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Die „hässliche Herzogin“ und ihr Kampf um Tirol
Margarete von Tirol (1318–1369), auch Margarete Maultasch genannt, erbte von ihrem Vater die Grafschaft Tirol. 1341 vertrieb sie ihren ersten Mann, den böhmischen Königssohn Johann Heinrich, und heiratete ohne kirchliche Trennung Ludwig von Brandenburg. Später wurde die Gräfin als besonders hässlich karikiert. War…
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München 1923. Die unruhigen Jahre der frühen Weimarer Republik. In der bayerischen Hauptstadt – zwischen Räterevolution und Hitler-Putsch – veröffentlichte der Schriftsteller Lion Feuchtwanger (1884 –1958) seinen historischen Roman „Die hässliche Herzogin“. Dieser spielt im 14. Jahrhundert, im späten Mittelalter – für einen Zeitgenossen der Weimarer Republik eine ferne Epoche. Feuchtwanger, ein Meister des Genres, hatte jedoch ein klares Konzept, um die Relevanz des Stoffes zu verdeutlichen: „Die Kräfte, welche die Völker bewegen, sind die gleichen, seitdem es aufgezeichnete Geschichte gibt. Sie bestimmen die Geschichte der Gegenwart ebenso, wie sie die Vergangenheit bestimmt haben.“
Im Mittelpunkt des Romans steht die Herzogin Margarete von Tirol. Unbeschreiblich, geradezu monströs sei ihre Hässlichkeit gewesen, schreibt Feuchtwanger: Ihr aufgerissener Mund habe ihr den Namen „Maultasch“ eingetragen. Diese Hässlichkeit, so der Autor, habe die Herzogin vereinsamen lassen; als eine Art „Gegenglück“ habe sie sich mit aller Kraft den Geschicken ihres Landes gewidmet und alles darangesetzt, um in der Umbruchzeit des Spätmittelalters vor allem die fortschrittlichen Kräfte, Bürgertum und Handel, zu unterstützen.
Eindrucksvoll schildert Feuchtwanger den Kampf Margaretes um ihre Heimat, das Land Tirol. Dieses war auf der politischen Bühne der Zeit zum Spielball dynastischer Interessen geworden. Am Anfang des Romans berichtet er von den Vorbereitungen zur ersten Hochzeit Margaretes: „Zwischen der Stadt Innsbruck und dem Kloster Wilten auf weitem, freiem Blachfeld hoben sich Gezelte, Fahnenstangen; Tribünen waren aufgerichtet, eine Art Rennbahn abgesteckt für Turniere und andere sportliche Spiele des Adels. Schon das zweite Jahr bedeckten diese Zelte die Felder von Wilten, wartend auf die große, prächtige Hochzeit, die Heinrich, Herzog von Kärnten, Graf von Tirol, König von Böhmen ausrichten wollte.“ Margarete wird von Feuchtwanger mit folgendem Porträt in die Handlung eingeführt: „Sie sah älter aus als ihre zwölf Jahre. Über einem dicklichen Körper mit kurzen Gliedmaßen saß ein großer, unförmiger Kopf … War sie vorbei, schaute man sich an, feixte: ‚Das überworfene Maul! Wie eine Äffin!‘ höhnten Frauen, die unansehnlich waren und dürftig von Gestalt. Schöne hatten Mitleid: ‚Die Arme! Wie hässlich sie ist!‘“
Das Land Tirol ist der Schlüssel zu Italien
Tirol ist mit seinen hohen und dennoch besser als anderswo zu überquerenden Pässen das Brückenland der Alpen, die Klammer zwischen Nord und Süd. Die Alpenübergänge waren der Schlüssel zu Italien, der Quelle des Reichtums, der Intellektualität und des Fortschritts schlechthin der damaligen Zeit. Wem Tirol gehörte, dem stand zumindest der Norden der italienischen Halbinsel offen, der konnte den Handel kontrollieren zwischen Oberdeutschland und der Lombardei, dem flossen Geld und Reichtum zu; dem öffnete sich schließlich auch der Weg nach Rom, zur Kaiserkrone.
