München 1923. Die unruhigen Jahre der frühen Weimarer Republik. In der bayerischen Hauptstadt – zwischen Räterevolution und Hitler-Putsch – veröffentlichte der Schriftsteller Lion Feuchtwanger (1884 –1958) seinen historischen Roman „Die hässliche Herzogin“. Dieser spielt im 14. Jahrhundert, im späten Mittelalter – für einen Zeitgenossen der Weimarer Republik eine ferne Epoche. Feuchtwanger, ein Meister des Genres, hatte jedoch ein klares Konzept, um die Relevanz des Stoffes zu verdeutlichen: „Die Kräfte, welche die Völker bewegen, sind die gleichen, seitdem es aufgezeichnete Geschichte gibt. Sie bestimmen die Geschichte der Gegenwart ebenso, wie sie die Vergangenheit bestimmt haben.“
Im Mittelpunkt des Romans steht die Herzogin Margarete von Tirol. Unbeschreiblich, geradezu monströs sei ihre Hässlichkeit gewesen, schreibt Feuchtwanger: Ihr aufgerissener Mund habe ihr den Namen „Maultasch“ eingetragen. Diese Hässlichkeit, so der Autor, habe die Herzogin vereinsamen lassen; als eine Art „Gegenglück“ habe sie sich mit aller Kraft den Geschicken ihres Landes gewidmet und alles darangesetzt, um in der Umbruchzeit des Spätmittelalters vor allem die fortschrittlichen Kräfte, Bürgertum und Handel, zu unterstützen.





