Völker“ des Orientalisten Albert Hourani nun wieder in einer aktualisierten Neuausgabe greifbar ist. Hourani beginnt seinen scharfsinnigen Überblick mit dem Erscheinen Mohammeds, der die vertraute Welt durch seine Botschaft „neu erschuf“, und führt seine Darstellung bis in die 1970er Jahre. Der englische Journalist Malise Ruthven erzählt anschließend die Entwicklung bis zum „Arabischen Frühling“. Hourabi verbindet seine eingängige, für ein breites Publikum gedachte Schilderung der politischen, religiösen, sozialen und kulturellen Verhältnisse mit strukturellen Überlegungen, wodurch das riesige Themengebiet gut erschlossen wird. So stellt er zu Beginn heraus, dass das wichtigste Herrschaftsprinzip der arabischen Welt die asabiya sei, der Gemeinschaftsgeist, das Klan-Denken, das bis heute eine einheitliche, auf nationale Identitäten bezogene Politik erschwert. Zum einigenden Band wurde der Islam, was Spaltungen in verschiedene Glaubensrichtungen nicht verhinderte. Auch verschließt Hourabi nicht die Augen vor den Schattenseiten der arabischen Geschichte, so die Ungleichheit zwischen Mann und Frau oder die Anwendung rücksichtsloser Gewalt als Mittel der Herrschaftsdurchsetzung.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