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Es war also kein Wunder, dass die großen Familien der Zeit, Habsburger, Luxemburger und Wittelsbacher, die sich damals jahrzehntelang in „springenden Königswahlen“ (die Krone wurde quasi meistbietend vergeben) um die Macht im Reich stritten, ein Auge auf das Land warfen. Der Roman über die hässliche Herzogin – er wurde Feuchtwangers erster großer literarischer Erfolg; viele weitere sollten folgen. 1925 kommentierte Feuchtwanger selbst dieses Werk so: „Das Buch schildert den Kampf eines Menschen gegen die ungünstigen Bedingungen der Konstitution, die ihm die Natur gegeben hat. Ein Drittel aller Leser also können daraus Trost und Belehrung schöpfen, zwei Drittel freuen sich über ihre besseren körperlichen Bedingungen.“
Wer war Margarete Maultasch? Was wissen wir tatsächlich über sie? Margarete wurde 1318 geboren als Tochter Heinrichs VI., des Herzogs von Kärnten und Grafen von Tirol, eines mächtigen Fürsten aus der Meinhardiner-Dynastie. Die Meinhardiner waren so etwas wie „die Erfinder“ des Landes Tirol, seine Begründer im Sinn der Eigenständigkeit. 1995 trug eine bemerkenswerte Ausstellung auf Schloss Tirol, dem namengebenden Stammsitz des Geschlechts über der Stadt Meran, den bezeichnenden Titel „Eines Fürsten Traum“. Um 1300 war der Traum Wirklichkeit geworden: Tirol war ein reiches, starkes Land.
Heinrich, der Sohn Meinhards II., war so mächtig, dass er von 1307 bis 1310 sogar König von Böhmen und Markgraf von Mähren sowie Titularkönig von Polen war: ein echter Global Player, wie man heute sagen würde. Margarete war das einzige erbberechtigte Kind. Eine Tochter als Erbin – im Mittelalter war das eine Konstellation, die meistens zu Komplikationen führte. Andere bekannte Beispiele sind etwa Mathilde von England im 12. Jahrhundert und Maria von Burgund im 15. Jahrhundert. Noch als Kind wurde Margarete mit Johann Heinrich von Luxemburg (1322 –1375) vermählt. 1327 fand die Verlobung statt, 1330 die Hochzeit.
Johann Heinrich war der zweitgeborene Sohn König Johanns von Böhmen (später „der Blinde“), eines der mächtigsten Männer im europäischen Hochadel seiner Zeit. Seine Mutter war die Przemyslidin Elisabeth, sein Bruder der spätere Kaiser Karl IV. (1355 –1378). Der Tod ihres Vaters 1335 war für Margarete ein wichtiger Einschnitt – persönlich wie politisch. Ludwig der Bayer, römisch-deutscher König und seit 1328 auch Kaiser (bis 1347), versagte Margarete die Nachfolge. Er verlieh Kärnten und einen südlichen Teil Tirols den österreichischen Herzögen Albrecht II. und Otto. Das nördliche Tirol aber sollte an die Wittelsbacher fallen.
Der Plan des Kaisers ging indessen nur zum Teil auf. In Kärnten vermochten sich die Habsburger zwar durchzusetzen; doch in Tirol hielt die Bevölkerung am Herrschaftsanspruch Margaretes und ihres Gemahls fest.
Wer damals, in dieser gefährlichen Lage, Margarete zunächst half, war ihr Schwager Karl, der spätere Kaiser. Seit 1336 hielt er sich – festgehalten auch in seiner berühmten Selbstbiographie – für einige Jahre in Tirol auf. Er wehrte Angriffe aus dem Osten und dem Norden ab. 1339 fand sich auch Kaiser Ludwig der Bayer zur Belehnung Johann Heinrichs und Margaretes mit Tirol bereit.
