Den vielen Facetten des Hässlichen in der abendländi-schen Kultur geht Eco in 15 Kapiteln nach – von den Grotesken in der Antike und der mittelalterlichen Welt mit ihren Bildern von Martyrium, Hölle und Tod, über die Darstellungen der hässlichen Frau, nicht nur als Hexe, und dem barocken Hang zum Bizarren und Extravaganten bis hin zur „Befreiung des Hässlichen“ in der Romantik und seinem Triumph in der künstlerischen Avantgarde. Den einzelnen Kapiteln ist eine Einführung vorangestellt, in der Eco nur oberflächlich zentrale ästhetische Positionen und ihren Wandel anspricht.
Danach wird eine Vielzahl von Bildern der Hässlichkeit präsentiert. Wer jedoch eine konsistente Analyse oder auch nur Einordnung dieser Darstellungen erwartet, wird enttäuscht; Eco bietet stattdessen eine lockere Collage aus Bildern und Texten, die sich offenbar gegenseitig erhellen sollen. Anregend ist die Zusammenstellung oft, faszinierend die Bandbreite der Beispiele – darin besteht ohne Zweifel der Reiz des Bandes. Der Nachteil aber liegt ebenso klar auf der Hand: Die Vielschichtigkeit mancher Texte, vor allem aber der Bilder wird zu wenig berücksichtigt und für den Leser nachvollziehbar gemacht. Die Bilder erscheinen als reine Illustrationen für die Texte, ihr Deutungspotential bleibt ungenutzt. Wie schon bei der „Geschichte der Schönheit“ reduziert sich Ecos „Geschichte der Hässlichkeit“ letztlich auf verkaufsträchtige Impressionen. Hierüber ärgert man sich gerade bei einem Autor, der als einer der Ersten mit seiner Bildsemiotik wichtige Anstöße für eine theoriegeleitete die Bildinterpretation gegeben hat.
Rezension: Talkenberger, Heike





