Die Jagd bildete über Jahrtausende hinweg eine der wichtigsten Formen des menschlichen Umgangs mit der Natur. Von der evolutio?nären Frühgeschichte der Spezies Mensch bis zu den Jäger-und-Sammler-Kulturen war sie zentral für den Nahrungserwerb. Ihre Bedeutung wurde erst durch Ackerbau und Viehzucht der nunmehr seßhaften Kulturen seit der „neolithischen Revolution“ relativiert. In den antiken Hochkulturen wie im europäischen Mittelalter und der frühen Neuzeit wurde die Jagdausübung zunehmend zum Privileg sozialer Eliten. Es kam zur Ausbildung einer repräsentativen höfischen Jagdkultur. Deren gesellschaftliche Auswirkungen (Ausschluß eines Großteils der Bevölkerung aus dem Jagdrecht, Frondienste, Wild- und Jagdschäden) führten zu wachsenden Konflikten und letzten Endes zum Fall der alten Jagdprivilegien. Werner Rösener, ausgewiesener Kenner besonders der mittelalterlichen Jagdgeschichte, hat diesen weitgespannten Bogen verfolgt. Er kondensiert den jagdgeschichtlichen Forschungsstand zu einem kulturgeschichtlichen Abriß mit zwei Schwerpunkten: Geographisch steht Zentraleuropa, chronologisch stehen das Mittelalter und die frühe Neuzeit im Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Rösener skizziert jagdtechni?sche wie -rechtliche Entwicklungen, stellt zentrale Werke der Jagdliteratur vor, widmet sich aber auch der langen Tradition intellektueller Jagdkritik. Biographische, mitunter anekdotische Skizzen machen den Leser vertraut mit dem Jagdgebaren historischer Persönlichkeiten wie Karl der Große oder Maximilian I. Der Anteil von Frauen an der Jagd wird ebenso in den Blick genommen wie die Wilderei. Schließlich diskutiert Rösener engagiert die ökologische Dimension der Jagd, jedoch nur für die Gegenwart. Er bietet so einen gut lesbaren Überblick für alle an der Kulturge?schichte der Jagd Interessierten.
Rezension: Knoll, Martin