Doch die böhmische Herrschaft wurde in der Grafschaft immer unbeliebter. Zudem fühlte sich Margarete zunehmend von der Regierung ausgeschlossen und von ihrem Gemahl sowie von ihrem Schwager schlecht behandelt. Es entstand eine wachsende Antipathie Margaretes gegenüber ihrem Ehemann. Sie wandte sich stattdessen dem Tiroler Adel zu. Dieser wiederum nahm konspirative Verbindungen mit den Wittelsbachern auf.
Darf eine Frau des 14. Jahrhunderts ihren Gatten vor die Tür setzen?
Allerheiligen 1341: Der Bruch ließ sich nicht mehr kitten. Als Johann Heinrich am 2. November 1341 von einem Jagdausflug heimkehrte, fand er die Türen seines Schlosses verriegelt. Margarete hatte sich dazu entschlossen, sich ihres Ehemannes zu entledigen – und damit vor allem auch des böhmischen Einflusses. Die Gräfin verstieß ihren Gemahl. Die Ehe sei nie vollzogen worden, erklärte sie. Daher sei die Verbindung nach kanonischem Recht ungültig. Johann Heinrich verließ das Land. Er durfte fortan in den böhmischen Ländern mitregieren. 1349 wurde ihm die Markgrafschaft Mähren als Lehen übertragen.
Margarete indessen heiratete 1342 den Markgrafen Ludwig von Brandenburg aus der Familie der Wittelsbacher (die Wittelsbacher herrschten damals für ein paar Jahre über die Mark Brandenburg). Aus ihrer Sicht – und der Sicht der zugrunde gelegten kirchenrechtlichen Argumentation – war dies keine neue, sondern die erste richtige Ehe überhaupt. Auch Ludwig von Brandenburg war, als ältester Sohn Kaiser Ludwigs des Bayern, ein höchstrangiger Kandidat.
Das Paar wurde vom Kaiser mit Kärnten und Tirol belehnt. Die beiden bekamen bald Kinder, von denen jedoch nur eines, Meinhard III., überlebte. Die Wittelsbacher bestätigten den Bewohnern des Landes ihre Rechte und Freiheiten, wichtige Urkunden, die allerdings, wie die moderne Forschung weiß, von der Geschichtsschreibung lange Zeit überschätzt und hochtrabend zur „Magna Charta Tirols“ stilisiert worden sind.
Doch die Sache war nicht so einfach. Zur Auflösung einer Ehe reichte nach den kirchlichen Gesetzen der Zeit die Erklärung der Frau über die Impotenz des Mannes nicht aus; dazu bedurfte es eines kirchlichen Feststellungsverfahrens. Der dazu willige Bischof von Freising, Ludwig von Chamstein, reiste nach Tirol – und brach sich auf dem Weg dorthin, beim Versuch, sein Pferd zu besteigen, das Genick. Ein Gotteszeichen? Einige wollten es so sehen. Nach dem Tod des Freisingers schreckten die Bischöfe von Regensburg und Augsburg vor dem Fall zurück, und auf den Papst war ohnehin nicht zu hoffen. Also war es am Kaiser selbst, die Ungültigkeit der ersten Ehe Margaretes festzustellen.
Das Ganze erregte großes Aufsehen. Marsilius von Padua und Wilhelm von Ockham, zwei führende, papstkritische, ja vom Papst verfolgte Intellektuelle der damaligen Zeit, meldeten sich zu Wort und verteidigten das Vorgehen des Kaisers: Marsilius entschieden und ungestüm, Ockham, der von einem „kaiserlichen Sonderrecht“ sprach, etwas vorsichtiger. Wieder einmal befanden sich Imperium und Sacerdotium im Konflikt. Papst Benedikt XII. verhängte den Kirchenbann über das Paar. Aus seiner Sicht war die Ehe bigamistisch: Margarete sei eigentlich mit zwei Männern verheiratet, die erste Ehe habe nach wie vor Bestand.
