Liberales Musterland, Hort der Demokratie und des frühen Parlamentarismus, aber auch Brennpunkt der Revolution von 1848, einerseits Treue zu Napoleon und andererseits Beförderung der Gründung des Deutschen Reichs 1871 – diese Extreme kennzeichnen die wechselvolle Geschichte Badens im 19. Jahrhundert. Das Großherzogtum Baden entstand unter der Protektion Napoleons aus den Trümmern des Heiligen Römischen Reichs nach 1803. Die Biographien der sieben Großherzöge, die zwischen 1806 und 1918 die Geschicke des Landes mit bestimmten, stehen im Mittelpunkt des Buchs von Uwe A. Oster. Er schildert Politik und Persönlichkeit etwa von Karl Friedrich (1728–1811), den Herder zu „Deutschlands bestem Fürsten“ kürte, oder von Friedrich I. (1826–1907), der den Schulterschluss mit Preußen vollzog. Die zahlreichen Facetten des jeweiligen Herrschaftsstils der Großherzöge – mal liberal und bürgerfreundlich, mal despotisch oder schlicht unfähig – zeigen zugleich die Gestaltungsmöglichkeiten der „Landesväter“, aber auch deren Grenzen.
Rezension: Talkenberger, Heike