Die Habsburger helfen der Gräfin – und sichern sich die Nachfolge
Die Lage war kritisch. Finanzielle Schwierigkeiten kamen hinzu. Herzog Albrecht II. von Österreich, ein Habsburger, nahm auf das benachbarte Territorium Einfluss: Gegen die Verpfändung einiger Burgen bot Albrecht seine Vermittlung bei der Aufhebung des Kirchenbanns an und stellte auch finanzielle Hilfe in Aussicht. Das Tiroler Paar nahm das Angebot dankbar an.
Die Vermittlungsbemühungen des Habsburgers an der Kurie waren in der Folge tatsächlich von Erfolg gekrönt: Im August 1359 wurde die feierliche Lösung des Brautpaares vom Bann verkündet, auch die Legitimierung der Kinder wurde gestattet. Die neue Verbindung des Tiroler Paares zu den Habsburgern wurde aber auch noch durch eine andere Tatsache bekräftigt: durch die Verheiratung des Erbprinzen Meinhard III. mit Margarete, einer Tochter Herzog Albrechts II.
Bald darauf starb Herzog Albrecht II. Sein Sohn und Nachfolger, Rudolf IV., setzte die Politik der Unterstützung für das Tiroler Fürstenpaar bruchlos fort. Bereits 1359, wie es scheint, setzte Margarete für den Fall, dass sie oder ihr Ehemann oder ihr Sohn Meinhard ohne Leibeserben sterben sollten, die Habsburger als Erben ein. Das war weise geplant – und ein Glück für das Haus Habsburg. 1361 starb ihr Gatte Ludwig, am 13. Januar 1363 starb auch der Sohn Meinhard III. auf Schloss Tirol. Zuvor hatte er noch, ein hochsymbolisches Zeichen, seine Siegel – die wichtigsten Mittel der Beurkundung – einem Anhänger Herzog Rudolfs anvertraut.
Herzog Rudolf selbst eilte herbei – in einem Gewaltmarsch über den winterlichen Tauferpass. Am 26. Januar 1363 trat Margarete ihre Herrschaftsrechte ihren nächsten Verwandten, den Habsburgern Rudolf IV., Albrecht III. und Leopold III., ab. Damit begründete sie die Vereinigung Tirols mit Österreich – eine der wichtigsten Etappenstationen auf dem Weg des Hauses Habsburg zur europäischen Großmacht.
Am 2. September 1363 dankte Margarete als Gräfin von Tirol endgültig ab. Sie sollte das Land nie wiedersehen. Die letzten Lebensjahre bis zu ihrem Tod am 3. Oktober 1369 verbrachte sie in Wien sowie in Krems. Beigesetzt wurde sie in der Wiener Minoritenkirche.
In der kollektiven Erinnerung ist Margarete Maultasch unvergessen – bis auf den heutigen Tag. In Tirol ist „die Maultasch“, angesiedelt irgendwo zwischen „Gräuelpropaganda und Touristenattraktion“ (Siegfried de Rachewiltz), so bekannt wie nur wenige andere historische Gestalten. An Popularität kommt sie sicher gleich nach Kaiser Maximilian. Die neuere Forschung hat vor allem Margaretes Rolle als Fürstin beleuchtet: Sie hat die oft stark überzeichnete, nicht selten dämonisierte Figur nüchtern-kritisch eingeordnet in die Traditionen ihrer Vorgänger als Landesfürsten und in die Gepflogenheiten ihrer Standesgenossinnen des späten Mittelalters.
Eine solche Einordnung nimmt der Figur viel von ihrer Besonderheit, ihrer vermeintlichen Einzigartigkeit. Weiterhin betont die neuere Forschung, dass die Fürstin vor allem in der Zeit als kinderlose Ehefrau und Erbtochter um 1342 sowie später als Witwe nach dem Tod ihres Sohnes Meinhard III. politisch besonders aktiv gewesen sei. In diesen Lebensabschnitten schien sie mit allem Nachdruck an die Stelle des nicht vorhandenen männlichen Personals treten zu wollen – etwa durch die Bestätigung der Privilegien des Klarissenklosters in Meran oder durch die Verbriefung von zwei Schenkungen an das Kartäuserkloster in Schnals.
Beide Entscheidungen wurden in der kurzen Zeit zwischen der Trennung von Johann Heinrich und der Neuverheiratung mit Ludwig von Brandenburg Anfang Februar 1342 getroffen – in einer Zeit also, in der sie „Chefin des Hauses und Regentin des Landes“ gewesen sei, weshalb „vergleichsweise viele der von ihr erhaltenen Urkunden in diesen Monaten ausgestellt worden sind“, wie die Historikerin Julia Hörmann-Thurn und Taxis anmerkte.
Wie aus einer schönen Frau eine groteske Karikatur wird
Der merkwürdige Name „Maultasch“ – woher kommt er? Wollte die Herzogin tatsächlich, wie Feuchtwanger suggerierte, ihre besondere Hässlichkeit durch eine skrupellose, machiavellistische Machtpolitik kompensieren? Moderne Untersuchungen der Porträtdarstellungen, die Siegelbilder ebenso berücksichtigen wie Renaissance-Gemälde und spätere Kupferstiche, legen Wert auf die Tatsache, dass die karikaturistische Darstellung der Fürstin erst sehr viel später einsetzte, also nicht die Welt des 14. Jahrhunderts widerspiegelt.
Das einzige zeitgenössisch überlieferte Porträt ist ein Siegelbild im Zusammenhang mit der Urkunde der Übereignung Tirols an die Habsburger: Es zeigt, wie wenig auch die wirklichen Gesichtszüge zu erkennen sein mögen, eine schlanke, vornehme, edle Frauengestalt. Auch das bekannte, immer wieder reproduzierte Bildnis der Margarete aus der Ambraser Sammlung, das dem 16. Jahrhundert zugeordnet wird (siehe Seite 73), zeigt eine würdevoll auftretende, keineswegs hässliche Frau mit einem wunderschönen Kleid. Sie ist darin als Fürstin, als Landesherrin dargestellt. In ihren Händen hält sie Schilde mit den Wappen ihrer Herrschaften: auf der einen Seite den roten Adler Tirols, auf der anderen Seite das Rautenwappen der bayerischen Herzöge; unterhalb, ihr zu Füßen, ist das Stammwappen der Meinhardiner zu sehen.
Welten entfernt liegt diese Darstellung vom bekannten Bild des flämischen Künstlers Quentin Massys (1466 –1530), der um 1513 das Porträt einer grotesk überzeichneten älteren Frau gemalt hat. Das Bild wird seit dem 18. Jahrhundert mit Margarete Maultasch in Verbindung gebracht. Die Frau auf dem Bild ist von einer monströsen Hässlichkeit. Die eigentliche Wirkung des Bildes beruht auf dem Gegensatz zwischen der Unansehnlichkeit der Frau – ihrem tierähnlichen Kopf, den Runzeln und Falten ihres Körpers – und ihrem Aufputz, ihrem in keiner Weise altersgemäßen Kleid und der lächerlichen Kopfbedeckung.
Die Identifikation dieses Porträts mit Margarete ist indessen eine reine Zuschreibung. In den schriftlichen Quellen ihrer Zeit wird vielmehr Margaretes Schönheit gerühmt – etwa von Johann von Winterthur (gest. 1348), der sie als „überaus schön“ (pulchra nimis) beschreibt, oder von Heinrich von Herford (gest. 1370), der zu ihrer Charakterisierung die Worte „ebenso schön wie großzügig“ (tam pulchra, tam generosa) gebraucht.
Der Name „Maultasch“ ist erst seit den späten 1460er Jahren belegt, er ist kaum als zeitgenössisch zu werten. Er ist sehr wahrscheinlich das Ergebnis böhmischer und päpstlicher Propaganda gegen Margarete, und mit Sicherheit beruht er nicht auf einer tatsächlichen Verunstaltung der Mundpartie der Fürstin. Er meint vielmehr so etwas wie „Hure“ oder „liederliches Weib“. Erst im 15. Jahrhundert bezog man den Begriff auf das Gesicht der Gräfin.
Autor: Prof. Dr. Jörg Schwarz
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